Tage
Text: KleinOrangenmaedchen
Blau ist der Himmel, weißblau, und wenn man an Wald denkt, riecht es nach Herbst. Ich mag den Herbst. Ich mag es, wenn ich im Pullover und mit Schal rumlaufen kann und die bunten Blätter durch die frische Luft fliegen, wie der Wind mit ihnen spielt. Und wenn es an vielen Tagen regnet und es so schön plitschplatscht, wenn ein Auto durch die nasse Straße fährt und man sitzt drinnen mit dem warmen Tee in der Hand und es riecht gut, es riecht warm, wenn es gemütlich ist. Und man backt Waffeln und streut Puderzucker drauf und kuschelt sich aufs Sofa und schaut alte Filme an, bei denen es knistert. Und neue. Bunte Filme, der Raum von Kerzenlicht beleuchtet. Und dann bist du bei mir, wenn ich daran denke. Du und der Herbst.
Manchmal beobachte ich den Himmel und denke an den Herbst und fühle mich alleine. Ich schwebe mit meinen Gedanken davon, weil sie mich nicht hören wollen, nicht sehen. Sie gehen an mir vorbei und ich könnte ihnen mit dem Zeigefinger die tollsten Wolken zeigen, wie sie Geschichten in das Blau malen, und sie würden lachen, lachen, nicht lächeln und weitergehen, zu den anderen. Du würdest bei mir stehen bleiben. Wir würden den Herbst beobachten und den Winter, den Sommer, den Frühling riechen und unsere Nasen an der Scheibe platt drücken. Wollen wir uns bunte Socken stricken, wenn es bald kalt wird, wollen wir?
Manchmal läuft eine neben mir, lacht neben mir, redet mit mir. Aber redet sie wirklich mit mir? Ich würde ihr 101 Versuche geben, würde sie erraten, an was ich in dem Moment denke? Worte springen aus ihrem Mund. Aber sie suchen nicht den Weg zu mir. Vielleicht laufen sie weg.
Ich lache. Fühle mich alleine. Aber vielleicht sind sie es noch mehr. Sie lachen alle zusammen und treffen sich und reden über ihr tolles Leben. Über gestern. Über heute. Über morgen. Und der Moment? Über den würden wir reden. Ich kann mir vorstellen, du wärst dann da und wie deine Stimme klingt, wenn du mich verstehst. Ich lächle.
Würden sie es merken, wenn ich meine Stimme verstelle?
Manchmal wünschte ich, sie müssten alleine durch die Gegend laufen und einen Platz finden zwischen ihnen. Aber dann, dann will ich gar nicht so sein wie sie. Ich will nicht tauschen. Vielleicht, vielleicht gibt es auch eine, die meine Schrift lesen kann, die meine Stimme erkennt unter denen der vielen anderen. Vielleicht. Bestimmt?
Ich stelle mir vor, wie du lächelst und wie wir zusammen einen Kuchen backen und durch den Herbst spazieren. Ich weiß, du bist da. Du bist da.
Ich mag es so, wie ich bin. Mich manchmal in Geschichten tauchen und in ihnen schwimmen. UnterWasser. Mit dir. Schreiben wir eine Geschichte, schreiben wir sie?
Ich brauch sie nicht, die vielen „Freunde“, um so viele Worte über die Oberfläche zu verlieren. Ich sammele Worte und erzähl dir dann von ihnen, ja? Machst du mit?
Und vielleicht, vielleicht gibt es sie ja.
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05.09.2006 - 15:38 Uhr
his_lady
Aber bei 25° kann ich mich noch nicht an den Herbst erinnern.....;-)