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Technik

| 30.10.2006 19:00  

"Flock"-Entwickler: Der schwarze Schirm von Schwabing

  Seite 3  
Sechs Monate, so hatten Robin und seine Freundin geplant, wollten sie in Berlin bleiben. Es wurden zwölf. Taska hatte eine gute Arbeit, Robin lebte von seinen Ersparnissen, ließ es sich gut gehen, lernte Deutsch. Als seine Freundin das Angebot bekam, für ihre Arbeit nach München zu ziehen, zog er mit ihr, in eine Dachgeschoss-Wohnung mit zwei Etagen, so hell, so luftig, so schön, dass Robin Slomkowski sich schnell angewöhnte, meist barfuß zu laufen in seiner Wohnung.

Die Eine-Million-Dollar-Mail

Er stellte seinen Breitbild-Fernseher auf, mit dem er in das Internet blickt, dazu die Festplatten, die Laptops, die er für seine Leidenschaft braucht, und dazu zwei Server, Großrechner, die sein Netzwerk steuern. Dann aber stromerte er die meiste Zeit doch durch die Parks Münchens, Luitpoldpark, Englischer Garten, Olympiapark, zusammen mit seinem Hund Duco, oder saß einfach viele Vormittage lang im Café Reitschule oder einem der anderen Cafés von Schwabing. München gefiel ihm immer besser. Doch langsam wurde sein gespartes Geld knapp. Da bekam er eine E-Mail von einem alten Arbeitskollegen: „Ich habe eine Million Dollar, um eine Firma zu gründen. Willst du mir helfen?“

Seitdem arbeitet Robin Slomkowski an „Flock“, einem neuartigen Internet-Browser, von dem er hofft, dass er ein neues Kapitel in der Geschichte des Internets werde. Wieder greift Slomkowski nach seiner Funktastatur, wirft ein neues Bild auf seinen Schirm, zeigt sein Werk. „Wir nennen uns den sozialen Browser“, sagt er, und dann legt er los. Er fährt Fenster von Computerprogrammen hoch, springt von einer Internetseite zur nächsten, klickt sich durch das Netz, in einer wirren Abfolge, und das alles ist wie ein Beweis: Das Internet ist inzwischen wie das Meer – eine unermessliche Weite, voller Bewegung und Wellen, doch obwohl jeder genau weiß, dass das, was drin ist, nämlich Wasser oder Wissen, lebensnotwendig ist, ist das Internet inzwischen so unergründlich, dass man darin leicht ertrinken kann.

An dieser Stelle, sagt Robin und wechselt auf den von ihm mit entwickelten Browser, setze „Flock“ an: Der Browser soll seinen Benutzern melden, wenn und wie sich das Wissen da draußen im Netz vermehrt – welche Zeitungs-Homepage gerade neue Nachrichten vermeldet hat, welcher Freund gerade welche Bilder auf seine Seite hoch lud, welche Lesezeichen der Chef gerade neu in seine Liste der wichtigen Homepages aufnahm. „Flock ist dafür gemacht, Informationen zu verwalten, den Überblick zu behalten“, sagt Slomkowski. Der Browser soll mehr sein als ein herkömmlicher Browser, weil er genau das in sich vereint, was bislang nur viele einzelne Homepages wie MySpace, YouTube oder auch der-fliegenfischer.de im Internet leisten, nämlich persönlich relevante Informationen im gesamten Netz unter allen denjenigen zu vernetzen, die sich genau für diese Art der Information interessieren – mit „Flock“, hofft Robin, ertrinkt man nicht mehr in Wissen, sondern taucht hindurch, zielgenau. Ende des Jahres soll der Browser in einer ersten Version bereit stehen.

Slomkowski schließt seinen Browser wieder, fährt den Laptop herunter, klappt ihn zu. Er wird ihn erst am Abend brauchen. Wegen der Zeitverschiebung zu Kalifornien, dem Sitz seiner Kollegen, arbeitet Robin nur spätabends. Oder ganz in der Früh. Wenn der Himmel über München so aussieht wie der schwarze Schirm, mit dem alles begann.
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