1234, 125, 789
Wenn ich Leuten sage, dass ich in einem Pornoladen arbeite komme ich mir schon nicht mehr seltsam vor. Ich stelle nur fest, 8 Stunden in diesem Laden zu arbeiten entleert mich. Es ist ähnlich wie eine Leiche aufzuschneiden. Man hört irgendwann einfach auf an etwas zu denken und funktioniert nur noch, fühlt sich wie ein maschienel schlecht gearbeitet Produkt. Es ist ein fremdes Ding und ungewohnt. Alles was ich weiß über 1234, 125, 789 sind ihre sexuellen Fantasien, ich weiß was sie anmacht, an was sie denken wenn sie sich einen runterholen. ‚Slovakian slut boys! (ill drink my mates spunk if you pay me!)’ und ‘Anal Tap’ und ‘Super soaked’ verleihe ich jeden Tag an Ärzte, DB-Angestellte, Rentner, Studenten. Ich finde keinen dieser Leute wirklich sonderlich. Dennoch muss ich sie auch nicht alle mögen. Was ich mag ist zu beobachten wie die Leute sich verhalten. Es fängt in dem Moment an in dem sie in den Laden wollen. Manche streunen auf und ab, werfen kleine Blicke, andere drehen erst im letzten Augenblick ab und treten in einem 90 Grad Winkel von der Straße in den Laden. Dann betrachten sie gerne eine halbe Stunde die Bildbände und Postkarten bis sie sich trauen in die Pornoecke zu gehen. Wer zum ersten Mal hier ist kauft selten etwas. Aber sie kommen alle wieder. Wenn sie sich zu sehr genieren will ich ihnen manchmal zuschreien ‚Dear Lord, i work here and sell porn all the time i really do not care’ Aber das tue ich nicht, ich lächle und versuche so auszusehen als würde ich in einem Club stehen. Probleme machen nur die Kunden die jeden Tag hier sind. Sie erheben ihre Stimme wenn ihr bestellter Film nicht da ist, der Schweiß steht ihnen auf der Stirn und wenn sie all zu frech werden will ich ihnen am allerliebsten die Kundenkarte aus den zittrigen Händen reißen und rufen ‚dir leih ich nie wieder was’. Aber auch das tue ich nicht. Ich sage ihnen nur wenn sie einen Flim schon einmal hatten und wundere mich wie sie soetwas vergessen können. Sie sind es auch, die zehn Flime leihen wollen und während ich alles raussuche sich umentscheiden, ich alles stornieren darf und wütend werde, aber ich will nichts sagen, ich liebe meinen Job. Ich will ehrlich sein, auch jetzt sitze ich im Gaymedia Store und während ich grade für die Nummer 234 einen Film heraussuchte fragte ich mich was dieser Mann wohl an den kleinen Kerlen findet die gleich auf seinem Bildschirm ficken werden. Ich reichte ihm den Film und er sagte: Nett siehst du aus. Und ich dachte ‚Scheiße, aber Ok’ Eines meiner Spiele hier ist zu vermuten welche Art von Porno sich die Leute ausleihen und die Faustregel Nr.1 ist, dass sie genau das Gegenteil von sich selbst mögen, je älter und kahler sie sind um so jünger müssen die Jungs sein und je chicer und hübscher sie sind um so versauter sollten die Filme sein die sie sich anschauen. Dieser eine Mann, dieser wunderbare hübsche Mann, Kundennummer 675, denn alle Menschen sind nur noch Nummern in diesen Wänden, leiht sich immer die schlimmsten Filme aus, von denen ich beim einräumen gedacht habe ‚so was schaut sich niemand an.’ Eines der Probleme denen ich mich hier jeden Tag stelle ist der Grad zwischen freundlich und flirten. Nicht das ich hier flirten würde, aber eine Sekunde zu lang gelächelt, einen Moment zu freundlich und man wird manche Menschen nicht mehr los. Deshalb habe ich mir angewöhnt immer ein wenig arbeit liegen zu lassen, so das ich von einem Moment auf den nächsten unheimlich beschäftigt wirken kann. Aber am Ende ist es schön hier, wie ein zweites Wohnzimmer, meine Musik läuft, es ist immer genug Essen da und Kaffee gibt es auch. Im ganzen Laden sehe ich die hübschesten Männer wie sie mir von Buchcovern und Plakaten entgegenlächeln, das geht doch auf viel schlimmer denke ich mir und um eines klar zu stellen: Porno hat rein gar nichts mit Sex zu tun.- Captain + 10 & mich. 18.09.2008
- this is blue 11.03.2007
- man geht und das herz schlägt noch. 07.01.2007
- wie es ist. 12.12.2006
- you i love 14.09.2006
ansonsten sehr interessant, was du über deinen job schreibst.
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und die aufgebauten gegensaetze von huebsch und versaut versteh ich auch nicht ganz. warum kann ein huebscher mensch keinen dreckigen sex haben? warum sollte das das gegenteil sein?
und ich bin jung und huebsch, und will auch junge und huebsche jungs. also, these gestorben.








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21.09.2006 - 12:54 Uhr
Schroedel