17.03.2009 - 12:29 Uhr

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Der Schmiss

Text: derien

Ich hatte es nötig. Das Angebot klang zu verlockend. Ich rieb mir die Augen. Habe ich mich verlesen? Ne-da stand es in der Wochenendausgabe der Lokalzeitung, da stand in schwarz auf weiß. Zimmer an Studenten zu vermieten Zimmer frei in 12er Männer WG. 20 qm+bad, warm, teilmöbliert, gemeinschaftsküche, inkl. nebenkosten. 80Euro. Telxxx Ich suche, was? Ein Zimmer. Ok. Konforme, möglicherweise dazu noch konservative, MännerWG. Aber eh-80Euro! Und im nächsten Moment hatte ich für Samstag einen Termin. Samstag. Ich, rausgeputzt-es regnet. Gehe aus der Straba. Rechts am Berghang erstrecken sich Villen und alte Herrenhäuser. Marmor, riesige Verandafenster und Holzfachwerk. Dies ist nobles Terrain. Ich klingel, wo ich jetzt schon mal hier bin. Das alte Eisentor ist aufwendig verziert-hübsch gemacht. Beim Anblick bekomme ich nostalgische Gefühle, doch die verfliegen mit einem Male, als ich zur kugelförmigen Überwachungskamera, die an der Klingel angebracht ist, hinuntersehe. Irgend jemand sieht mir jetzt zu. Ich rufe meinen Namen in Richtung Sicherheitsanlage. Das elektrische Schloß des antiken Eisentors schnappt auf. Ein kleiner, junger, gescheitelter Kerl mit Kragenhemd und Jackett öffnet mir die Haustür. Wir trinken Kaffee, plauschen, besichtigen das Zimmer-sogar mit Balkon, schöne Aussicht, saubere Küche. Anschließend trinken wir noch einen Kaffee. Und der junge Mann fängt an zu erzählen. Wir sind ein Verbindungshaus. Wir akzeptieren ausschließlich Herren. Konfession ist bei uns kein Ausschlußgrund. Jedoch, und das haben wir nicht im Inserat angegeben, erwarten wir Einbringung in die Gemeinschaft. Traditionell wie wir sind, fühlen wir uns den Hausvorschriften verbunden und wollen diese weiterführen. Es gibt jede Woche eine Gemeinschaftssitzung-oben im Kaffeesaal des Hauses, mehrere private Hausfeste mit ehemaligen Persönlichkeiten, so wie weitere publike Veranstaltungen. Wir sind eine schlagende Verbindung. Das bedeutet, zwei Mal die Woche Trainnig. Wir habe einen eigenen Fechtraum im Haus, im Garten befindet sich für den Sommer zusätzlich ein Planchet. Wir messen uns mit anderen Verbindungen mithilfe des Floretts. Dabei sollte man sich bewusst sein, dass ohne Sicherheitskleidung gefochten wird. Um es salopp zu sagen: man hält den Kopf für seine Verbindung hin. Eventuell wird ein mal, die Verbindung dies auch für sie tun. Jedenfalls wird es ihnen die Verbindung zukünftig danken. Diese Turniere sind wichtig. Man erschließt sich mitunter Beziehungen zu wichtigen Persönlichkeiten-für ein Leben lang. Dies ist nur ein Auszug seiner sauerstoffverschwendenden Ausführung. Er zeigte mir noch Trainingsraum und Ahnenraum des Hauses. Bis Mittwoch solle ich Bericht erstatten. Nene, in dem Verein eintreten, ich weiß nicht: ich trink mein Weißbier lieber in gemütlicher Runde, wie in einem Gelage. Da müssten schon die, mindestens 80 Euro zahlen, dass ich mich auf so was einlasse. So nötig hatte ich es dann doch nicht. Ich sagte am Mittwoch ab. Soll sich doch ein anderer den Schmiss einfangen.
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