14.09.2006 - 19:00 Uhr

0 15 Über Twitter weiterempfehlen

„Anti-Globalisierung“ und „Hübsch geht die Welt zu Grunde“

Text: tina-pickert

Gute Idee: Das Buch „50 Vorschläge für eine gerechte Welt" von Christian Felber. Christian Felber schreibt gegen Konzernmacht und Kapitalismus. Durch sein Buch zieht sich eine These wie ein roter Faden: Die Globalisierung ist dafür verantwortlich, dass auf der Welt vieles falsch läuft. So kritisiert er die Ideologie der Standortkonkurrenz und die Vernachlässigung öffentlicher Entwicklungszusammenarbeit. Seiner Meinung nach soll sich der Staat regulierend einmischen, denn von alleine wollen die Konzerne nur ihren Gewinn maximieren und werden keine Rücksicht auf andere Länder und arme Menschen nehmen. Er plädiert für fairen Handel und erklärt, dass ökonomische Subsidiarität, also das Produzieren vor Ort, sinnvoll ist.
Positiv fällt auf, dass Felber Alternativen und konkrete Lösungsvorschläge für die von ihm beschriebenen Probleme aufzeigt. Er fordert die Erziehung von Kindern nicht auf Eigennutz auszurichten, sondern Solidarität und den Olympischen Gedanken „Dabei sein ist alles“, hochzuhalten. Zudem entwickelt er die Gerechtigkeitsformal 20-10, die nur vom Namen an die Agenda 2010 erinnert. Dabei sollen die Spitzeneinkommen nicht mehr als das Zwanzigfache der Mindestlöhne betragen und niemand soll mehr als zehn Millionen Euro Privatvermögen anhäufen dürfen. Auch wenn man Felbers Buch nicht in jedem Punkt zustimmen wird, ist es eine gute Anregung, um sich die negativen Seiten der Globalisierung vor Augen zu halten. Schlechte Idee: Das Buch 50 Fakten, die die Welt verändern sollten“ von Jessica Williams. In ihrem Vorwort meint Jessica Williams, dass die 50 Fakten ihres Buches unser Denken und die Welt verändern können. Auch glaubt sie, dass man diese 50 Tatsachen unbedingt wissen muss. Zwar zählt sie wirklich wichtige Fakten, wie „ In über 150 Ländern wird gefoltert“, oder „Jedes Jahr werden 120.000 Frauen und Mädchen nach Westeuropa verkauft“, auf. Jedoch fragt man sich bei dem Buch schnell, wie die 50 Fakten ausgewählt wurden. Denn sie wirft weniger wichtige Themen, wie die „In Brasilien gibt es mehr Avon-Beraterinnen als Armeeangehörige“ oder „Über ein Drittel aller Amerikaner glaubt schon mal einen Außerirdischen gesehen zu haben“, mit Tatsachen wie Folter, Sklaven, HIV, Kinderarbeit, Unfalltode und Kriegsopfer zusammen in einen Topf.
Eine Antwort auf die Frage, wie die Avon-Beraterinnen die Welt veränderen bleibt sie uns jedoch schuldig. Auf den fünfeinhalb Seiten des Kapitels über die Avon-Beraterinnen lernt man lediglich, dass den Brasilianern und Brasilianerinnen das „Aufrüschen“ wichtiger ist als dem Rest der Welt und dass sie lieber im eigenen Heim und von Beratern Hygieneprodukte und Kosmetik kaufen. Insgesamt ist das Buch informativ und die Tatsachen sind gut recherchiert. Jedoch könnte man auf manche Fakten verzichten. „50 Vorschläge für eine gerechte Welt“ von Christian Felber, 334 Seiten, 19,90 Euro. Erschienen im Zsolnay Verlag. „50 Fakten, die die Welt verändern sollten“ von Jessica Williams, 446 Seiten, 8,95 Euro. Erschienen im Goldmann Verlag.


Neue Magazin-Texte:

Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!

