22.11.2006 - 00:10 Uhr

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No-Music-Day im Selbstversuch

Text: max

Nahezu panisch sprang ich morgens aus dem Bett, um den Radiowecker abzuschalten, denn er spielte ja Musik. Wenn das wirklich so gewesen wäre, hätte ich einen guten Einstieg gehabt in den No-Music-Day. Tatsächlich hatte ich den Wecker gar nicht gestellt und wachte einfach so auf, vom Gejammer der letzten Vögel, die es nicht in den Süden geschafft hatten, vom Sound der Bohrmaschinen im Haus gegenüber. Übernächtigt und noch heiser und verschnupft spielte ich erstmal einen Song auf der Gitarre bis mir auffiel: Verdammte Scheiße, es ist doch No-Music-Day. Irgendwann mittags fiel mir das auf und dass ich mir doch vorgenommen hatte, es im Selbstversuch zu testen: Was passiert, wenn man auf Hintergrundgedudel verzichtet. Bill Drummond (Ex-The KLF) hat diese Idee ins Leben gerufen, die Süddeutsche trug sie mir zu. Nicht aus Hass, sondern aus Liebe zu ihr solle man einen Tag vor dem Gedenktag der heiligen Cäcilia, der Schutzpatronin der Kirchenmusik, auf die Musik verzichten. Mit dem Verzicht ist es genau wie mit dem Seiltanzen, Schuhezubinden, Brotstreichen oder sowas: Erst Übung macht den Meister. Ein Meister bin ich sicher immer noch nicht, doch ich habe es zumindest geschafft, die Finger von Stereoanlage, Autoradio und MP3-Player zu lassen. Was auch schon wieder nicht stimmt. Einmal habe ich die Stereoanlage eingeschaltet und einmal das Autoradio. Gewohnheit, denk ich mal. Die Stereoanlage war glücklicherweise auf Aux gestellt, also musste ich nur die Windows-Melodie hören, die mein Computer von sich gab. Schrecklich, wie lange sich so ein kurzer Trailer als Ohrwurm festsetzt. Erst nachdem ich minutenlang das Cover der neuen Joanna Newsom angestarrt hatte, kam ich auf andere Ideen: „The meadowlark and the chim-choo-ree and the sparrow, set to the sky in a flying spree, for the sport over the pharaoh“, dieser Satz, der erste den sie singt, so man das Album spielt, spukte mir stundenlang im Kopf herum, obwohl ich ihn gar nicht verstehe. Wann spukt er mir im Kopf herum? Ich versuchte, es mir bewusst zu machen. Und wie das immer so ist mit dem Bewusstmachen: Es verzerrt die Wahrnehmung komplett und was man sich im Endeffekt bewusst macht hat mit der tatsächlichen Wahrnehmung oder Gedankenstruktur gar nicht mehr zu tun. Vielleicht könnte man sie als leer bezeichnen, die Momente, in denen die Musik im Kopf anfängt zu spielen. Auf Autofahrten oder Treppenauf- und -abgängen, beim Warten, beim Internet-Surfen. Habe ich denn gar keine ordentlichen Gedanken, um diese Momente zu füllen?, fragte ich mich. Im Auto schaltete ich schnell auf WDR5 als das Radio schon mal eingeschaltet war. Was für ein Gesalbadere. Und das Klicken der Tastatur – wie furchtbar! Die lauten Schritte der Nachbarin von oben, das Wischen der Scheibenwischer, die eigenen Tritte auf dem Beton der Uni und die Unterhaltungen anderer Menschen. Völlig diffuse Geräusche, formlos und unstrukturiert oder so. Ein Buch lesen, ja, das könnte ich. Aber nein, ich halte es nicht aus, ärgere mich lieber, dass ich keine Musik hören darf. Wie viel Prozent des Tages sind das wohl, die man mit Musik unterlegt? 70? 80? Mehr? Weniger? Und was habe ich nun gelernt aus dem No-Music-Day? Ich erkläre es mit einem Bild: Abends in der Bar läuft Musik. Man muss schreien, um sich verstehen zu können. Wie ärgerlich! Ohne Musik hätte man sich sicher gar nicht unterhalten und wäre früh nach Hause gegangen in ein kaltes und einsames Bett. Ohje.


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Leben_leben_lassen
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Mag ich Mag ich nicht

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22.11.2006 - 10:34 Uhr
Leben_leben_lassen

das ist mal wirklich ein interessanter gedanke, aber ob ich das aushalten könnte, möchte? wahrscheinlich sollte ich es auch einfach einmal ausprobieren...
schön hast du das geschrieben!

katzenkotze
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Mag ich Mag ich nicht

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22.11.2006 - 14:29 Uhr
katzenkotze

guter text. aber nen tag ohne musik kann man doch eigentlich in die tonne kloppen.

farilari
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Mag ich Mag ich nicht

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25.11.2006 - 11:04 Uhr
farilari

ich habe ganz viele tage ohne musik. what's the point?

sungirl2006
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Mag ich Mag ich nicht

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28.11.2006 - 20:02 Uhr
sungirl2006

ich auch, je nach laune eben

meer_sterne
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Mag ich Mag ich nicht

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03.12.2006 - 13:58 Uhr
meer_sterne

hallo

diegrenzendesgutengeschmacks
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Mag ich Mag ich nicht

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29.01.2007 - 01:01 Uhr
diegrenzendesgutenges…

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!

MonaBlume
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Mag ich Mag ich nicht

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15.02.2007 - 10:59 Uhr
MonaBlume

+

Iches
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Mag ich Mag ich nicht

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19.02.2007 - 14:35 Uhr
Iches

Ich wäre glaub ich verrückt geworden, weil ich muss irgendwie fast immer irgendwas im Hintergrund haben, oder ich summe selber :/

sesamsemmel
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Mag ich Mag ich nicht

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23.02.2007 - 13:13 Uhr
sesamsemmel

tatsache. was auch sehr interessant ist, um einem diese ständige manipulation von außen, von allem, klar werden zu lassen, ist, einfach einen tag lang kein wort zu sagen. wunderbar.
natürlich bitte vorher alle relevanten mitmenschen informieren.

Dafnah
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Mag ich Mag ich nicht

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19.04.2007 - 13:21 Uhr
Dafnah

Selbst die klassischen "Orte der Ruhe" wie Kloster und Meditationszentren kommen nicht ganz ohne Muusik aus, daher Respekt für einen Tag ohne Musik!

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