Die Fernbeziehungskolumne. Heute: Ich mache jetzt Schluss
Wie Moritz allen Ernstes nicht mehr weiterschreiben möchte und deswegen die letzten zehn Wochen noch mal vor seinem inneren Auge vorbeirauschen lässt. Schnüff.
Tja
Genau, richtig gelesen. Ich mache Schluss. Jetzt, hier und heute. Mit dieser Kolumne, nicht mit Kathrin . Freundin und Literaturkritikerin Marie wird die von ihr geforderte Dramatik in dieser Kolumne nicht mehr bekommen. Basta.
Zehn Wochen sind lang:
1. Woche: Mama fragt: „Wie machst das denn jetzt? Ich meine, falls du ne andere nette Frau kennen lernst, kannst du das ja nicht in der Kolumne schreiben, oder? Die Kathrin liest das ja auch.“2. Woche: Ohne Dispo keine Disko.
3. Woche: Die neuen Nachbarn haben sehr viel und sehr laut Sex. Ich nicht. Weder laut noch viel.4. Woche: Muttern hat Geburtstag. Ein guter Grund, Kathrin zu besuchen.
5. Woche: Der Spiegel im Gang teilt mir mit, was der Spiegel im Bad nicht schafft, weil es da so dunkel ist: Es wäre wieder Zeit, sich zu rasieren. Nein, ehrlicher: sich mal wieder die Fusseln aus dem Gesicht zu schaben. Wird nach zwei Trotz-Tagen auch gemacht.6. Woche: Meine Magisterarbeit ist angemeldet. Der Plan: Ganz schnell schreiben, ganz schnell abgeben. Ganz schnell noch die Prüfungen machen. Dann einen LKW mieten und den Lebensmittelpunkt näher an die österreichische Grenze verschieben. Und, ach ja: Natürlich auch ganz gut sein.
7. Woche: Kathrins Einweihungsparty wird von der Polizei aufgelöst. Mitbewohner Dominic, der romantische Britpop-DJ, verkündet stolz: „Das gab es in Kufstein noch nie!“8. Woche: Die PdFBZG, die „Partei der Fernbeziehungs-Geschädigten“ wird ins Bundeswahlregister eingetragen. Ihr Führer M. Baumstieger liefert sich bei Christiansen ein hartes Duell mit Bahnchef Mehdorn, von dem er freie Fahrt für Langstrecken-Liebhaber fordert. Baumstieger treibt Mehdorn verbal in die Ecke. Kurz darauf schmeißt Christiansen Baumstieger raus. Die blöde Kuh behauptet, er habe vor der Sendung den Salzstreuer an Mehdorns Tisch aufgeschraubt, so dass die teuren Häppchen verdorben waren, und Verkehrsminister Tiefensee Juckpulver in den Kakao geschüttet. An der Basis rumort es.
9. Woche: Ich! habe! jetzt!!! schon! ein! Weihnachtsgeschenk! für! Kathrin!10. Woche: Viel Dispo, viel Disko: Der Ex-Vermieter hat endlich die Kaution herausgerückt. Außerdem: Schokoladenvorrat wird angelegt. Kathrin seit drei Wochen nicht gesehen.


Was das Schlimmste ist:
Abends, auf langweiligen Partys, nachmittags, wenn es im Park zu kalt wird, und immer, immer, immer, wenn man gerade Lust drauf hat: Man kann nicht einfach nach Hause gehen, weil man ja eh zu zweit ist, weil einem sowieso etwas einfällt, das man machen könnte. Reden, streiten, die Wohnung verwüsten oder aufräumen. Kitzelterror mit fiesem Schwitzkasten beenden. Geld verprassen, die Gäste vom Wettbüro gegenüber observieren, blöde Fotos schießen. Ins Bett gehen, das „Komm tanz mit mir – Nein, ich will nicht“-Spiel spielen oder zusammen ausdauernd einfach gar nichts machen. Das geht alles nicht. Denn Kathrin ist nicht da. So einfach ist das. So blöd ist das.- Die Fernbeziehungskolumne. Heute: Was geht und was nicht geht 07.11.2006
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23.11.2006 - 14:36 Uhr
Yue
hab die kolumne immer sehr gern gelesen, weil ich auch ne fernbeziehung hab xDD war also immer sehr ermutigent wie du einfach alles so schön auf den punkt gebracht hast... wird mir fehlen ;)