12.11.2006 - 19:00 Uhr

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Wir sind die Geduldeten: Fünf Flüchtlinge über den Alltag des Wartens

Text: meredith-haaf

Am Donnerstag treffen sich die Innenminister der Länder in Nürnberg. Dort wollen sie ein automatisches Bleiberecht für Flüchtlinge, die länger als sechs bis acht Jahre mit Duldungsstatus in Deutschland leben, beschließen. Dabei geht es vor allem darum, die Praxis der Kettenduldungen abzuschaffen. Das bedeutet, dass Flüchtlinge jahrelang mit einem unsicheren Aufenthaltsstatus leben und jederzeit abgeschoben werden können. Doch wegen zahlreicher Ausnahmen profitiert vermutlich nicht einmal die Hälfte der etwa 190.000 Betroffenen von dem Gesetz.
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In der Organisation Jugendliche ohne Grenzen haben sich junge Flüchtlinge zusammengetan, um für ein Bleiberecht zu kämpfen. Hier erzählen sie von ihrem alltag.

Soumaila Savadogu, 20, geht in Cottbus zur Schule Nächstes Jahr mache ich Abitur in Physik und Mathe. Meine Noten sind gut. Die Schule ist das Einzige, was ich machen kann. Klar hätte ich gerne einen Job, doch so lange mein Asylverfahren läuft, bekomme ich keine Arbeitserlaubnis. Seit vier Jahren lebe ich jetzt in Deutschland. Burkina Faso ist offiziell eine Demokratie. Doch in Wirklichkeit sind seit den 80er Jahren dieselben korrupten Männer an der Macht. Ich wollte das ändern und trat in eine oppositionelle Schülerorganisation ein. Die Repressionen waren hart: Einige meiner Mitschüler wurden verschleppt und sind nie wieder aufgetaucht. Mich haben sie zweimal verhaftet, beim zweiten Mal hatte ich Glück und konnte gemeinsam mit einem Freund abhauen. Danach war klar, dass wir nicht bleiben können, also sind wir über Ghana nach Deutschland geflüchtet. Seitdem habe ich keinerlei Kontakt mehr zu meiner Familie. Ich weiß nicht einmal wo sie ist. Sicher ist nur, dass meine Flucht sie in Gefahr gebracht hat. Seit ich hier lebe, engagiere ich mich für ein besseres Bleiberecht. Ich bin Vorsitzender im Flüchtlingsverein. Vor kurzem haben wir in Brandenburg erreicht, dass auch Geduldete an Unis studieren können. Allerdings bedeutet das Studium – im Gegensatz zu einem Ausbildungsplatz – keinen Schutz vor Abschiebung. Wir haben keinen Anspruch auf Bafög, bekommen aber die Sozialhilfe unter dem Asylleistungsgesetz nicht mehr. Arbeiten dürfen wir auch nicht. Wovon also sollen wir leben? Ich hatte große Hoffnungen auf die Bleiberechtsregelung gesetzt. Doch wenn ich mir die Ausschlusskriterien ansehe, weiß ich, das wird nichts. Ehrlich gesagt macht es krank, wenn man versucht sich in Deutschland zurecht zu finden und ständig gegen neue Barrieren der Behörden läuft. Ich habe jeden Tag Angst, dass mein Asylantrag endgültig abgelehnt wird. Es sieht nicht gut aus, soviel weiß ich. Mit dieser Unsicherheit im Nacken ist es oft schwer, sich auf die Schule zu konzentrieren: Wozu soll ich lernen, wenn die mich eh abschieben? Was mache ich mit meinem Mathe-Abi in der Hölle? Mitarbeit: henrik-pfeiffer Illu: daniela-pass
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