04.10.2006 - 19:00 Uhr

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Das Ende der Uni-Bib? Studenten und Profs schreiben die freie Netz-Bibliothek

Text: julia-staudinger

Mit seinen Studenten an der Universität von Georgia hat der Wirtschafts-Professor Rick Watson ein Lehrbuch geschrieben und es ins Netz gestellt. Jetzt plant er eine Online-Bib mit 1.000 selbst verfassten Lehrbüchern - so sollen Entwicklungsländer freien Zugang zu handfestem Wissen bekommen. Ein Interview

Sie haben mit Studenten ein Lehrbuch zu XML-Programmierung geschrieben. Wie kam es dazu? Viele Banken nutzen die neue XML Software. Der Bedarf an Programmierern für das Programm ist groß, also wollte ich dazu ein Seminar halten. Weil aber die Software sehr neu ist, gibt es noch keine Lehrbücher dafür. So kam ich auf die Idee, die Studenten zu fragen, ob sie nicht mit mir gemeinsam versuchen wollten, das erste Kapitel eines Lehrbuches zu schreiben. Als es um das zweite Kapitel ging, meldete sich gleich einer meiner Studenten freiwillig als Chefautor. Und ein anderer für das dritte Kapitel. So teilten wir das ganze Buch in einzelne Kapitel auf, das dann jeweils hauptsächlich von einem Studenten geschrieben wurde. Hatten die Studenten bei ihrer Arbeit freie Hand? Ja, im Prinzip schon. In meinem ersten Kurs arbeiteten 20 Studenten an dem Projekt, im nächsten Semester, da war ich als Dozent in Passau, überarbeiteten und korrigierten bereits 50 Studenten, was ich mit dem ersten Kurs erarbeitet hatte. Ich hatte zwar schon Erfahrung mit dem Schreiben von Lehrbüchern, habe die Studenten beim Schreiben aber fast nur Beraten. In unserem ersten Projekt habe ich die Anleitung für das gesamte Lehrbuch übernommen, der jeweilige Autor hatte aber die leitende Autorenfunktion für sein Kapitel inne.
Eine Studentin vor dem Bibliotheks- und Hörsaalgebäude der Bauhaus-Universität in Weimar. Werden Präsenz-Bibliotheken irgendwann überflüssig? (Foto: dpa) Wer bestimmt, was geändert wird? Meist ein Gremium aus Dozent und mehreren Studenten. Vorschläge zu Änderungen kann aber jeder dank der Wiki-Software machen. Ob die Änderungen vorgenommen werden, entscheiden die Autoren, die mit dem behandelten Inhalt sehr vertraut sind. Wir wollen durch die Herausgeberkontrolle schon ein gewisses Maß an Qualität erlangen. Dann dürften Sie der Online-Enzyklopädie Wikipedia recht wohl gesonnen sein, oder? Naja, ich betrachte das Projekt mit gemischten Gefühlen. Einerseits finde ich den Open-Source Gedanken toll. Andererseits verstehe ich, dass viele Professoren keine wissenschaftlichen Arbeiten akzeptieren, in denen als Quelle Wikipedia angegeben wird, denn wer garantiert, dass der Artikel, den ich Online abrufe, schon überarbeitet worden ist? Wir wollen, dass die Online-Lehrbücher diese Glaubwürdigkeit erlangen.
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