Fingerspitzenfedern und Papierdrachen
Vielleicht würde sie weniger frieren, wenn er durch die blaue Tür kommen würde. Es ist ein Blau, das an Tauben erinnert. An einen Bahnhof. Und an den Himmel, den man sieht, wenn man mit dem Zug von Davon nach Dahin fährt. Stundenlang kann sie dort sitzen und dieses Blau anstarren. Sie kann es auch beobachten. Und sie hat Handschuhe an. Handschuhe, bei denen die Fingerspitzen herausschauen. Ihre Fingerspitzen erinnern an Federn. Gestern hat sie versucht, lila Punkte auf die Tür zu malen. Damit es sich beißt. Doch nach zweieinhalb Punkten trocknete der Stift aus. Sie weiß, wo er hingefahren ist. Und sie weiß, dass er gefahren ist, denn er ist schon lange nicht mehr gelaufen. Er hat das Laufen verlernt, als er anfing, ihrem Blick auszuweichen und bei ihrem Namen zu stottern. Als sie ihm das sagte, sie flüsterte es, als er gerade an die Decke starrte und als die Tür noch einen Spalt offen stand, und da fing er an zu schweigen. Er band ihr die Augen damit zu. „Siehst du noch was?“, wollte er fragen. Sie wusste, dass er es fragen wollte, doch stattdessen zuckte er kurz mit der Augenbraue. Sie weiß nicht mehr, ob es die rechte oder die linke war. Und jetzt sieht sie nur noch das Blau. Das Taubenbahnhofshimmelblau. Und sie hat die Tür zugedrückt. Die Klinke war kalt und ihre Fingerspitzen rochen danach nach Messing. Sie hat noch den Motor im Ohr, wie er immer lauter wird, und wie er mit dem Auto, mit dem großen, schnellen Auto mit der Beule hinten rechts, wie er mit dem Auto davonfährt. Und sie wusste schon damals, ohne aus dem Fenster zu schauen, wo er hinfahren würde. Und sie könnte aufstehen und die Klinke herunterdrücken, etwas fester, weil die Klinke noch nicht oft gedrückt wurde. Und das Blau würde verschwinden. Sie könnte ihre Worte wieder finden. Die Farben, vielleicht könnte sie die wieder beschreiben. Und das Band, der Wind würde es von ihrem Kopf wehen. Doch, vielleicht, denkt sie, wird sie seine Hand nicht halten können, wenn er wieder das Laufen lernt. Sie wird ihn nicht stützen können, wie ein Papierdrachen in sich selbst zusammensinken. Und was wäre wenn das Schweigen ihr plötzlich den Mund zukleben würde? Sie würde die Worte wieder vergessen. Sich nicht mehr an Farben erinnern. Noch nicht einmal mehr an dieses Blau. Und den Weg nach Hause wird er ihr nie mehr zeigen. Das glaubt sie. Morgen wird sie schwarze Sterne auf die Tür malen. Mit einem dicken schwarzen Stift.- gefühlte ansichtssache 30.10.2011
- Auf Anfrage... 29.09.2011
- gasherd 21.07.2011
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Guter Text. Er gefällt mir sehr.
Schöner Text ... ich liebe diese Bilder
feine texte.








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16.01.2007 - 14:26 Uhr
lilluvya
wo ist er hin?