Die Fernbeziehungskolumne. Heute: Besuche, Eifersucht und andere schöne Sachen
Wie Moritz um sein Kuschel-Wochenende gebracht wird, deswegen notgedrungen Vollgas gibt und am Ende mit Kathrin Mäuse sieht, wie der Zug wieder abfährt und Moritz in einem Heer von Kriegerwitwen standhaft bleibt.
Weil
Österreichischer Nationalfeiertag, verlängertes Wochenende, Kathrin hat mich in Köln besucht. Und hat mitgebracht: a) einen Koffer Dreckwäsche, die ich waschen durfte, b) eine Webcam, damit ich jetzt zu Hause skypen kann und mich im Internetcafé nicht mehr zum Affen machen muss, c) Tiroler Obstbrand, der schön im Rachen brennt, d) eine Stange Zigaretten, e) und als Extra obendrauf: eine Stange Eifersucht. Wohl deshalb hat sie erst einmal ihr Revier markiert, und mir einen dekorativen Knutschfleck gut sichtbar auf den Hals gesetzt. Damit – wie bei einem argentinischen Rind mit Brandmarkierung am Hinterteil – die Besitzverhältnisse nach außen hin gleich mal klar gestellt sind. Klar gestellt war auch ziemlich bald, dass es kein ruhiges Pärchen-Kuschel-Wochenende wird. Denn außer Kathrin haben sich spontan noch selber eingeladen: Patrick mit seinen betrunkenen Fotografen, die wohnungssuchende Marie, Felicitas und Messe-Bernd.

+ Mitbewohner Thomas mopst sich in einer Kneipe einen Stuhl, + dessen Transport im Taxi extra kostet, + einem Kickerspieler bricht ein Fuß, + und mir der Arm ab, + Kathrin schimpft mich deshalb sehr, + ist wegen ein paar Bieren und einem Mädchen, das ich nicht mal kenne, sehr eifersüchtig, + lässt sich aber beruhigen, bevor es zur großen Szene kommt.

Die Statistik zum aktuellen Spieltag:
1 Stunde Zeit zusammen haben wir am Wochenende geschenkt bekommen. Danke, liebe Zeitumstellung. 2 ½ Stunden haben wir immerhin auch etwas für die Uni getan. 3 Wochen dauert es jetzt wahrscheinlich bis zum nächsten Treffen.

Quatsch @ Die Bahn:
Die verspiegelten Scheiben am ICE. Da hampelt man fünf Minuten vor dem Zugfenster rum und schneidet Grimassen, um die Abschiedstragik mit halbsouveräner Albernheit zu überspielen. Und merkt dann, dass Kathrin ja ein Fenster weiter vorne sitzt. Der Manager, dem man unabsichtlich eine Privatvorstellung gegeben hat, kratzt sich etwas irritiert am Kopf.Tiere in Bahnhöfen.
Samstagmorgen, fünf Uhr: Ich: „Guck mal, Kathrin. Entweder seh' ich schon Mäuse, oder da spielt wirklich ne Maus zwischen den Rosinenbrötchen Verstecken!“ Kathrin: (zur Verkäuferin): Entschuldigung, da spielt ne Maus zwischen ihren Rosinenbrötchen Verstecken.“ Verkäuferin: „Ach, so ein Mist. Immer wenn ich da bin…“Selbsthilfegruppe Fernbeziehung e.V.
Zehn Minuten nach Abfahrt von Kathrins Zug, in der U-Bahn. Der „Manager des Jahres“-Typ in Nadelstreifen, der mit seiner Freundin großes Abschiedstheater veranstaltet hat – Heulerei inklusive – bevor sie mit demselben Zug wie Kathrin gefahren ist. Nickt mir zu, setzt sich. Sagt leise: „So. Jetzt sinnse weg.“ Pause Dann lauter: „Isch mach jetzt erst ma 'n Bier wech und kuck schön FC. Du?“
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wiederholt lobend: die jane
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01.11.2006 - 20:13 Uhr
louis82