Dilemma und Lösung bei Schreiben
Wie man sich ein Dilemma baut, wenn man etwas schreiben will, und wie man wieder herauskommt. Eine Handreichung in zehn Punkten von Lars Weisbrod.
Die Lösung 1. Man fängt an. Motivierende Zukunftsaussichten sorgen dafür, dass man bei der Sache bleibt, denn diesmal sind sie realistischer: neben Geld auf dem Konto vor allem die Gelegenheit, die Dame im Buchladen damit nerven zu können, ob sie denn schon dieses neue Buch von diesem erfolgsversprechenden Jungautor habe, und herauszufinden, ob Amazon einem eigentlich das eigene Buch als Kauftipp vorschlägt. 2. Es gibt gute Ideen und schlechte Ideen. Gute Ideen aufzuschreiben fällt nicht sehr schwer. Was ist mit den schlechten? Man muss sich sagen „Ach, hat es je ein bedeutendes Werk gegeben, das nur aus guten Ideen bestand?“ und sich überwinden, nicht alles mit der Backspacetaste wieder wegzumachen, was nicht der ganz große Geistesblitz war. Manches gelungen, anderes nicht gelungen zu finden, ist okay und richtig, das zeugt von der Fähigkeit zur Reflexion und Selbstkritik, aber aufschreiben sollte man trotzdem beides. Einer wird es schon mögen. Und irgendwann muss es ja auch mal fertig werden, das blöde Buch. 3. Noch etwas zu den gute Ideen: Die muss man natürlich feiern. Da ruft man nachts entfernte Bekannte auf dem Handy an und versucht ihnen zu lautstark und aufgeregt zu erklären, wie überaus genial das ist, dass man gerade die verborgene Parallele zwischen der Dialektik der Aufklärung und dem Autokorso entdeckt hat. Das gibt einem die nötige Kraft zum Weitermachen. 4. Das Buchschreiben beendet man am besten mit einer übertrieben pathetischen Nachtschicht, in der Oliver Geißen mit seiner Wiederholung auf der richtigen Seite steht und einem hilft, den Kampf gegen Müdigkeit und Unlust zu gewinnen (wobei es gegen diese Feinde eigentlich nie zum Kampf kommt, es ist mehr so ein Gerangel). Um fünf Uhr morgens ruft man dann vollkommen übernächtigt den Lektor an, um ihm mitzuteilen, dass man nun fertig sei und ins Bett gehe. Gute Nacht. 5. Nach dieser Nacht glaubt man wieder, dass unsere Welt die schönste aller Welten ist und kann alles tun, was man will, die Clubs aufmischen und die Modeläden leer kaufen. Aber das Schönste ist, dass man das alles gar nicht machen muss, denn jetzt hat man sogar Spaß daran, im Rewe einzukaufen und mit dem Auto herumzufahren. Die wunderbare Macht der Erleichterung! Natürlich nimmt man sich dann nicht vor, beim nächsten Buch alles anders zu machen und früher anzufangen, denn erstens kämen einem, wenn es drauf ankommt, Fernseher und Erdnussflips sowieso verlockender vor und zweitens: Wo sollte denn dann die tolle Erleichterung herkommen? jetzt.de-Autor lars-weisbrod hat während der Fußball-WM lustige Kolumnen geschrieben. Trotz Erdnussflipps, Johannes B. Kerner und den Jaguarhändlern dieser Welt ist daraus jetzt ein Buch geworden. Es erscheint im Verlag Droemer und Knaur- Die sieben goldenen Regeln fürs gute LipDub-Video 31.05.2011
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