Verstanden und vorgenommen: die München-Liste 2006/07
Jeden Dienstag erscheint die jetzt.muenchen-Seite im Lokalteil der Süddeutschen Zeitung. Zum Jahreswechsel hat die Redaktion aufgeschrieben,was sie 2006 verstanden hat und was sie sich für 2007 in München vornimmt. Die große Jahreswechsel-Liste
Wir haben uns was vorgenommen: die München-Vorsätze 2007 * Das lustige Mädchen mit den roten Haaren ansprechen, ihr vorschlagen, eine Apfelsaftschorle im Cafe Puck zu trinken, sie küssen und drei Monate später heiraten. * Josef von Westphalen bitten, mal wieder was Richtiges zu schreiben. Etwas, das man lesen will und das nicht ständig vom Sex alter Leute handelt. * Weniger in die Favorit Bar gehen. * Aber dafür mehr in das Café Schiller am Hauptbahnhof. * Überhaupt mehr und häufiger auf die Suche nach den verwunschenen Orten der Stadt gehen. * „Erfolg“ von Feuchtwanger lesen. Jetzt aber mal wirklich. * Und natürlich Wolfgang Koeppens Buch „Muss man München nicht lieben?“ * Und auf einen Schlag alle Serien ansehen, die ständig als Kult in den Himmel gehoben werden: „Kir Royal“, „Monaco Franze“, „Münchner Gschicht’n“. * Mal nicht über Edmund Stoiber lachen, sondern ein wenig Mitleid mit ihm haben. Nur ein bisschen. * * Den Radweg benutzen. * Mal dieses internationale Rädchen am MVV-Fahrkartenautomaten benutzen. Sieht lustig aus. * Wenn der Papst das nächste Mal nach München kommt, zeitgleich eine Party in der eigenen Wohnung veranstalten. Die Nachbarn können die laute Musik sowieso nicht vom Helikopterlärm über dem Hausdach unterscheiden. * Mal einen Türsteher auf eine Cola einladen, eine Cola light. Sicherheitshalber. * Dem Osten eine Chance geben: Vielleicht ist es in Steinhausen gar nicht so doof. * Ein paar lustige München-Filmchen bei YouTube hochladen. Kann doch nicht sein, dass unsere Stadt im Fernsehen der Zukunft nicht vorkommt. * Dem Blinden beim Hugendubel am Marienplatz Geld geben. * Eine Stadtrundfahrt machen. Und zwar die große. * Sollte es tatsächlich nochmal Sommer werden: alle Freunde davon überzeugen, dass man in diesem Jahr nur an einem Platz in der Stadt richtig cool grillen kann. Vielleicht kommen sie dann wirklich alle zum Lerchenauer See. * Mal mit der U4 fahren. Einfach so bis zur Endstation, aussteigen und sich dort bis zur nächsten Stadtbibliothek durchfragen. * Überhaupt: Häufiger mal in die Stadtbibliothek gehen. * Oberbürgermeister Christian Ude einen unpeinlichen Brief schreiben, der aber trotzdem sagt, dass er so ziemlich der einzige glaubwürdige Politiker in diesem Land ist. * Jede Ausgabe des Biss-Magazins kaufen und vor lauter Wohltätigkeit auch mal eine Ausgabe des go-Magazins oder zumindest ein Premiere-Abo. * MünchenTV angucken und endlich mal nicht lachen. * Die musiklose Zeit bis zu den Festivals im Sommer überbrücken: Zum Beispiel live, zum Beispiel auf der Bühne, zum Beispiel bei Fotos (1. Februar, Ampere), Kasabian (17. Februar, Backstage), The Album Leaf (2*. Februar Feierwerk), !!! (27. April, Atomic), LCD Soundsystem (21. März, Elserhalle), Scissor Sisters (10. April, Zenith), Justin Timberlake (26. Mai, Olympiahalle), Chemical Brothers (*. Juli, Zenith). * Dem Schweinchenbau einen neuen Namen geben. * Fremde warnen, dass die Parkstadt Schwabing weder etwas mit Schwabing noch mit einem Park zu tun hat, sondern nur weit weg und nah an der Autobahn liegt. * Endlich umziehen! * Sich zum Klassen- oder Jahrgangsstufensprecher wählen lassen. * Franz Beckenbauer zum Ehrenbürger der Stadt vorschlagen. * Eine Bewerbung an den Bayerischen Rundfunk schicken und denen mal zeigen, wie man eine Jugendwelle macht! Eine richtig große! * Und, ganz ehlich: Über den Zündfunk nicht nur reden, sondern ihn auch