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Kultur| 26.11.2006 22:43Der schmale Pfad zwischen Tomte und dem 200 Meter langen Weg vom Bier zum Kaugummi
Text: elEktrolYd
Ein ganz normaler Konzertabend sollte es werden. Die anzusehende Band heißt Tomte. Ihre Musik ist bekanntlich bekannt. Ebenso ihre Konzerte – spätestens seit der letzten Festivalsaison. Ich selbst sah sie allein in diesem Jahr bereits drei Mal. Ich bin der Meinung einen Mann wie Thees Uhlmann einfach nicht oft genug auf der Bühne erleben zu können.![]() In einer Kleinstadt wie Erfurt ist es anscheinend nicht schwer einen Platz auf der Gästeliste zu ergattern. Hier kennt eben jeder jeden. Ein absoluter Vorteil, wenn man sich dauernd auf diesem schmalen Pfad bewegt, der irgendwo zwischen einem positiven – allerdings geringfügigen – Haben und dem Dispo liegt. Geplant war zu Viert zum Konzert zu gehen. Unsere Fotografin in der Runde kommt, laut eigener Aussage, nämlich überhaupt nicht ran an diese Musik. Nach einem Lied wechselt sie meist die CD. Ok, das Angebot in Erfurt ist aber einfach mal nicht groß genug, um sich auch noch eine Veranstaltung nach eigenem Geschmack aussuchen zu können. Das wäre der pure Luxus. Hier muss man nehmen bzw. mitnehmen, was man kriegt – das sah selbst Anni dann ein. Weil Erfurt so klein und wir so unglaublich dekadent sind und faul noch dazu, fuhren wir selbstverständlich mit dem Auto zum Ort des Geschehens. Beim Einparken wurde der Bauzaun ein wenig gestreift. Das ist gar kein Problem. Das Auto muss eh bald wieder abgegeben werden. Es handelt sich nämlich um einen Firmenwagen und die Firma wird bald nicht mehr die Firma sein, in der gearbeitet wird. Gut! Auf dem ca. 200 Meter langen Weg vom Parkplatz zum Stadtgarten regte sich Doro über ihre ehemalige Nachbarin auf, die sich nicht für ihr Geburtstagsgeschenk bedankte. Da ich Doro ein wenig kenne, fragte ich, bevor ich mir ein Urteil über diesen Sachverhalt erlaubte, was denn überhaupt das Geschenk gewesen wäre. Eine Flasche Wein und eine Karte. Ahhh, da kamen wir der Sache schon näher – eine Karte also. Was stand denn auf der Karte? „Ich wünsche Dir alles Gute, Glück, Gesundheit und Verstand!“ Tja, was sollte ich dazu sagen? Ich kann mir irgendwie denken, warum die Nachbarin sich nicht bedankte… Doro: „Wieso? Verstand kommt von Verständnis!“ Ja genau Doro, hätte ich auch so gesehen! Der Stadtgarten war schon ziemlich voll als wir zu Fünft unbezahlt den Eingang passierten. Das Gute war, man konnte selbst aus der letzten Reihe die gesamte Bühne überblicken. Das Schlechte daran, das Publikum dürfte im Durchschnitt nicht viel älter als 18 gewesen sein. Thees stand bereits auf der Bühne. Entgegen dem gewohnten Tomte-Bild jedoch, stand er allein dort oben. Er sang auch nicht. Nein, er kommentierte eine Diapräsentation über die Tour – selbstverständlich mit dem gewohnt Theesschen Humor. ![]() Endlich betraten Tomte die Bühne - nach einer furchtbar schrecklichen Vorband und einigen Bieren, die ich mir mit Anni teilte. Ich holte, Anni sagte „Oh schön, das teilen wir uns doch!“ Klar! Wir teilten uns noch mindestens drei weitere Pils. Ja, warum sollte auch jede einen eigenen Becher in der Hand halten? Das wäre albern! Das Konzert begann. Anni machte Fotos und ich reihte mich mit Doro hinter die ersten drei Kinderreihen ein. Zum Ärgernis von Doro stand eine „blöde Schlampe“ vor uns, die uns ständig mit einer Zigarette bedrohte und ihre Haare mit einer enormen Ausdauer immer und immer wieder in unsere Gesichter peitschte. Es waren doofe Haare. Blond gefärbte Dauerwelle. Ich bin ja fast Doros Meinung und muss sagen, dass diese Haare es nicht anders verdienten. Ein Kaugummi sollte in ihnen hängen. Ein Kaugummi, der direkt aus Doros Mund in die Haare der Tussi geklebt wurde. Und weil’s nicht so schön aussah, wurde er nochmal kurz eingeknetet. Wunderbar! Thees trällerte währenddessen von seinem Onkel Walter und seiner Tante Gail aus Amerika und belustigte das Publikum mit dem kleinen aber feinen Unterschied zwischen der London Bridge und der Tower Bridge. Er erzählte vom Batterien-Erwerb und bewegte sich dazu wie der Duracell-Hase. Ich weiß zwar nicht, ob diese Werbung tatsächlich noch ausgestrahlt wird, da ich seit zwei Jahren das Fernsehen boykottiere, aber anscheinend verstanden selbst die 18-Jährigen diesen Witz. ![]() Das muss dann spätestens der Zeitpunkt gewesen sein, an dem auch Anni endlich zum Tomte-Fan wurde. Gestern erhielt ich von ihr eine SMS mit dem Inhalt „Weißt du was du mir bedeutest? Auf einem Platz in meinem Herz, steht dein Name an der Wand und ich will, dass du es erfährst. Ich werde immer an dich glauben, egal was auch passiert. Manche singen von Liebe, ich sang von dir.“ Es war eben ein ganz normaler Abend. Ein Abend, wie ich ihn so gern mit meinen Freunden erlebe… * all Foddos are from Mrs. Anni (annoys@googlemail.com)
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