23.01.2007 - 19:00 Uhr

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Endlich im Kino: „Enron – The smartest guys in the room”

Text: stefan-biro

Diesen Film solltest du dir ansehen, denn er verkörpert ein rares Genre: den Typus des investigativen Wirtschaftsthrillers

„Enron – The smartest guys in the room” dreht sich um den folgenschwersten Firmenbankrott in der Geschichte der US-Wirtschaft. Es geht um die Pleite von Enron, einem texanischen Energiehändler. Als Enron 2001 Insolvenz anmeldete, war es eines der sieben größten Unternehmen in den USA. Ein Schock, denn niemand hatte vorausgesehen, dass die Firma wie ein Kartenhaus zusammen fallen würde. Gebaut auf Schulden, falschen Versprechen und frisierten Bilanzen. „Enron – The Smartest Guys in the Room“ ist weniger Dokumentation als ein packender Wirtschaftskrimi. Der Oscar-nominierte Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Bethany McLean und Peter Elkind. Neben den beiden Journalisten kommen im Film Börsianer, Politiker, Rechts- und Staatsanwälte zu Wort. An der Chronologie der Ereignisse entlang zerpflückt der Film den Fall Enron. Zum Beispiel die beschaulichen Firmenanfänge in der texanischen Einöde, wo Enron 1985 ins Energiebiz einstieg. Die engen Verbindungen zum Bush-Clan, der dem Unternehmen stets gewogen war. Und die Energiekrise in Kalifornien 2000, als Enron dem Film nach mit Absicht Kraftwerke lahmgelegt haben soll, um danach die Strompreise explodieren zu lassen. Enron ist somit ein Paradebeispiel für eine gescheiterte Deregulierung von Energiemärkten und für eine naive Wirtschaftspolitik, die sich an den Markt und seine Handlanger verkauft hat – ein warnendes Beispiel auch für Liberalisierungs-Fanatiker in den Gremien der EU und sonst wo.
Wurde wegen unzähliger Finanzdelikte angeklagt: Kenneth Lay, der Gründer von Enron – er verstarb im vergangenen Juni, noch während des Prozesses Regisseur Alex Gibney: „Überrascht war ich, dass beinahe jeder – Journalisten, Börsenanalysten, Wirtschaftsprofessoren, sogar Alan Greenspan, der Präsident der US-Zentralbank – der Enron-Story Glauben schenkte. Vielleicht lag einer der Gründe, warum alle davon so überzeugt waren, darin, dass die Enron-Bosse ihre Mission in eine Ideologie verpackten, an die jeder in der amerikanischen Gesellschaft bedingungslos glauben wollte: Wenn es keine Regeln und keine Regulierung gibt, wird alles gut.“ Dieser Irrglaube war bis zum Finanzcrash von Enron der Motor der New Economy. Doch der verhängnisvolle Crash hat die Politik wachgerüttelt. Im Juli 2002 verabschiedete der Kongress ein hoch ambitioniertes Gesetz: den so genannten „Sarbanes-Oxley Act“, der die Börsenaufsicht massiv verschärft und den Kapitalverkehr knallharten Regeln unterwirft. Nie wieder dürfe es, so der Gesetzgeber, zu einem Skandal der Kategorie Enron kommen können. „The smartest guys in the room” – das ist auch ein Psychogramm skrupelloser Manager, deren kriminelle Energie sich in der Freizügigkeit des bis zur Jahrtausendwende extrem liberalen US-Finanzmarktes erst richtig austoben konnte, so die Theorie von Regisseur Alex Gibney. Zum Beispiel packten sich die für den Skandal verantwortlichen Manager noch kurz vor dem Kollaps Bonuszahlungen in Höhe von 55 Millionen Dollar in die Taschen, während zehntausende Beschäftigte ihre Arbeitsplätze und ihre Alterversorgung verloren. Ein Schuldenberg in Milliardenhöhe, 20 000 Arbeitslose und zwei Milliarden Dollar, die aus dem Pensionsfonds für Enron-Mitarbeiter veruntreut wurden – so das desaströse Erbe des Konzerns.


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emmaglamour
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23.01.2007 - 19:36 Uhr
emmaglamour

Super Film. Gibts ansonsten auch schon auf DVD.

jane
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23.01.2007 - 20:06 Uhr
jane

oh!
ich dacht, das sei ein alter film. abgedreht wurde er soweit ich weiss schon viel frueher und in den extras wird dann noch schnell ein update hinterhergeschmissen. dass kenneth lay tot ist mittlerweile, also _das_ wusste ich jetzt aber nicht! der sauhund.

wie dem auch sei: sehr interessanter film, absolut ansehenswert, zeigt schoene hintergruende und ist manchmal wirklich abartig (ich sage nur "burn baby burn").

tom
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23.01.2007 - 22:44 Uhr
tom

Meiner Meinung hat der „Sarbanes-Oxley Act“ selber grossen Schaden angerichtet, einfach weil er sehr restriktiv ist.

