Labyrinth
Text: Juli_
Ich schalte den Fernseher ein. Ganz zufällig, ich lande bei MTV. In einem Videoclip sieht man, wie zwei Menschen sich in einem Labyrinth suchen. Beide sehen irgendwie sehnsüchtig, verängstigt und alleine aus. Hoffnungsvoll blicken sie um jede Ecke. Da steht wieder niemand. Ironisch, wie das Leben ist laufen sie aneinander vorbei, mehrmals. Nur eben getrennt durch eine Wand. Man sieht die Szenerie von oben und möchte den beiden zuschreien, dass sie nur nach rechts gehen müssten und schon wären sie beieinander. Dann merkt man, dass es doch nur ein blöder Clip ist.
Ist es das? Als ich dieses Labyrinth sehe, fühle ich mich an uns erinnert. Es erwischt einen am schlimmsten, wenn es unerwartet kommt, bei ganz alltäglichen Dingen. Wie MTV gucken.
Dann sehe ich dein Gesicht vor mir, deine Lippen, ich schaue dir in die Augen, so wie ich es tausendmal gemacht habe.
Ich verrate dir ein Geheimnis. Ich hab es dir nie gesagt, aber ich kann in deine Seele schauen. Sogar in deinen Kopf. Wahrscheinlich gefällt dir das nicht. Schließlich bist du gerne so stark und unangreifbar. Vor mir wolltest du nie so wirken. In letzter Zeit schon.
Das verunsichert mich. Ich weiß, dass in diesem Körper irgendwo die Janine steckt, wie ich sie kenne. Manchmal kommt sie raus und es ist so wie früher. Aber lange hält das nie an und auf einmal steht wieder dieser kühle, überlegte und unabhängige Mensch vor mir, den ich beim besten Willen nicht als Janine identifizieren kann.
Wir beide, wir sind in diesem Labyrinth. Die Wände sind aus Angst, Wut und Enttäuschung. Ich glaube es gibt auf der Welt nichts Festeres. Derjenige, der diese Wände gemacht hat, wollte sicher gehen, dass sie halten.
Ich laufe darin herum und hoffe, dass meinen Schatz wiederfinde. Von Zeit zu Zeit schlag ich mir die Hände blutig, weil ich versuche die Mauern zu durchbrechen. Ich sinke zu Boden – aber ich will nicht liegen bleiben, weil wenn ich liegen bleibe, finde ich dich nie.
Ich renne oft in Sackgassen, die anfangs noch Hoffnung versprachen.
Ich versuche doch den richtigen Weg zu finden, aber ich weiß einfach nicht, wo er ist. Ich will schreien und um mich schlagen, aber dann fangen die Mauern wieder an zu wachsen.
Also bleibe ich still. Ganz still. Laufe weiter, verliere meinen Verstand langsam aber sicher.
Ich bin mir nicht einmal sicher, ob du überhaupt auch in diesem Labyrinth bist. Vielleicht renne ich dort auch einfach alleine umher, auf der Suche nach jemandem, der gar nicht da ist.
Wenn ich dort umherrenne, habe ich eine Vision im Kopf. Eines Tages werde ich an eine Lichtung kommen, die Dunkelheit hört auf und ich kann die Vögel zwitschern hören. Lange hab ich dieses Geräusch nicht mehr gehört. In der Mitte dieser Lichtung steht ein Baum und wenn man auf ihn zugeht, werden die Mauern kleiner. Wir gehen langsam aufeinander zu. Ich spüre, dass ich etwas in der Hand habe. Es pocht. Wir stehen voreinander und berühren unsere Gesichter. Du machst deine Hand auf und ich sehe, dass auch du dort etwas pochendes umklammerst. Ich sehe an mir herunter und dort, wo mein Herz sein sollte, ist ein Loch.
Das ist immer der Moment , an dem die Vision abbricht und ich wieder in einem dunklen Gang orientierungslos umherirre.
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Textoptionen
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24.07.2007 - 22:05 Uhr
whyMe
"Ich sinke zu Boden – aber ich will nicht liegen bleiben, weil wenn ich liegen bleibe, finde ich dich nie.
Ich renne oft in Sackgassen, die anfangs noch Hoffnung versprachen."
das ist mein leben glaub ich