Der Abschied aus Madrid oder: die schleichende Verwandlung vom Spazier- zum Müßiggänger
Beliebtestes Ziel ist bei deutschen Teilnehmern des Erasmus-Programms immer noch Spanien, jeder fünfte schlägt seine Zelte im Land der Siestas und Fiestas auf. philipp-braun hat jetzt seine Zelte abgebrochen und macht sich in der letzten Folge seiner Kolumne Gedanken über den Unterschied zwischen spanischer Muße und Lethargie, lässt sich nebenbei die deutsche Staatsbürgerschaft aberkennen und hält, großes Ende, eine Eloge auf: Madrid.
Meine Verwandlung in einen Spanier hat sich schleichend vollzogen. An meinem letzten Wochenende in Madrid spielte sich nachmittags in meinem Bett folgender Dialog mit einem mir bis dahin unbekannten Bettgefährten ab: Felipe: „Philipp, du bist kein Deutscher mehr!“ Philipp: „Nach nur neun Monaten? Wie ist das denn möglich?“ Felipe: „Naja, du warst einfach zu lange hier, du hast dich merklich verändert. Du läufst langsamer als früher, du regst dich nur noch in Ausnahmefällen auf, du zelebrierst förmlich die Siesta!“ Philipp: „Lass die albernen Klischees!“ Felipe: „Steh doch auf, wenn du Deutscher bist!“ Ich blieb liegen. Ich verkraftete, dass mir mein spanisches Über-Ich die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannte und döste zufrieden weiter. „Im Übrigen missverstehst Du die spanische Muße als Lethargie!“ rief Felipe mir noch zu. Lethargisch, ich?! Nie und nimmer. Ich habe mir lediglich während der Monate in Spanien angewöhnt, das Leben zu genießen und mir Zeit zu nehmen. Für Gespräche mit Leuten auf der Straße, für den Müßiggang an sich und für das langsame Gehen. Die spanische Art der Fortbewegung ist ein gekonnter Mittelweg zwischen Schlendern und Stehenbleiben. „Gehst du noch oder stehst du schon?!“ geht mir mittlerweile manchmal durch den Kopf, wenn ich in Madrid unterwegs bin.
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bei mir war das der augenblick, in dem ich das erste mal überholt wurde, als ich durch madrids straßen schlenderte.
und letzte woche habe ich dann meinen flug nach barcelona sausen lassen, wo ich den sommer verbringen wollte - trotz dem lockenden meer, trotz der hitze hier,... aber so ist das wohl, wenn man verliebt ist.
und das schöne an so einer stadt-liebe ist das fehlen jeglicher eifersucht auf die nebenbuhler.
also, liebe grüße aus lavapies y que vayamos a volver!
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25.07.2006 - 20:42 Uhr
Pinckelbecken