Christopher Culp, der ein Buch drüber geschrieben hat (Corporate Aftershock) und bei uns Gastdozent war, hat es wie folgt auf den Punkt gebracht: ohne die sehr (wirklich) "smarten" Finanztransaktione wäre Enron schon viel früher den Bach runter gegangen, schlichtweg weil sie dumme Investments gemacht hatten.

jane
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23.01.2007 - 22:46 Uhr
jane

@tom: ich finde, auch das insgesamt dauerlobende bild der medien verhalf enron, einfach alles moegliche machen zu koennen. wer hinterfragte denn schon irgendwas? keiner. die forbes-tante war die erste, die mal ganz legitim in den raum stellte, dass sie bei den finanzdarstellungen nicht mehr ganz mitkommt. und bauff! da gings den bach runter.

tom
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24.01.2007 - 00:34 Uhr
tom

yo jane

das haben vorher auch schon andere früher bemerkt: warren buffett wurde glaube ich eine ganze weile vorher gefragt, ob er nicht aktien von enron kaufen wollen oder empfehlen kann. seine antwort: seine analysten hätten es angeschaut, und er würde nicht kapieren, was das geschäft von enron ist.

generell zeigt sich, dass man alles missbrauchen kann. so sind z.b. die krediderivate, welche enron gebraucht und teilweise erfunden hat, echt geile sachen, die legitim dazu eingesetzt werden können risiko zu verteilen bzw. sogar das finanzsystem stabilisieren.

auf der anderen seite ist es halt aber auch ein gebiet, wo man viel verschleiern kann, weil man sehr komplexe transaktionen konstruieren kann.

hab den film nicht gesehen, aber ein gerücht ist ja auch, dass enron dass gar nicht selber verbockt hat, jedenfalls nicht in dieser dimension, sondern die investmentbanker, die enron beraten haben.

denn, überlegen wir mal kurz: investmentbanker sind so ziemlich die smartesten ärsche out there, zumindest im finanzbereich. und die wollen nicht gecheckt haben was abging?

Nichts
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24.01.2007 - 00:45 Uhr
Nichts

"Enron ist somit ein Paradebeispiel für eine gescheiterte Deregulierung von Energiemärkten und für eine naive Wirtschaftspolitik" - wer die liberalisierungspolitik der usa kritisiert, sollte zunächst vor der eigenen haustür kehren. daß diese hierzulande nicht nur gescheitert, sondern noch nicht mal existent ist, das wurde in dem beitrag oben leider vergessen. daß dies allerdings nicht schuld der eu ist, sondern allein von rot-grün versaut wurde, eine solche erwähnung fehlt ebenfalls.

warum der "bush-clan" erwähnt wird, ist mir auch nicht klar. ich schätze mal, daß das us-bashing mittlerweile einfach nicht mehr fehlen darf, in einem artikel, der sich in irgendeiner weise mit den usa beschäftigt.

air_kaviar
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24.01.2007 - 08:34 Uhr
air_kaviar

@nichts:

texas, der energiesektor und enron sind allesamt eng mit der familie bush verwoben. das darf man ruhig erwähnen.

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24.01.2007 - 08:34 Uhr
air_kaviar

@nichts:

texas, der energiesektor und enron sind allesamt eng mit der familie bush verwoben. das darf man ruhig erwähnen.

kulturgut
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24.01.2007 - 08:53 Uhr
kulturgut

"Enron ist somit ein Paradebeispiel für eine gescheiterte Deregulierung von Energiemärkten und für eine naive Wirtschaftspolitik, die sich an den Markt und seine Handlanger verkauft hat – ein warnendes Beispiel auch für Liberalisierungs-Fanatiker in den Gremien der EU und sonst wo."

das genaue gegenteil ist richtig. deregulierung ist das beste mittel, anleger zu kritischen, misstrauischen investoren zu machen, die nicht mehr an die mindeststandards des gesetzgebers glauben, die sowieso nur eine scheinsicherheit bieten können. und die eu sollte sich hüten, den sarbanes-oxley-unsinn noch mehr als bisher nachahmen zu wollen, den man in den usa langsam als große dummheit zu identifizieren beginnt

tom: das war von buffett aber wahrscheinlich anders gemeint, mit dem "nichtverstehen" des geschäfts, weniger im sinne von bilanzunklarheiten, sondern mit seiner speziellen investitionsphilosophie, die gegenüber vielen geschäftsmodellen und branchen gilt, aber auch nicht diesen anspruch auf universalität erheben kann, weil wir sonst auf vieles verzichten müssen, was vollkommen neu ist und noch nicht von allen verstanden werden kann.

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24.01.2007 - 08:55 Uhr
kulturgut

"die gegenüber vielen geschäftsmodellen und branchen auf distanz bleibt"

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stefan-biro offline

stefan-biro

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