12.11.2006 - 19:00 Uhr

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Wir sind die Geduldeten: Fünf Flüchtlinge über den Alltag des Wartens

Text: meredith-haaf

Am Donnerstag treffen sich die Innenminister der Länder in Nürnberg. Dort wollen sie ein automatisches Bleiberecht für Flüchtlinge, die länger als sechs bis acht Jahre mit Duldungsstatus in Deutschland leben, beschließen. Dabei geht es vor allem darum, die Praxis der Kettenduldungen abzuschaffen. Das bedeutet, dass Flüchtlinge jahrelang mit einem unsicheren Aufenthaltsstatus leben und jederzeit abgeschoben werden können. Doch wegen zahlreicher Ausnahmen profitiert vermutlich nicht einmal die Hälfte der etwa 190.000 Betroffenen von dem Gesetz.
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In der Organisation Jugendliche ohne Grenzen haben sich junge Flüchtlinge zusammengetan, um für ein Bleiberecht zu kämpfen. Hier erzählen sie von ihrem alltag.

Walid, 23, engagiert sich in Berlin für Menschenrechte Ich bin gelernter Altenpfleger. Vor kurzem wurde mir eine Stelle für fünf Jahre angeboten. Also ging ich zur Ausländerbehörde, um mir eine Arbeitsgenehmigung zu besorgen. Die Sachbearbeiterin meinte gerade zu mir, sie würde mir den Aufenthalt für ein Jahr bestätigen, als ihre Chefin ins Zimmer kam. Die kannte mich schon und hat den Aufenthalt einfach auf sechs Monate verkürzt. Den Job konnte ich natürlich nicht annehmen. Sagen wir so: Die Berliner Behörden lieben mich nicht gerade. Ich mache zu viel Ärger. Ich bin in 17 verschiedenen politischen Gruppen engagiert. Vor allem aber setze ich mich für die Rechte der Flüchtlinge ein. Vor sechs Jahren hat mein Vater uns aus dem Libanon geholt. Fast genauso lange bin ich bei „Jugendliche ohne Grenzen“ aktiv und organisiere Demos. Letztes Jahr wollten sie meine kleine Schwester nicht in den Kindergarten lassen. Sie ist in Deutschland geboren aber hat keine Geburtsurkunde bekommen. Ich habe den „Tagesthemen“ dazu ein Interview gegeben. Danach gab es Riesenärger auf der Ausländerbehörde. „Was willst du denn noch für Rechte? Du bekommst doch alles, was dir zusteht“, haben sie gesagt. Ich weiß nicht, wie viele Anzeigen ich schon bekommen habe, aber bisher sind sie immer fallen gelassen worden. Zur Zeit läuft auch ein Verfahren, es steht Anzeige gegen Anzeige zwischen mir und der Polizei. Ich war in Kreuzberg in einem Park unterwegs, als wir von der Polizei angehalten wurden. Wir hatten keine Papiere dabei und während sie meine Daten überprüfen ließen, haben sie uns verprügelt. Dann haben sie mich auf die Wache mitgenommen und mir Pfefferspray in die Nase und in den Mund gesprüht, damit ich Ruhe gebe. Irgendwann will ich auch meine Ruhe haben. Aber nicht jetzt. Ich kann nicht einfach meinen Mund halten, wenn Unrecht geschieht.
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