19.11.2006 - 19:00 Uhr

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Kolumbien: Ohne Titten kein Paradies?

Text: roland-schulz

Schlechte Idee: Versuchen, die durchwachsene Qualität von Telenovelas noch weiter zu untertreffen - und das auch noch in Kolumbien. Das Land ist ein Hort der Telenovelas, der letzte in jeder Hinsicht durchschlagende Erfolg war "Betty, la fea" (Betty die Hässliche), eine Telenovela, in der ein hässliches Entlein zum strahlenden Schwan wird - in Deutschland hieß das dann "Verliebt in Berlin".
Betty, la fea. Man beachte die kunstvoll aufgeklebte Zahnspange. Foto: Reuters Jetzt ist in Kolumbien was neues angelaufen - eine Telenovela mit dem krachenden Titel "Sin Tetas no hay paraíso", was mit "Ohne Brüste kommst du nicht ins Paradies" nur unzureichend übersetzt ist. Der Plot ist schlicht: Die Hauptfigur Catalina versucht das Herz eines Drogenbarons zu gewinnen und lässt sich deswegen den Busen vergrössern. Da Catalina, arm und mittellos, kein Geld hat, muss sie als Prostituierte arbeiten. Das Fernsehen bewirbt diese Telenovela mit der Werbezeile "Ihr Lächeln war wunderbar - aber die Brüste führten sie in die Hölle." Im Moment erfreut sich die Telenovela in Kolumbien großer Beliebtheit. In dem Land gehört es für viele Mädchen zum guten Ton, sich den Busen vergrößeren zu lassen: Bis zu 100 000 Frauen lassen sich dort jedes Jahr operieren. Gute Idee: Mal schauen, ob die Schönheitskönigin eigentlich echt ist – genau, ausgerechnet in Kolumbien. Hier wurde gerade die neue „Reina“ gekrönt: Es ist Aileen Roca Torralvo, 20 Jahre, Maße 89-62-93 – und nicht operiert, wie sie extra bei ihrer Vorstellung im Wettbewerb betonte. Prompt titelten die kolumbianischen Zeitungen über die Sensation: „Eine Königin ohne Operation“.
Aileen Roca, die unoperierte Königin. Foto: Reuters


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Passau
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Mag ich Mag ich nicht

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21.11.2006 - 04:29 Uhr
Passau

Ich lebe seit mehreren Jahren in Medellin. Hier zaehlt mehr die Verpackung als der Inhalt. Ich glaube es gibt wenige Staedte auf der Welt, die solch einen enormen Schoenheitskult betreibt wie Medellin. Pro Kopf gerechnet mit die meisten Brustvergroesserungen, daneben auch Fettabsaugen, Lifting, alles inklusive. Rumba, Saufen und Schnackseln stehen hier hoch im Kurs. Alles Andere ist Nebensache, wie z.B. Lesen oder die massiven Armuts- und Konfliktprobleme zu loesen. Das interessiert hier keine Sau. Deswegen ist das kol. Fernsehen inklusive Telenovelas auch qualitativ eine Katastrophe. Ich sehne mich nach WDR, NDR, ARTE, 3SAT, BR.

calibjoern
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Mag ich Mag ich nicht

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22.11.2006 - 03:15 Uhr
calibjoern

Ach ist das schön, wenn sich ein 1. Welt Journalist über das dumme Schwellenland erheben kann!
Der Autor sollte wissen, das Sin Tetas no hay paraíso ein Trivalroman ist und die Telenovela dazu die ironisch überspitzte Antwort ist. Das Frauen hier in Kolumbien sich die Brüste vergrößern lassen, ist eine Form der Flucht aus der Armut. Sich einen Mann zu angeln, der dich durchfüttert, kann dich aus dem Slum holen und dir ersparen 12 Stunden am Tag für 130 Dollar im Monat arbeiten zu müssen. Also bitte keine deutsche Überheblichkeit, nur weil etwas nicht in unser Weltbild paßt.

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Mag ich Mag ich nicht

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22.11.2006 - 03:20 Uhr
calibjoern

Hallo Passau,
in einem Land, in dem wie heute 4 Bomben an einem Nachmittag hochgehen, sollte man den Leuten auch zugestehen, wenn sie gerne tanzen, trinken und Sex haben. Den normalen Wahnsinn wenigstens zeitweise zu entkommen, kann ich sehr gut nachvollziehen.
Wenn dir deutsches Fernsehen fehlt, kann ich dir nur Streams im Internet und eine schnelle Verbindung wünschen. Darein kann sich dann ein gutbezahllter Europäer flüchten oder arbeitest du für den Mindestlohn?

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