29.08.2006 - 17:31 Uhr

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(Emma & Jonas) 2. Stock

Text: emosozialprodukt

Wenn Emma allein ist und nicht allein sein will, geht sie raus. Mit kleinen Schritten die Treppe hinunter, schwerfällig den Arm mit dem Schlüssel in der Hand daran noch einmal an den Briefkasten gehoben, es könnte ja doch jemand geschrieben haben. Die Kniestrümpfe strafft sie noch einmal, bevor sie auf die Straße tritt mit dem Wind im Gesicht. Zuhause würde dieser alles durcheinander bringen. “Komm mit”, sagt die Hand an ihrem Ohr. Wenn Jonas allein ist und nicht allein sein will, macht er das Fenster auf. Die Rechtecke auf der anderen Straßenseite werden dann zu seinem Bildschirm. Selten gewordene Echzeitkommunikation. Das Leben anderer stückelt sich ihm vor den Augen zurecht, den Schmerz in den Ellbogen merkt er nach einer halben Stunde nicht mehr. Jonas schläft ohne Kissen. Er hört das Baby schreien, das die Nachbarin seit Stunden durch das Zimmer trägt. “Schlaf ein”, flüstert sie. Emma lässt die anderen Menschen die Richtung entscheiden, in die sie geht. Kommt gerade jemand vorbei, läuft sie dem hinterher. Igrendwann wechselt sie das Ziel und verfolgt langsam und samt Augen und Füßen jemand anderen. Es ist egal, wo sie landet. Die Stadt ist zwar groß, aber zu Fuß laufen die meisten nicht weit. Nach ein paar Minuten verschwinden die meisten in Hauseingängen oder bleiben an irgendeiner Station stehen. “Nimm mich mit”, singt jemand auf der Kassette.
Jonas hat dieses Mädchen schon ein paar Mal gesehen. Sie läuft, sie trägt Beutel und sie scheint immer zu wissen, wo sie hin will. Manchmal läuft sie ein paar Mal in kürzester Zeit durch seine Straße. Wenn sie läuft, ist sie immer allein. Und sie blickt nicht auf. Und Jonas duckt sich immer, obwohl er weiß, dass sie ihren Kopf nicht dreht. Obwohl er weiß, dass sie ihn wahrscheinlich gar nicht sehen würde. “Schau mich an”, schreit das Plakat an der Ecke. Die andere Straßenseite gefällt ihr nicht. Dort ist der Spätverkauf, vor dem die Männer sitzen, die nicht nach Hause wollen. Dort ist die Musikschule, in der die Kinder nie die Töne treffen. Dort sind zwei drei leere Läden, in deren Scheiben sie sich zu sehr spiegelt. Als könne man einfach hindurchgehen. Auf der anderen Seite stehen mehr Bäume und es gibt Eis. Das eine Schild meint: Einbahnstraße. Er hört auf, wenn es kalt wird. Die Geschichten an der Hauswand gegenüber setzen sich fort, Tag für Tag. Jonas lässt sie herein, wenn er allein ist. Das Baby kann mittlerweile laufen. Neulich ging das Mädchen, das immer friert, hinter ihm her. Sie kam aus dem Takt, Kindergang ist unberechenbarer und es war das einzige Mal, das sie innehielt und nach oben sah. Jonas hat das nicht bemerkt, er stand im Bad und cremte sich die Ellbogen. Ich bin nicht da, stand auf dem Zettel neben der Tür.


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1 Kommentar

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OliveGuete
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Mag ich Mag ich nicht

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29.08.2006 - 17:47 Uhr
OliveGuete

sehr schön!

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