hören. * Man kann ja nicht alles selber machen, deshalb werden wir 2007 dringend gut gelaunte Münchner finden müssen, die endlich . . . . . . einen, nein, besser drei echte 24-Stunden-Läden in der Stadt eröffnen, damit all’ die Berliner, die ja doch immer wieder zu Besuch kommen, nicht ständig über unsere reaktionären Öffnungszeiten schmipfen können. . . . ganz einfache, aber ganz leckere Shawarma verkaufen. Ohne Gammelfleisch und zu angemessenen Preisen. . . . endlich ein gutes Weblog zu den Themen der Stadt schreiben. Keine absurden Bildergalerien, keine Befindlichkeitsprosa, sondern einfach nur junge Nachrichten aus der Stadt. * Endlich mal gefragt werden. * Zur Sicherheitskonferenz ein ernsthaftes Gespräch mit jemanden führen, der tatsächlich der Meinung ist, mehr Waffen würden die Welt sicherer machen. * Am 17. März in die Kammerspiele gehen, dort wird dann nämlich (endlich) das Buch „Der Himmel ist blau, ich auch“ von Walter Rufer vorgestellt. * Neue Abkürzungen einführen – zum Beispiel M-Leben: das neue Wort für Leben in München. * Endlich das neue Programm von Münchens hochdekoriertem Jung-Kabarettisten Claus von Wagner anschauen. * Endlich mal mehr als eine Essiggurke auf dem Viktualienmarkt einkaufen – und dann wirklich kochen. * zum Beispiel: Saures Lüngerl. * In der Mittagspause im Englischen Garten Joggen gehen. * Jetzt muss es sein: Solange zu den 60ern gehen, bis der Aufstieg geschafft ist. * Und solange nicht mehr zu den Bayern, bis sie die Meisterschaft mal nicht gewinnen. * Auf die Sonne freuen. Mit den neuen Fenstern im Bon Valeur wird draußen sitzen dort bestimmt noch toller. * Häufiger für ein Konzert in die Provinz zu fahren. Das lohnt sehr oft. Auch wenn man dann erst um ein Uhr nachts wieder Zuhause ist. * Überhaupt: Mehr Freunde finden, die auf dem Land leben – und diese dann besuchen. Und sich bewirten lassen. * Mal wieder Sonntags umsonst in die Museen gehen und dann im Museumskaffee einen Kuchen essen. * München, Schmünchen: 2007 bekommst du von uns ein selbst gedichtetes Anbetungslied. Versprochen! * Einmal mit dem Auto den Mittleren Ring abfahren. Nur so. * Zu Touristen netter sein und ihnen immer den richtigen Weg weisen. * Vielleicht einmal in dieses Blue Spa im Bayerischen Hof gehen und zusammen mit Prominenten in der Sauna schwitzen. * Auf eine Veranstaltung gehen, die später in den Klatschzeitungen behandelt wird. * Die Frage aller Fragen beantworten (und dann auch dementsprechend handeln): Wenn man am Ende einer Isar-Party alle Bierflaschen ausgetrunken hat, lässt man sie dann liegen, weil die vielen Pfandsammler ja auch Geld brauchen – oder nimmt man sie mit, damit später keiner Scherben herumliegen? * Sich endlich mal näher mit dem CIPSM beschäftigen. Was das ist? Das ist das „Munich Center for Integrated Protein Science“, irgendsoein Exzellenz-Haufen der LMU – aber vor allem Arbeitsplatz des unglaublichen Oliver Baron. Der ist gewissermaßen der neue Rudolph Moshammer der Stadt. Wer es nicht glaubt, muss selber sehen: www.oliverbaron.com * Auch mal unter der Woche nach der Uni an einen See fahren und noch eine Runde baden. Geht ja, macht man aber trotzdem nie. * Bevor wir am Mittleren Ring freihändig mobiltelefonierend dunkelrote Fußgänger-Ampeln überradeln, tätigen wir einen unauffälligen Schulterblick und unterlassen die geplante Ordnungswidrigkeit, wenn wachsame Polizeikräfte hinter uns lauern. So sparen wir uns 105,07 Euro. * Den total unbegründeten Hass gegen Schwabing aufgeben und zur Probe einmal Samstag Abends die Leopoldstraße auf- und abgehen.- Abschied vom Wachtturm: Drei Frauen und ihre Leben nach den Zeugen Jehovas 20.05.2012
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