14.01.2007 - 19:00 Uhr

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„Dann bin ich eben ein Loser!“ – ein Jungliterat packt aus

Text: stefan-biro

Wenn dem jetzt.de-User David Bies aka Less geistvolle Gedanken durch den Kopf jagen, bringt er sie zu Papier. Der 24-Jährige aus Berlin-Steglitz schreibt Bücher, die die Welt nicht bewegen. David ist kein Star, ehrlich gesagt ist er ein ziemlicher Nobody im deutschen Literaturbetrieb. Doch schreibt er mit Herzblut und spricht darüber mit der ihm eigenen Verve.

Vor drei Monaten hat David sein Erstwerk publiziert – das Buch heißt „Schöne Verlierer“ und ist vorerst nur über den Print on Demand-Anbieter „Lulu“ zu beziehen. 25 Exemplare von „Schöne Verlierer“ hat der „nebenbei Germanistikstudent“ bis heute abgesetzt, zehn davon haben ihm Kommilitonen und Freunde direkt aus der Hand weggekauft. David im Gespräch mit jetzt.de über verletzte Eitelkeiten und patente Wege, damit klar zu kommen, nicht gelesen zu werden David, du machst für einen bisher wenig erfolgreichen Schriftsteller einen sehr selbstbewussten Eindruck. Dennoch kokettierst du in „Schöne Verlierer“ andauernd mit der Option des Scheiterns. Ich war eigentlich immer davon überzeugt, als Schriftsteller meinen eigenen Erwartungen gerecht werden zu können. Da ich aber in erster Linie nicht für mich selbst schreibe, sondern, um von Anderen gelesen zu werden, habe ich mir die Frage gestellt: Wie kann ich mein Buch am besten unter die Leute bringen? Das geht nur mit viel Promotion und ich weiß nicht, inwieweit ich überhaupt vermarktungsfähig bin. Mein Problem ist, dass es mir innerlich widerstrebt, mein Buch und damit mich selbst immerzu als Produkt anpreisen zu müssen, sei es bei potentiellen Lesern, sei es bei Verlagsleuten. Dieser Spagat hat mich teilweise echt verunsichert.
David Bies und sein gedrucktes Baby: Dann bin ich eben ein Loser! Der Protagonist deines Buches – sein Name ist Jonas – ist ein von ähnlichen Selbstzweifeln zerriebener Literat. Es scheint, als ob du deine Vita an seiner Figur abgearbeitet hättest. An einer Stelle im Buch zermartert sich Jonas sein Literatenhirn: „Immer wieder der gleiche Gedanke: Was, wenn ich es nicht schaffe?“ Meine Überlegung war die: Was ist, wenn es mir eben nicht gelingen sollte, einen Verlag zu finden und ich auf dem Weg dorthin stecken bliebe? Die Lösung lag für mich auf der Hand: der „Schöne Verlierer“, also die Idee, dass ein Schriftsteller, der ja von Natur aus ständig fiktionalisiert, irgendwann beginnt, sich selbst zu fiktionalisieren und sich in eine Figur fügt, in der er sich als den „Schönen Verlierer“ idealisiert – ein Antiheld, der das Dilemma vom Zwang zur Selbstverwertung und der Bewahrung der eigenen Authentizität überwindet, indem er einfach sagt: Ich will zwar, dass die Leute meine Texte lesen, ich werde mich aber nicht verbiegen, bloß um Absatz zu finden. Mit dieser Haltung konnte ich mich dann auch selbstbewusst daran machen, Manuskripte meines Buches an Verlage zu schicken. Auf der nächsten Seite erzählt dir David, wie er sich an die Verlage rangemacht hat.
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