09.02.2007 - 19:00 Uhr

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Reingehört: Mit Locas In Love, Anajo, The Decemberists und The Indeliactes

Text: caroline-vonlowtzow

Immer zum Wochenende: die Playlist, mit den interessantesten Liedern, die diese Woche erscheinen.

Lied: "Mein lieber Herr Gesangsverein" von Anajo Ausgesucht weil: Symptomatisch für diese Band - klingt vom Titel her irgendwie blöd und provinziell, ist aber hundertpro nach zweimal Hören eines von 14 neuen Lieblingsliedern. Ausgesucht von: Der zweiten Anajo-Platte, mit der diese Band wohl endlich ein paar mehr Ohren erreichen wird.
Ich mag Anajo, ich bin sogar regelrecht verknallt und zwar ist das jene Form von Verknalltheit, gegen die man sich eigentlich gewehrt hat. Es hilft nichts, die Stimme von Oliver Gottwald ist so markant, spitzbübisch, ich sage auch: süß, dass er mir schon seit einigen Monaten alles vorsingen könnte. Das tut er auch, denn die Anjao-Texte sind latent komisch, regelrechte Kalle-Blomquist-Lyrik, da geht es um Hotelpagen und Leute die in Häuser einsteigen, irgendwelche banale Sachen passieren – egal, das ist alles irgendwie saunett gereimt und mir viel lieber als das verzweifelte Kettcar-Ungewissheits-Texten mit „Ich-sitze-zwischen-allen-Stühlen-Melancholie“, wie es VJ! und andere immer noch hinpfriemeln. Anajo singen frei heraus und sind, zweiter großer Verknallgrund, so absolut gutgelaunt und wonnig, so herrlich cool-befreit. Wären sie ein Mann, würde man sagen: der steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Schon die letzte Platte war gut, das Album jetzt ist wirklich eine astreine Singles-Sammlung, wie ich sie lange nicht mehr von einer deutschen Band gehört habe. Perfekt getrimmter Orgelpop, immer bunt, immer lustig aber dadurch auch sexy und so, dass man ins Konzert gehen möchte. Mitreißend ist das Wort. Bitte auch mal reinhören, wenn man Jungspopbands aus mittelgroßen deutschen Städten eigentlich ablehnt – Anajo sind die reine Lust, sie können körbeweise Tage retten. max-scharnigg jetzt.de präsentiert die ausgiebige Anajo-Tour. Lied: „Diet Smoke“ von Ladyfinger (NE) Ausgesucht weil: ein bisschen Schweinerock auch mal nix schaden kann und „Diet Smoke“ eine ausgezeichnete Balance zwischen Melodie und Krach schafft. Ausgesucht aus: dem Debütalbum „Heavy Hands“ der vier apokalyptischen Reiter aus Omaha, (NE)braska „Ladyfinger (NE)“ (Saddle Creek)
War Saddle Creek nicht mal dieses Label mit den traurigen Folkbands? Ladyfinger sind auf jeden Fall das genaue Gegenteil davon und dieses Album ist ein eher schwerer Brocken. Black Sabbath und Motörhead, schräge, schnelle Gitarrensoli und ein erbarmungslos antreibendes Schlagzeug lassen grüßen. Viel Schweiß und viel Testosteron. Ich persönlich mag diesen Heavy Metal-esken harten Rock ja nicht so, aber Ladyfinger sind zweifelsohne eine gute Rockband mit einer unglaublichen Energie, weshalb ich sie euch nicht vorenthalten will. Denn trotz der riesigen, kraftstrotzenden Rockposen und Schallwände, schafft es Sänger Chris Machmuller einen immer wieder mit seiner quiekenden Stimme und dem Ansatz einer Melodie einzufangen – besonders gelungen in „Sea Leggs“ und dem ausgewählten „Diet Smoke“. Lied: „Citizens of Tomorrow“ von Tokyo Police Club Ausgesucht weil: das Stück Strokes-Qualität hat und sich das Handclapping und der Synthesizer am Anfang so wunderbar mit der lakonischen Stimme des Sänger mischen. Ausgesucht aus: der Debüt-EP „A Lesson In Crime“ der vier Kanadier Tokyo Police Club (Memphis Industries)
Kanada diesmal anders: Tokyo Police Club sind kein weiteres dieser weirden hippie-infizierten Bandkollektive, die in den letzten Jahren aus Kanada zu uns herüberschwappten, sondern stehen in der guten alten Strokes- und Franz Ferdinand-NME-Gitarren-Indierock-Tradition. Sehr rotzig, sehr erfrischend wie da auf den Gitarren rum geschrubbt und auf die Trommeln eingedroschen wird, da kann man kaum wiederstehen. Lied: „Always On My Mind“ von Antennas Ausgesucht weil: man einen Elvis-Klassiker in welcher Version auch immer auf seiner Playlist haben sollte. Ausgesucht aus: Dem Album “Sins” (Decoder Records)
Bis 2004 hießen die drei Schweden noch Novak und veröffentlichten ein erstes Album, als Antennas und nach leichter Umbesetzung kommt nun also ein weiteres: ein bisschen Lo-Fi und viel luftiger Indiepop, gepaart mit großem Orchestergedöns samt Streichern und Bläser-Pipapo. In voller Länge muss ich das nicht haben, weil man das Gefühl hat, das irgendwie alles schon mal ein bisschen besser woanders gehört zu haben. Aber die Single „Always On My Mind“ vereint die oben genannten Stilmittel so gekonnt, dass es eine Freude ist.
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