20.11.2006 - 19:50 Uhr

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Alles nur geklaut!

Text: tobias-moorstedt

Musik, TV-Serien und Internet-Portale - was uns in Deutschland als neue Trends oder Produkte verkauft wird, ist oft nur ein Abklatsch erfolgreicher Konzepte aus den USA. Eine TopTen der dreistesten Plagiate.

„Made In Germany“ gilt noch immer als Qualitätssiegel. Das Problem ist nur: Oft stimmt dieser Herstellerhinweis nicht so wirklich. Zumindest wenn man es genau nimmt. Produkte, Trends und Dienstleistungen, die uns als Neuheiten und Innovationen verkauft werden, sind allzu oft zuerst in den USA erdacht, gebaut oder veröffentlicht worden. Leute im Allgemeinen und Industrievertreter im Besonderen, die immer auf China schimpfen, weil dort Patente und Urheberrechte genau wie die Menschenrechte nichts gelten, merken bei einem kurzen Rundgang durch die Regale der deutschen Internet- und Unterhaltungsbranche: Alles nur geklaut! Wir leben selbst im Land der Fälscher. Weil auch die lautesten Trends nicht mit Überschall-Geschwindigkeit unterwegs sind und etwa zwei Jahre brauchen, um den Atlantik und den kulturellen Graben zu überwinden, haben clevere Geschäftsmänner genügend Zeit, um erfolgreiche Konzepte zu lokalisieren, analysieren und reproduzieren. Das ist nicht einmal illegal. Ein schönes Beispiel für diese Erfolgspraxis ist die deutsche Internet-Business-Gemeinde „OpenBC“, bei der Mitglieder ihr Profil ins Netz stellen und auf einen Headhunter warten. Drei Jahre nach Gründung hat das Portal 1,5 Millionen Nutzer, 2005 sechs Millionen Euro Umsatz gemacht und geht nun an die Börse. Das Erfolgsrezept hatten sich die Macher wohl von amerikanischen Business-Communities wie LinkedIn abgeschaut, die in den USA bereits seit fünf Jahren online sind und acht Millionen Mitglieder aufweisen können. Vielleicht ist das so, als würde ein Musiker eine Cover-Version eines populären Liedes aufnehmen. Melodie und Struktur bleiben gleich, aber die deutschen Unternehmer übersetzen den Text und interpretieren ihn gemäß deutscher Eigenheiten. jetzt.de hat die dreistesten, tollsten und erfolgreichsten US-Abklatsche der letzten Jahre zusammengestellt.
Das Video-Portal Das Original: Mit YouTube lernten die Bilder das Fliegen im Netz. Jeden Tag werden auf der, Anfang 2005 gestarteten, Seite mehr als 60 000 neue Videos hoch geladen, 20 Millionen Menschen schauen jeden Monat vorbei, und gucken sich jeden Tag mehr als 100 Millionen Videos an. YouTube ist - wie MTV zu Beginn der 80er Jahre - eine Hype-Maschine, die mit dem Schlachtruf „Broadcast Yourself“ Stars einer neuen Art hervor bringt. Mit dem „Star Wars Kid“ oder „lonelygirl15“ ist die Kulturindustrie endgültig ins Netz umgezogen. Google war diese Erkenntnis vor einigen Wochen 1,6 Milliarden Dollar wert. Die Fälschung: Mit Clipfish startete im Sommer 2006 der deutsche YouTube-Klon. Nach einigen Wochen stellte sich heraus, dass der Fernsehsender RTL hinter dem Projekt steckt. Ob das dem authentischen Image, von dem die Web 2.0-Graswurzel-Projekte vor allem leben, geschadet hat, lässt sich noch nicht sagen. Das wurde daraus: YouTube hat auf dem Internet-Videomarkt einen Anteil von 45 Prozent. Google Video belegt mit 23 Prozent den zweiten Platz. Clipfish kann nur einen Bruchteil der Nutzerzahlen aufweisen. Dass die Firma permanent Talent-Wettbewerbe und Themen-Aufrufe startet, spricht dafür, dass die Nutzer freiwillig nicht genügend Trash einsenden.
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Tobias Moorstedt