Das neue Netz: jetzt.de stellt dir die Vordenker des Internets von morgen vor
Text: dirk-vongehlen
Web 2.0 war gestern. Übermorgen gibt es ein neues Netz - und diese zehn Leute arbeiten schon jetzt daran (einfach auf das Bild oder den Namen klicken).
Reed Hastings, 45, Netflix
Wird wichtig, weil er die Art und Weise verändert, wie wir Filme schauen. Hastings setzt mit seiner Online-Videothek nicht auf Downloads und Breitband-Internet, sondern verschickt jede Woche sieben Millionen DVDs per Post. „Netflix“ bietet eine Film-Flatrate an: man kann sich so viele Filme ausleihen, wie man will. Es gibt auch keine Verleihfrist und Strafgebühren. Das wirklich Besondere ist aber, dass „Netflix“ nicht wie andere Videotheken 80 Prozent des Umsatzes mit Mainstream-Hits aus Hollywood macht. Von den 60 000 Filmen in der Bibliothek, erzählt Hastings, „leihen wir jeden Tag 40 000 aus. Die Amerikaner haben einen sehr breiten Geschmack.“ Hier findet man nicht nur neue Gibson-Cruise-Action-Teile, sondern Independent-Filme aus den 70er Jahren oder japanische Importe. „Netflix“ großer Vorteil ist das ausgeklügelte Bewertungssystem „CineMatch“, das den Nutzern auf Grundlage von Milliarden Filmbewertungen neue Filme empfiehlt, von denen sie in den Mainstream-Firmen nichts gehört haben. Aus dem Video-Verleih ist so eine mächtige Film-Firma geworden. „Netflix“-Agenten entdeckten die Dokumentation „Born Into Brothels” schon sechs Monate bevor der Film einen Oskar gewann. Mittlerweile produziert die Firma mehr als 100 Filme. Junge Filmemacher müssen nicht mehr große Unterhaltungskonzerne um Kino-Verträge anbetteln, sondern können allein unter den fünf Millionen Kunden bei „Netflix“ Erfolg haben. Auf der Webseite findet sich ein Link, an dem jeder einen Vorschlag für einen Film abschicken kann.
Gute Geschichte: Die Idee zu „Netflix“ kam Hastings angeblich, als er einmal vergaß die Videokassette von „Apollo 13“ zurück in die Videothek zu bringen und 40 Dollar Strafe bezahlen musste. „Es muss einen besseren Weg geben“, dachte er sich dann. Die Träume von Reed Hastings sind groß: “In 20 Jahren wollen wir eine globale Unterhaltungsvertriebsfirma sein, die einen einmaligen Kanal für unabhängige Filmproduzenten darstellt.”
Das sagen die anderen: “Netflix” Schritt von Filmvertrieb zu Filmproduktion erinnert das Magazin „Wired“ an die Erfolgsgeschichte von „Miramax“: „Bob and Harvey Weinstein kauften erst auf Festivals Indie-Filme wie ‚Sex, Lies and Videotapes’ ein und machten sie durch ausgeklügeltes Marketing bekannt, bevor sie anfingen, eigene Großproduktionen wie ‚The Aviator’ zu produzieren.
Ähnliche Projekte: DVDRentalCentral.com, Amovie.de
Hier triffst du ihn: Im Starbucks an der Ecke Mainstreet / Central in San José. Hastings hält dort gerne Meetings ab und hat einen Stammplatz.
Recherche: tobias-moorstedt.jetzt.de, meredith-haaf.jetzt.de, dirk-vongehlen.jetzt.de, stefan-biro.jetzt.de.