Waldtierperformance
Text: melan
Also. Die verfluchte Sache ist diese, dass nämlich viele junge Jungen nach Leipzig gehen, um dort Schule und Karriere zu machen, sie malen dort nämlich Rehe, oder gehen mit denen photo-shoppen, ich weiß nicht, aber die Augen, sie haben eher größere Augen (die Jungen, die Rehe auch, vielleicht deshalb.)! Das kam alles mit der Ironie der Neunziger, aber die Ironie ging weiter, und die Rehe blieben. Und jetzt kommen die jungen Jungen mit den großen Augen und malen die Rehe in Leipzig, aber am Wochenende, das beginnt Donnerstags, kommen die Jungen mit den großen Augen nach Berlin, und trinken mir den Schnaps weg.
Ich habe die Augen meiner Mutter und eine Schilddrüse, deshalb wirken energische in zwei Städten sich aufhaltende Jungen immer anziehend und abstoßend zugleich. Sie machen mich, um mich mal ausnahmsweise kurz zu fassen, traurig. Weil ich sitze in meiner Wohnung und schaffe es weder, das Geschirr abzuwaschen, noch eine Glühbirne auszuwechseln, noch Batterien für mein kleines Radio zu kaufen, ich schaffe es nichtmal, darüber in irgendwas zu verfallen, was man kafkaesk nennen dürfte. Ich verfalle einfach so, ohne Titel.
Jedenfalls, worauf ich hinaus will, ist, dass Kölner noch schlimmer sind. Denn! Kölner kommen auch nach Berlin, und veranstalten dort Kleinkörper-Parties (Kölner sind nicht sehr groß), die sie nach Mode-Täterinnen bennen, oder nach deren Vätern, die Hotels sind. Egal.
Jedenfalls haben die Kölner kleine, fiese Augen, und ficken alle miteinander. Die meisten - aber nicht alle - benützen vorbildlich Kondome.
Eben auf den Kleinkörperparties, denen echte Berliner, die aus Münchner Vororten kommen wie ich, immer mit mehr Graus als Wonne beiwohnen, trinken die Leipziger Schüler mir den Schnaps weg. Die haben auch meist kleine Körper und dann befummeln sich die Kölner und die anderen. Und trinekn mir dabei den Schnaps weg. Gottseidank hab ich mehr Geld und kann deshalb mehr Schnaps trinken, also wenn die schon längst erfolgreich sind, fang ich mit dem Trinken erst an.
So. Die Kölner lieben aber die aus Leipzig nicht wirklich. Das ist so eine Kölner Krankheit, und die Leipziger lieben sowieso alles, weil sie klein sind. (Überhaupt ist alles sehr klein und sehr jung, und man wird päderastisch dabei, das ist dann die Berliner Krankheit.) Und weil die Kölner die nicht lieben, sondern nur ans Geld und eher noch ans Ficken denken, eröffnen die dann eine Gallerie in Berlin, wo eigentlich eine Schnapsbar hingehört hätte, eine Gallerie ist doch ein dummes Ding im Frühling, sagte schon irgendwer. Und die jungen Rehleins (manche von ihnen riechen streng, weil sie aus ihrem Naturell heraus sich nicht waschen. Überhaupt scheint das Waschen ein wenig aus der Mode gekommen zu sein, seit es diese Rosa Seiten aus Holland gibt. Arsch heißen die, oder so. Aber das macht nichts, weil man sich ja jetzt Düfte über den eigenen sprühen kann, das riecht nach Gummi und heiß Garage oder Rhababer oder so, so sind die Jungs.), jedenfalls die Rehleins hängen ihre mühsam gepinselten Rehleins in die mühsam eröffnete Gallerien der Kölner. Dann gibt es eine Party. Auf die komme ich meistens und trinke diesmal denen den Schnaps weg.
Mittlerweile, es ist 14:30, bin ich schon sehr betrunken, und schlage deshalb vor, mich in Zukunft mit Rehleins in Ruhe zu lassen, und überhaupt aufzuhören, ständig und überall sanftere Töne anzuschlagen, ich meine schließlich leben wir im Zeitalter des Terrorismus und könnten auch ein wenig Spaß haben. Über die Berliner schreibe ich später, die mag ich nämlich auch nicht.
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28.10.2006 - 04:53 Uhr
charley_Brown