Porzellanmädchen
Zu viele Tränen in der letzten Zeit, zu viel Alkohol sowieso. Vergessen wollen, woran man sich niemals mehr erinnern will. Staubkörner sehen, die auf die Vergangenheit fallen in einer einsamen Nacht. Und ich gehe weg, weil ich hier nicht mehr sein kann, es ist unmöglich. Auch deswegen all diese Tränen, dieses verlorene Gefühl von etwas Schönem, einem Ort der einmal existierte, der nun verschwunden ist, verblasst wie die glorreichen Tage unserer Jugend und die Pathetik ist die Verbindung zwischen den Zeiten. In einem Gyrosimbiss saßen wir, ich erzählte dir von dem warum und unsere Spiegelbilder verschwammen in den billigen zerkratzten Hartplastikscheiben. Regentropfen auf dem Abbild meines Gesichts und zerzauste Haare und die Wahrheit ist wie immer. Undefinierbar. In mir der Schmerz und die Freude, sie umarmen sich und zerreißen mich. Ich will schreien weil ich mich fühle wie das Mädchen in dem Film, das auf dem Balkon steht im 70. Stock oder so, das bittersüßeste das ich je gesehen habe. Die eiskalten, sehnsüchtigen, faszinierenden, herzzerfetzenden Lichter einer Millionenstadt in der Dunkelheit, wahrscheinlich das Schönste und zugleich das Schrecklichste, für immer. Ich will schreien weil die Momente bleiben sollen, ich muss schweigen weil Worte niemals ausreichen, ich will mich erinnern an all diese Momente... spätnachts in Islington, durch den Park und Hard-Fi im Ohr, dort könnte ich gerade sein, ich würde im Nachtbus sitzen und mich mit dem Jungen aus Clapham unterhalten, er ist müde, noch müder als ich aber er grinst und der Bus quietscht und aufpassen, dass wir nicht aus Versehen in Dalston landen. spätnachts in Heraklion, am Hafen wo die Lichter noch funkelnder und zahlreicher sind da sie sich im Meer spiegeln, ein warmer Wind würde vertraute Worte zu mir flüstern und der Asphalt würde niemals abkühlen während ich die Pausentase betätige und für immer 19 bin und in meinem Libertines-Shirt an der Ampel stehe. Ich sehe mich an der Ampel stehen und der Hund folgt mir und ich setz mich auf eine Mauer und falle runter weil ich so lachen muss, weil ich betrunken bin und Craig Nicholls singt 'autumn shade'. spätnachts in Köln-Deutz laufe ich, um Sprite und Mars zu kaufen, der Weg ist verdammt lang aber ich merke es gar nicht richtig, und da bist auch wieder du, und ich denke an einen Nachmittag am Rheinufer an dem du schliefst und ich dich betrachtete, eine Ewigkeit lang während die Sonne hinter den Dom wanderte so wie ich jetzt die gottverlassene Straße zu dieser Tankstelle entlangwandere und mit meiner schiefen Stimme irgendwas vor mich hinsinge. Vermutlich BRMC. Als ich zurückkomme bist du weg und ich hysterisch aber nicht lang denn du kommst natürlich wieder und du grinst mich an. Deine Augen haben verschiedene Farben und wir laufen ein paar Jahre später durch die Straßen der Stadt, die ich hasse. Wir sind dieselben und doch nicht. spätnachts auf einer Landstraße erzählt meine Freundin mir aus ihrem Leben und sie weiß dass ich nichts sagen muss und doch verstehe, und dass ich wenn ich lache nicht über sie lache sondern weil sie so wundervoll erzählt, so lebendig dass ich immer dabei bin, auch wenn ich es nicht bin. Ihr Auto holpert über den schlechten Straßenbelag "YOU COULD WAIT FOR A LIFETIME TO SPEND YOUR DAYS IN THE SUNSHINE.." singen wir. Überall die verfluchten Klischees, denen man sich ergibt und in denen man versinkt da ein Entkommen ohnehin sinnlos ist. Die schönsten Dinge machen nicht den geringsten Sinn. Ach ich gehe weg und alles wird so kommen wie es eben kommen wird, natürlich werde ich versuchen das es schön wird, es wird anders sein, nicht schlechter und vielleicht auf Dauer auch nicht besser, ich will schreien und kann nicht und ich will mich erinnern, ich will nichts davon vergessen. ich will uns nie vergessen, denn egal wo ich bin, du und ich werden immer wir sein und sie und ich auch und ich hoffe ihr passt auf euch auf. Und wir finden uns wieder, in einer dunklen Nacht, an einem vertrauten Ort. Bestimmt. Vergessen werde ich nichts, nicht die aufgeregten Telefonate und lauwarmen Backfischbaguettes, nicht die Sprüche auf der Toilette in der SL und die Nächte am Flughafen, nicht die endlose Warterei auf den 1.Zug, die Pizza mit den Oliven, das Loch im Zaun auf dem Feuerwerkhügel und den Cowboyhutdeppen und dass Elektroclash keine Seele hat (obwohl ich das Zeug zur Zeit gerne höre) und dass man aufpassen muss wem man was erzählt. All das auch nur einzelne Momente. für die Ewigkeit.
- * 03.05.2011
- menge in ihrem kopf 05.03.2011
- Sterbende Ameisen 24.07.2010
- WM 2010: Glück, Trauer, Freude, Schmerz! 12.07.2010
- just like some might love you blindly, some will love you with conditions 05.04.2010
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Ohh...das ist wunderbar. Ich durchlebe Ähnliches und mir gelingt es nicht so es in Worte zu fassen. Danke..








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07.01.2007 - 11:02 Uhr
cygne