Kinderlieder neu gehört. Heute: Sailing
Die schönsten Kinderlieder - gesungen haben wir sie alle. Aber haben wir sie auch richtig verstanden? Tobias Peter analysiert den Soundtrack der Spielplätze und Jugendgruppen.
Darum geht’s: Kurzinterpretation: Segeln. Lieben. Segeln. Lieben. Freisein. Tralala. Das Leben ist wunderbar. Romantisches Lagerfeuerlied. Erschöpfende Deutung aus der Perspektive feministischer Musikpädagogik: "Das erzählende Ich segelt. Dazu bedient es sich des Mediums Wasser, das sich zum Segeln als hochgradig geeignet erweist - insbesondere im Zusammenspiel mit dem Wind. Es segelt um "Dir" nah und frei zu sein. Wer ist nun "Dir"? Der herkömmlich männliche Interpretationsansatz würde davon ausgehen, dass es sich bei "Dir" um eine Frau handelt, um eine Angebete des Erzählers. Dieser Ansatz ist diskrimierend und nicht im freiheitlichen Sinn des Liedes. Die Unterstellung, das erzählende Ich sei ein Mann, geht davon aus, nur ein solcher könne die Anstrengungen einer großen Segelfahrt allein bewältigen. Doch Wind und Wasser sind für alle da: auch für die Frauen. Gerade in einem modernen Musikunterricht sollte nie der Eindruck entstehen, nur die Jungen könnten als Abenteuerer die Welt erobern. Denn im Lied sind die geschlechtlichen Identitäten bewusst offen gelassen: Sowohl "Ich" als auch "Dir" könnten ausgeprägt weibliche Persönlichkeiten sein, die auf männliche Gegenparts überhaupt nicht angewiesen sind.
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27.11.2006 - 08:53 Uhr
majia