Textoptionen
Mehr Texte von
tina-pickert
Mehr Texte zum Label
Ideen
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
15 Kommentare

speichern

Alle Kommentare anzeigen

sesamsemmel
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

14.09.2006 - 19:34 Uhr
sesamsemmel

also, das erstere buch hol ich mir morgen.

delaydackel
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

14.09.2006 - 19:56 Uhr
delaydackel

das erste klingt intersssant, ja. gute idee auf jeden fall.

ribon
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

1

14.09.2006 - 20:02 Uhr
ribon

buch 1: leider ganz schlechte ideen.
(beziehe mich auf die oben genannten auszüge)

nur mal eins:
nur in einer kapitalistischen und pluralistischen gesellschaft wie unserer ist es möglich, daß das erste buch überhaupt verkauft werden kann/ darf.

in einer antikapitalistischen und totalitären weltgesellschaft (einer die es benötigte um die restriktiven vorschläge des autors letztlich konsequent durchzusetzen) wäre ein buch über die schattenseiten der kollektiv- oder planwirtschaft schlicht verboten.

(zum nachprüfen: jüngere geschichte.)

donnaleone
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

15.09.2006 - 08:58 Uhr
donnaleone

ok, sinnvoller ist die lektüre des aktuellen spiegelartikels zum thema asien und europa. diese gequake von globalisierung ist unerträglich. asien wird europa einfach wirtschaftlich platt machen.

OhDaeSu
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

15.09.2006 - 11:51 Uhr
OhDaeSu

@ ribon: nur weil es die jüngere geschichte falsch gemacht hat heißt es nicht, dass es immer falsch ist.

@ donna: das sehe ich auch so

nicofuertig
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

15.09.2006 - 12:35 Uhr
nicofuertig

zu christian felbers 50 vorschlägen für eine gerechtere welt: warum unterliegt so ein gutes buch eigentlich der macht des marktes und kostet einfach mal 20€, hätte man das nicht mal direkt als taschenbuch rausbringen können ?

ribon
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

15.09.2006 - 13:49 Uhr
ribon

@nico:
weil der verlag/ bzw auch der autor mehr erlös aus einem hardcover erziehlt als aus einem taschenbuch. das ist normale verlagspraxis.
aber sicherlich wird der autor, wenn erst mal 20 mal so viel verdient wie die hugendubelkassiererin sein überschüssiges geld jedem buchkäufer mit zur widmung beilegen.

d-lebowski
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

15.09.2006 - 13:50 Uhr
d-lebowski

Christan Felber hat auch 25 Gründe gegen das Privatauto gesammelt.

________________________________________________________
Liebe jetzt.de Redaktion,
1. weshalb muss der Nutzer immer erst eine Kurzrecherche über die
Autoren tätigen um weitere Hintergrundinformationen zu erlangen?
2. Wieso ist ein Buch gegen Konzernmacht und Kapitalismus per se
eine gute Idee? Überwiegen die negativen Seiten der Globalisierung?
3. Wieso wird ein Buch empfohlen in dem ein hoch regulativer Staat
den Sozialneid überwacht und ein Privatvermögen von mehr als zehn Millionen Euro verbietet? Eine völlig willkürliche Größe.

ribon
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

15.09.2006 - 14:26 Uhr
ribon

@d-leb: du bist zu streng.
jetzt ist pop.
und pop liebt posen.
und deshalb ist das empfohlene buch GENAU das richtige jetzt-produkt !
wem neben seiner studentischen altbau-wg-indienurlaub-britpop-bio noch eine portion politische correctness zum eigendesign fehlt, der wird das buch mit handclaps kaufen, und sich über mangelnde substanz nicht beschweren. die pose stimmt.
bei nächster gelegenheit (vielleicht im atomic cafe beim 3. gin-tonic (à 8 euro)) wird er seinem gesprächspartner vom kauf des buches erzählen und glücklich sein.
der kapitalismus machts möglich.
:-)

Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

15.09.2006 - 14:51 Uhr
ribon

nachtrag: das war kein diss gegen die pose an sich.
posen sind super.

Weiter Seite 1 2

Alle Kommentare anzeigen


Speichern

Jetzt-Mitglied

tina-pickert offline

tina-pickert

ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.