06.07.2006 - 17:40 Uhr

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banalité toujours.

Text: moi_judita

Ich stolpere durch Straßen, die nicht mehr feiern wollen. Habe die leere Salatschüssel unter den Arm geklemmt und die Schuhe in der Hand, weil ich nicht mehr laufen kann in ihnen. Es waren zu viele Kilometer in den letzten vier Tagen. Kilometer, die sich über schlammige Festivalwiesen und asphaltschmelzende Straßen erstreckten, über Flaschenscherbenplätze vor Großbildleinwänden und staubige Kieswege zwischen verschmorten Grünanlagen. Die Straßenlampen tauchen die Vorfreude vom Nachmittag, die überall noch bunt aus den Fenstern hängt, in höhnisches Licht, strahlen die eben erst geborene Enttäuschung an und lassen die Tränen aufblitzen. Alles was bleibt ist Trivialität. Ein kühler Hausflur und das Geräusch von nackten Füßen auf Holztreppen und ich bin wieder da, wo ich vor hundertzwanzig Minuten schon war. Genauso müde und illusionsfrei wie all die Millionen da draußen nun auch endlich wieder sind. Drei Wochen Träume versus einundzwanzig Tage Einsamkeit. Ich habe gewonnen und feiere den Sieg allein. Eine Flasche Wein und eine alte CD mit Sprung an der falschen Stelle. Ein bedeutungsloser Song stottert da und drückt nichts von dem aus, was wir waren. Aber mehr ist nicht von ihm geblieben. Nur das und das Flackern des Bildschirms wenn mal wieder ein paar nüchterne Buchstaben und alberne Smilies seine Existenz beweisen und mein Leben zum Trümmerfeld der verpassten Gelegenheiten machen. Die Stunden tropfen dahin und ich muss aufpassen, dass sie die vorsichtig in Styropor verpackten Momente nicht auflösen. Bettkantengespräche vor Tagesanbruch, betrunkene Umarmungen vor sehr kleinen Bühnen, hitzige Diskussionen an Supermarkttiefkühltruhen, Wuttränen und Trostworte zwischen frischgestrichenen Rauhfasertapeten. Diese Kleinigkeiten, die sich jeder wünscht, jeder bekommt, jeder kennt und jeder wieder verliert. Diese Kleinigkeiten, die trotzdem nur uns gehörten. Und die er mitgenommen hat, in seinem Umzugswagen Richtung Süden, irgendwo eingequetscht zwischen Bücherregalen und Zimmerpflanzen. Nur zwei sind geblieben: ein großes leeres Zimmer mit weißen Rauhfasertapeten und meine einundzwanzig Tage Einsamkeit. Die Zeit tropft weiter, draußen hupen Autos, endlich ein kühler Luftzug durchs geöffnete Fenster. Die leere Flasche Wein kippt um und rollt unters Bett zu den Staubflocken, die CD stottert wieder, schon zum vierten Mal in dieser Nacht. Alle Banalitäten haben sich schlafen gelegt, der Alltag traut sich aus seinem Versteck und kriecht heimlich wieder in die Stadt zurück. Einundzwanzig Tage ohne ihn und morgen wieder siebenhundertfünfunddreißig sterile Wörter, vielleicht ein paar mehr, vielleicht ein paar weniger, aber nie genug und immer die falschen. Und das Warten und Bangen und Hoffen und Hassen wird vorbei sein. Irgendwann. Ein letzter Jubelschrei da draußen in der erschöpften Stadt, vielleicht eine letzte Träne. Die Anlage ist aus und hat zum letzten Mal den letzten Song auf der CD gespielt.


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4 Kommentare

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MissMoore
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Mag ich Mag ich nicht

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06.07.2006 - 18:25 Uhr
MissMoore

du kannst toll schreiben...und dieses warten kenn ich nur zu gut
*
grüße

Kalef
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.07.2006 - 00:20 Uhr
Kalef

Da hat MissMoore absolut recht.

Teo_Meinich
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Mag ich Mag ich nicht

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07.07.2006 - 12:27 Uhr
Teo_Meinich

super Text!

Lisa79
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.07.2006 - 21:02 Uhr
Lisa79

Du bist nicht allein. Ich kenne das Gefühl. Gib bloss nicht deine Träume auf. Die kleinen Momente, die so groß sein können, werden wiederkommen, du musst nur daran glauben.


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