Der professionalisierte Protest: Was vom Kampf gegen Studiengebühren bleiben wird
Am Donnerstag treffen sich in Frankfurt am Main Tausende von Studenten aus dem ganzen Bundesgebiet zu einer Demonstration gegen Studiengebühren. Es könnte der große Schlusspunkt einer Demonstrationswelle sein, die seit einigen Monaten durch das Land rollt, denn: Der Widerstand der Studenten kommt sehr wahrscheinlich zu spät. Bereits Anfang des vergangenen Jahres hatte das Bundesverfassungsgericht das Gebührenverbot aufgehoben. Viele Bundesländer haben die Gebühren bereits beschlossen. Und bedenkt man, dass bald an allen Hochschulen das Sommersemester endet, spricht viel dafür, dass dieser 6. Juli 2006 der Tag ist, an dem das Protestfeuer noch einmal sehr hoch lodert – um dann zu verlöschen.
- Gekommen, um zu gehen 27.02.2012
- Warum ich protestiere 13.02.2012
- Trostlose Helden: Bayern- vs. Kettcar-Fans im Club 27.01.2012
- Kater, Nuss und Mandelkern 23.12.2011
- Darf ich kurz stören? 08.12.2011
Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!
Alle Kommentare anzeigen
in deutschland ist das so: in deutschland, da warten die bürger, bis sie sich körperlich am ende fühlen - und dann schlagen sie zu - gegen jeden und alles.
05.07.2006 - 23:09 Uhr
schuldigimsinnederver…
in deutschland ist das so: in deutschland, da warten die bürger, bis sie sich körperlich am ende fühlen - und dann schlagen sie zu - gegen jeden und alles.
es ist doch so, dass jede studierendengeneration ihre
eigenen protest-professionalisierungserfahrungen macht. nur um
die inhalte geht es nicht wirklich, jedenfalls nicht nachhaltig.
das überläßt man dann doch lieber der politik oder wahlweise
den ideologen unter den studierenden - also den profis - oder
einem diffusen bauchgefühl.
raus kommt am ende gar nichts. alle, die sich heute über die
gebühren beschweren, muss ich leider fragen, wo sie damals
waren und warum sie diesen leuten das feld überlassen haben ?
Ich bin mir sicher, dass es viele bürgerliche / liberale Studenten gibt, die Gründe haben, gegen die Studiengebühren zu protestieren.
Sogar die Junge Union Hessen lehnt den Gesetzesentwurf für tudiengebühren inm Herssen ab.
Wenn der Protest so breit ist, kann kein Roland Koch mehr mit dem Begriff der ewig gestrigen linken Berufsprotestierer argumentieren.
Da bin ich mal gespannt wie es hier in Frankfurt dann aussieht. Zumal die WM dann vorbei ist, und AUfmerksamkeit erhaschen nochmal schwieriger wird.
Das ist nun wirklich falsch, mr_mulilo. Wer in diesen Tagen Hessenschau, die hessische Tagesschau, guckt, sieht an erster Stelle einen grenzdebilen "Wir-sind-doofe Hessen-und-besaufen-uns-bei-der-WM"-Bericht aus Frankfurt, gleich danach den Beitrag über die neueste Demo und Ministeriumsbesetzung.
Logisch ist, dass nach der WM die Protestberichte auf Platz 1 rücken würden.
Nur fragt sich, wer in den Ferien demonstrieren geht. Der anständige Bürgerstudent widmet sich seiner Familie und seinen Hausarbeiten oder fliegt in weite, warme Länder.
Alle Kommentare anzeigen








0
05.07.2006 - 21:53 Uhr
Lotterlaura
ich glaube nicht, dass der protest nach der demo morgen in frankfurt abklingen wird. semesterferien bieten sich zum demonstrieren im grunde sogar an, denn wie sagt man uns ständig " semesterferien sind nur vorlesungsfreie zeit". nicht alle fahren dann für 11 wochen nach hause zu mama und papa und tun so, als wäre das studentenleben nur zweimal im jahr vorhanden, eine zeit, in der man nicht immer zu hause ist, sondern an einem anderen ort hausen muss. viele leben in dem studienort ihres vertrauens und werden sich dort meiner meinung nach auch in den ferien einsetzen.
sicherlich, der protest kommt spät. aber besser als nie.
das deutsche volk ist meiner auffassung nach ziemlich eingeschlafen. es wird irgendwas beschlossen, alle murren und sind schlecht gelaunt, aber gewehrt wird sich nicht.
was mich definitiv sehr verwundert ist, dass die proteste von hessen abgesehen recht minimal ausfallen. eine bekannte aus würzburg erzählt von einem stillen trauerzug, das wars.
hier finden ständig demos statt, sicherlich fallen sie teilweise etwas kleiner aus, trotzdem sind die straßen blockiert und die polizei hat alle hände voll zu tun.
ob man an dem gesetz noch etwas verhindern kann, ist wahrhaftig fraglich. aber immerhin sagt mal jemand laut seine meinung und lässt sich nicht alles gefallen, was vorgesetzt wird.
ich bin gespannt, wie das alles weiter geht.
wird die spd tatsächlich im falle eines wahlsieges die gebühren binnen 100 tagen wieder abschaffen? tolles wahlkampfthema. genug wahlberechtigte studenten gibt es in hessen ja. kann die spd es sich überhaupt leisten, so etwas zu behaupten und dann nicht durchzusetzen?
wie stellt sich herr koch sozialverträgliche gebühren ohne ein funktionierendes stipendiensystem vor, mit hochbezinsten krediten?
sollen wir ausweichen auf ausbildungsplätze, von denen es schon jetzt zu wenige gibt?
geht die argumentation auf, dass es auch geld kostet seinen meister zu machen, wenn man in der ausbildung zuvor noch zu hause gewohnt hat, schon gehalt bekommen hat...und ich schon jetzt monatlich gut 700 euro an lebensunterhaltungskosten bestreite? soll ich noch mehr neben dem studium arbeiten, um eventuell in den genuss der langzeitstudiengebühren zu kommen?
was ist mit den präsidenten der hessischen hochschulen, die sich ja tatsächlich zu einem großteil gegen studiengebühren ausgesprochen haben? ich bin gegen studiengebühren, aber wenn es so ein schönes gesetz gibt, dann erheb ich sie halt trotzdem an meiner hochschule? hä?
für mich gibt es da einige erhebliche lücken, die mich einfach nur den kopf schütteln lassen über die bildung in diesem land.
humankapital ist so wichtig und wie schade ist es, wenn sich einige schlaue köpfe nicht trauen eine verschuldung zusätzlich zum bafög auf sich zu nehmen?
da hängt einiges schief und langsam aber sicher wird das zumindest den studenten in hessen bewusst.
und der "summer of resistance" ist sicher noch nicht vorbei und gegen einen "winter of resistance" hat hier sicher auch niemand etwas einzuwenden sofern sich nicht einige dinge grundlegend ändern.
tataa, das wort zum mittwoch.