Besprochen: Lemonheads, Killers, Hund Marie, Crash Tokio, Fotos

Crash Tokio – Heads, We’re Dancing (tapete)
Freundschaftlich empfinde ich für diese Band, vielleicht weil sie aus München kommt, aber auch weil sie nett ist und längst mehr verdient hat, als sie bisher bekam. Mit der jetzt vorgelegten Platte sollte es trotz abschreckenden Cover-Artworks klappen. Wir sprechen hier nicht über Indierock sondern über Pop. Und zwar einen, der zum Glück über dieses Kuchenstück Exaltiertheit verfügt, das vielen jungen, deutschen Popbands abgeht. So ein Mut auch mal Bläser, Streicher und anderen himmlisch schönen Zierrat ordentlich einzusetzen und zwar souverän. Crash Tokio machen das gut, haben die Tanzbarkeit im Blick, wie es Phoenix nicht besser könnten und langweilen nicht. Etwas rougher als die seligen Miles, wenn man mal in die Nachbarschaft blickt, aber nicht weniger melodiebegabt. Ach, wie kriege ich das jetzt bloß in Worte, das einfach meint: Schönes Ding.

Fotos - dto. (Labels)
Manche Bands sind schon vor dem Debüt größer als andere. Es liegt wohl an subtiler Promotion, wenn man also total gespannt auf Fotos ist, wobei die nüchternen Eckdaten so frappierend nicht sind: Vier rockstylige Jungs unter dreißig, Herkunft irgendwie aus der oberen Hälfte Deutschlands, ein paar gelungene Konzerte und jetzt also die erste Platte. Darauf zu hören: Viel Energie und viel auf international getrimmte Gitarren. Nichts wäre den Fotos peinlicher, als sich trotz deutscher Texte irgendwie in den deutschen alternativen Rock-Diskurs zwischen Tocotronic und Juli eingliedern zu müssen, die möchten lieber gleich irgendwo cooler sein. Ich höre nichts, was sie dazu berechtigt. Die Musik hat Wumms, das schon, liebäugelt mit Hard-Fi oder anderen britisch/schwedischen NeoPowerRock-Aktivisten. Die Stimme von Sänger Tom ist dabei niemals besonders markant, die Songschreibung erschöpft sich großteils in den Varianten sonores Vollgas zu einfältiger Leadgitarre oder pseudeowildes Geschraddel zum Refrain. Nichts, was Madsen nicht auch schon versucht hätten, wenn auch die Fotos mit den Bassläufen und ein paar Effekten mehr auf die Tanzfläche zeigen. Eine EP lang könnte man das wohl goutieren (Sehr nett z.B. „Wiederhole deinen Rhythmus“), aber auf Albumlänge ist eben ungefähr die Hälfte der Lieder einfallslos zusammengeschrieen. Und dann diese halbgeglückte Von Spar-Kreisch-Attitüde, die einen schon bei den originellen Von Spar superschnell nervte. Naja. Wer halt so so nassforsch ankommt wie die Fotos, muss das jetzt auch einstecken. Diese Band könnte sich von NEON dauerpräsentieren lassen: Homepage, Artwork, Presseinfo ist jedenfalls genau so. Und die Musik ja irgendwie auch.
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