28.11.2006 - 19:05 Uhr

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Autogrammstunde bei Eva Herman

Text: christina-waechter

Die Autogrammstunde beginnt pünktlich um 17 Uhr im ersten Stock des Großbuchhandels und Veranstalters. Frau Eva Herman wird von einem Mitarbeiter, ihrem Verleger und ihrem Bodyguard zu ihrem Stuhl geleitet und hurtig geht es los – Frau Herman im Gespräch.

Was sie vorträgt, ist nicht neu, man kann es alles in ihrem Buch nachlesen. Wenn man das möchte.Zusammengefasst: Die Frau von heute lebt falsch. Sie will dasselbe machen wie der Mann, dazu muss sie aber auch noch gebären und über den ganzen Stress werden ihre Kinder zu bindungsunfähigen Wesen und ihre Männer verlassen sie, weil sie so unweiblich wurden. In einem routinierten Gespräch mit ihrem Verleger haut Herman eine wunderliche Statistik nach der anderen raus, über die Bindungslosigkeit der Menschen, die im schlimmsten Fall zu einer Tragödie wie Emsdetten führt. Und das nur, weil egozentrische und verblendete Mütter ihre Kinder noch vor ihrem dritten Lebensjahr weggeben. Schließlich berichtet sie von schriftlichen Appellen, die sie aus Schweden erreichten, es nur ja nicht zu so schlimmen Verhältnissen kommen zu lassen wie dort. Frau Herman weiß scheinbar sehr viel und ihr Wissen widerspricht erstaunlicherweise in vielen Fällen dem aller anderen Menschen, die sich zu diesem Thema geäußert haben. Ihr Verleger fragt: „Frau Herman, warum gab es so viel Kritik?“ Frau Herman sagt, es liege am „medienpolitischen Establishment“. Das sei von Frauen beherrscht, die zu 70 Prozent kinderlos sein. Die hätten so harsch reagiert, weil sie mit ihrer, Hermans, Wahrheit nicht klargekommen wären. Das Publikum ist bunt gemischt: Frauen, Männer, Teenager, Kleinkinder: alles da, alles lauscht Frau Hermans Worten. Vereinzelt kann man beobachten, wie sich zunehmend die Augenbrauen in Abscheu oder Erstaunen zusammenziehen. Doch vorherrschend sind Zufriedenheit und bestätigendes Nicken. Nach einer halben Stunde beenden Eva Herman und ihr Verleger das Gespräch. Es ist Zeit für Publikumsfragen. Der Bodyguard wird ein wenig nervös. Aber nichts, wirklich gar nichts passiert. Die einzig annähernd kritische Frage einer Frau lautet: Sie fände Hermans These zwar toll – aber manchmal etwas zu einseitig und polarisierend. Dann meldet sich noch eine Frau und verkündet mit stolzgeschwellter Brust, dass sie Mutter von sieben Kindern sei, gut katholisch und natürlich Hausfrau. Und endlich spreche ihr einmal jemand aus der Seele. Dann gibt es keine Fragen mehr aus dem Publikum. Die Signier-Stunde beginnt. Leider nur in Kombination mit einem Exemplar von „Das Eva-Prinzip“. Das gibt es gleich nebenan zu kaufen. Nein Danke. Dann lieber doch kein Autogramm. Bild: ddp


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nestroy
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Mag ich Mag ich nicht

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29.11.2006 - 12:07 Uhr
nestroy

ich glaube, eine ihrer zenralen thesen (viele frauen (+männer) leiden unter den folgen übertrieben ideologischer gender-propaganda vergangener jahrzehnte) ist gar nicht mal so daneben und dies ist tatsächlich bislang in den mainstream-medien kaum thematisiert worden. (korrigiert mich)
nur ist der konservative imperativ in ihrer argumentation völlig unnötig.
ein aufklärerischer täts auch.

kikuju
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Mag ich Mag ich nicht

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29.11.2006 - 23:43 Uhr
kikuju

eben. die grundthese mag ja gar nicht so falsch sein.

dass aber die folgerung ist, dass wir frauen uns auf unsere "schöpfungsgegebenen" aufgaben besinnen sollen, nämlich ein nest bauen, wärme ausstrahlen, kinder hüten und dem mann die puschen hinterher tragen, das lässt mich kotzen.
und leider weigert ich frau hermann, diese unterscheidung zu sehen. zumindest als sie bei hart aber fair war.

louis82
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Mag ich Mag ich nicht

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30.11.2006 - 16:47 Uhr
louis82

Man darf aber irgendwie auch nich vergessen, dass sie das ganze ja zum Wohle der Frau und nicht des mannes oder sonstwem postuliert.

Also kann man ja ganz easy sagen: danke aber nö, mach ich lieber anners.

Ich verstehe da die aufregung nicht so ganz.

kulturgut
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Mag ich Mag ich nicht

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30.11.2006 - 16:53 Uhr
kulturgut

Man darf auch nicht vergessen, dass sich viele Frauen, auch ganz junge, mit der klassischen Geschlechterrolle ganz gut arrangieren können. Und die wollen von ihren emanzipierteren Geschlechtsgenossinnen oft wirklich nicht "befreit" werden.

Wenn Frau Herman also einfach nett und höflich nur für ihre Position werben würde, ohne die Unterstellung, wir Feministen und Feministinnen trügen die wesentliche Schuld am Untergang der westlichen Zivilisation, dann könnten damit alle gut leben.

kikuju
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Mag ich Mag ich nicht

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30.11.2006 - 23:07 Uhr
kikuju

ich hätte ja nicht gedacht, dass ich das mal wirklich schreiben würde, aber kg trifft ihn auf den kopf. also den nagel.

(mal gaaaanz abgesehen davon, dass ich es den männern gegenüber auch ganz schön unverschämt finde, dass sie ja eh nur zum geld ranschaffen taugen aber sie völlig unfähig seien, ihrem kind liebe zu geben.)

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