03.01.2007 - 19:04 Uhr

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Jenseits-Sex mit Waldwuffel und Moosmutzel: Die Presseschau der Subkultur Teil 4

Text: stefan-biro

Der vierte Teil der subkulturellen Presseschau widmet sich bodenständigen Geistheilern, umtriebigen Weiber-Networks, unerwünschter Flohbrut, Flugsprit-Enthusiasten und infantilen Schneezaubersets. Hier könnt ihr Teil 1, Teil 2 und Teil 3 der Serie nachlesen. Außerdem gibt es eine Spezialausgabe, in der Magazine von Parteien verglichen werden.

Magazin 1: Die andere Realität Worum geht’s? D.A.R begreift sich als „Wissenschaftliche Zeitung für Parapsychologie, bodenständige Esoterik und spirituelle Ökologie“. Das Heft erscheint alle zwei Monate im Tabloid-Zeitungsformat. Die Wissenschaftlichkeit verbirgt sich allerdings. Nur wo? D.A.R. erweckt eher den Eindruck eines Fanzines – als publizistische Plattform für die inzestuöse Realität eines spirituellen Geheimzirkels: Medien, Geistheiler und Bioenergetiker, die sich gegenseitig durch die „außerordentliche Tiefe ihrer Fragenbeantwortung bestechen“ oder mit „schier unglaublichem umfassenden (!) Wissen verblüffen“. Das tun sie vorzugsweise auf Kongressen und Seminaren. Herausgeber der Zeitschrift ist Dieter Wiergowski, er ist der Kopf der „D.A.R.-Familie“. Die drei besten Headlines: 1. Eine neue Heilmethode von Erzengel Michael: Sofortige Hilfe bei Problemen in der Liebe, für Geld, Beruf und Gesundheit 2. Sex im Jenseits – Dieter Wiergowski interviewt Bruno Würtenberger 3. Hawaiianische Heilerausbildung zum Geistigen Genesungshelfer/in Der Leser… kommt im Heft nicht vor: keine Leserbriefe oder sonstige Feedback-Möglichkeit, nichts. Die Kommunikation mit der Redaktion vollzieht sich offenbar im paranormalen Modus. Das sagt die Redaktion: „Nehmen Sie es uns bitte nicht übel, dass wir manchmal sehr hart und kontrovers schreiben. Manchmal muss das einfach sein. Viele sehen es im Nachhinein. Es gab eine ganze Reihe, die wegen einiger Sätze die ganze Zeitung abbestellt haben. Dies ist natürlich das gute Recht, aber es zeigt doch viel Unreife. Na ja, vielleicht kommen sie in ein paar Jahren wieder, nachdem sie dies erkannt haben.“ Bizarres Paar: Hart und kontrovers? Eigentlich geht’s in D.A.R. nur um die esoterischen Geschehnisse im Dunstkreis von Wiergowski und seinem Co-Autor, dem Schweizer Guru Würtenberger – den Wiergowski hündisch vereehrt: „Wir brauchen spirituelle Lehrer, wie zum Beispiel Bruno Würtenberger, der das Free Spirit Training entwickelt hat. In diesem 9-Tage-Kurs kann jeder Mensch sehr viel lernen und danach eine Menge an Fortschritten bei sich selbst feststellen. Bruno hat übrigens auch in Fernsehinterviews mit tiefer Weisheit brilliert. Würtenberger, den viele als einen der wenigen Meister sehen, die wir zur Zeit in Europa haben, hielt meines Erachtens nach einen seiner besten Vorträge, die ich je von ihm gehört habe.“ Das schönste Bild:
Wer sonst: Wiergowski und Würtenberger Beste Werbung: ein launiges Inserat von Peter und Dagmar Nemetz aus Fürth: „Fogo Sagrado – Heiliges Feuer: Mediale Problemtransformation und multidimensionale Heilung“ Das Interview: Medium Isanna im Gespräch mit dem verstorbenen Showmaster Rudi Carrell. Der schelmische Redaktions-Kommentar dazu: „In der Tat können wir in keinster Weise sagen, ob es sich wirklich um Rudi Carrell aus dem Jenseits handelt. Aber wir können auch nicht das Gegenteil behaupten. Vielleicht ist er es doch? Das Medium Isanna ist jedenfalls felsenfest davon überzeugt.“ Was wir gelernt haben: „Wer heilt, hat Recht.“ „Es kommt vor, dass zwei Menschen sich schlank begegnen, sich verlieben, gemeinsam dick werden und sich dann trennen oder auch nicht. Dicksein kann einerseits trennend aber auch verbindend wirken. Entweder kommt man sich dadurch näher, auch rein körperlich, anderseits kann man sich dadurch auch räumlichen Abstand schaffen. Nichts ist ambivalenter als diese Thematik. Ein Urteil über einen dicken Menschen zu fällen, ist ein sehr großes Risiko. Man liegt sehr schnell daneben.“ (sagt Prof. Dr. Elvira Neumann) Geistheiler sind das neue Ding.
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