Und jetzt sprechen wir über Sie!
Text: absurda
Not macht erfinderisch, sagt man. Eine Gasrechnung von über fünfhundert Euro kratzt ein Loch in das ohnehin vom Sommer geschwächte Studentenbudget. Also die schwarze Hose von ganz hinten aus dem Kasten kramen, die Brillen putzen und die krausen Haare mit Wasser glätten. Und ab zum Vorstellungsgespräch.
Das kleine Sprachinstitut liegt in einem Wiener Randbezirk. Geschmacklose Gemeindebauten wohin das Auge reicht. Auf der einzigen Bank innerhalb von fünfhundert Metern kauert ein Alkoholiker. Ein paar serbische Mädchen warten bei der Bushaltestelle. Irgendeine von ihnen hat ein Radio in der Tasche, aus dem orientalische Musik dröhnt. Ansonsten ist es still.
Ich bin viel zu früh und gehe ratlos vor dem sauber gestrichenen Gartentor auf und ab. Versuche an nichts zu denken und lese das Türschild zum fünften Mal. "Magister Karl-Heinz X. Lern- und Sprachinstitut. Termine nur nach Vereinbarung. " Ein schmaler Kiesweg führt bis zur Eingangstür. Die Glocke ist mit einem hübschen Bild gekennzeichnet.
"Was werde ich sagen?" denke ich. "Hallo, ich bin M., und hier meine getreue Begleitung Miss Angst, die mich bedauerlicherweise gerade zu Boden drücken will. Melden Sie sich doch bei mir, oder besser, ich rufe Sie an, wenn ich mal allein bin."
Eine zierliche Frau öffnet die Tür. "Ah, Frau M., wir haben Sie schon erwartet!" sagt Sie und gibt mir ein Paar von jenen Plüschpantoffeln, die bei uns immer den Gästen vorbehalten waren, die nie kamen. Ich werde gebeten in einer kleinen verhörsähnlichen Kammer Platz zu nehmen. Ein Tisch, vier Sessel, weiße Wände und ein Klimt-Nachdruck.
Endlich bin ich allein.
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19.09.2006 - 19:34 Uhr
Leben_leben_lassen
und wie ist es gelaufen?