I LOVE BROKEN
Das ist nicht mein Ding, etwas von dem ich mit Fug und Recht behaupten kann: Das kann ich nicht. Eltern, ich besuche keine Eltern. Ich treffe sie einfach nicht. Vor Julians Eltern habe ich mich sogar unter einem Tisch versteckt. Aber gut, es waren die letzten Tage, dann traf er die Entscheidung, denn alles ist gut. Schlimmer noch, es sind nicht nur Eltern, es sind Eltern in einer Kleinstadt. Ich vertrage mich nicht mit ihnen. Schon jetzt bin ich davon gerannt, nach einem Tag und einer Nacht. ‚Hallo ich bin die Schwuchtel die ihren sonst so lieben Jungen vögelt und weil er es ihnen heute sagen wollte bin ich halt mitgekommen weil nichts im Fernsehen lief‘, dachte ich und sagte ‚schön haben sie es hier‘ Jetzt sitze ich in einem kleinen Café und lese ein Buch das ich mir gekaufte habe weil mir das Cover gefiel. Und weil Erdbeere mit seinen Eltern redet und sich erklärt habe ich auch die Zeit zu lesen, oder so zu tun, weil ich eigentlich nur in die Straßen schaue. Für eine Stadt dieser größer ist sie überdurchschnittlich mit verrückten bevölkert, die in laute Selbstgespräche vertieft die Straßen entlang schlendern. Das Stadtbild passt dazu rein gar nicht. Hier wo kein Haus zum anderen passt und alles schief gebaut ist. Wo es entweder Berg auf oder Berg ab geht aber niemals einfach gradeaus. So sitze ich da, vertue meine Zeit mit Kaffee und Zigaretten und fühle mich wie ein Dandy, weil meine Schuhe zum T Shirt passen und ich keine Dreads habe und sowieso nichts tragen würde was man in einem Afrika Fair Trade Laden kaufen könnte. Als mein Telefon klingelt winke ich die 60 jährige Kellnerin heran und bezahle während ich telefoniere. Und weil der Kaffee hier so billig ist gebe ich zuviel Trinkgeld und beschließe mir Dandy auf die Finger tätowieren zu lassen. Die Nächte hier sind blauer. Sie ziehen sich über die Dächer, durch die leeren Straßen, durch die auch keiner mehr gehen mag. Ich kann nicht glauben, dass ich am Fenster rauchen muss. Erdbeeres Freunde mögen mich wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich weil ich nach Becks fragte, da mir das Bier das im Kühlschrank lag, und von dem ich vorher noch nie gehört hatte, nicht schmeckte. Bierpisse eben, wie Alt oder Kölsch nur noch schlimmer. Ich studierte das Etikett und hoffte den Vermerk ‚von glücklichen Brauern‘ zu finden. Erdbeere wird von seinen Freunden in Beschlag genommen. Ich weiß nicht wann ich das letzte Mal gefragt wurde wie wir beide es wohl treiben, wie es denn geht. Ich habe es vermieden zu erwähnen, dass ich in einem schwulen Pornoladen arbeite. I hate being the public pervert. Also schaute ich mich um, in der Wohnung. Halb eingeräumt. Tische und Stühle stehen eher zufällig im Raum und Spinnweben überall. Um dem Vergessen eine Form zu geben, damit es greifbar wird und verständlich für alle die nur zu Besuch kommen und am ende der drei Tage zurück kehren in die sicheren Straßen der Großstadt in denen das Leben vom Stadtzentrum wie von einem Herzen in die asphaltierten Adern der Metropole gepumpt wird. Meine trüben Gedanken werden zerrissen als ich angesprochen werde. „Willste mir eine Zigarette geben?“ Das Mädchen ist klein, winzig und ihre Augen werden von ihrem Pony fast vollständig verdeckt. Ich reiche ihr eine Zigarette und gebe ihr Feuer. „Cosmo nicht wahr? Du bist hübsch, wirklich. Ich kann ihn verstehen. Was solls, ich war verliebt in ihn.“ „Sehr?“ „Wahnsinnig.“ „Das tut mir leid.“ „Ach, es ist ja nicht deine Schuld. Und vielleicht kann es ja noch nett werden?“ „Wie nett?“ „Schon mal einen Dreier gehabt? Ich meine, Ok ihr seid schwul, ich habs kapiert, aber irgendwie macht mich der Gedanke an euch beide ficken zu sehen.“ „Bitte?“ „Nein, nein voll im Ernst, würdet ihr so etwas machen?“ „Wer bist denn du?“ „Dana, hi!“ „Hi!“ „Und was sagst du dazu?“ „Ähm, nun ja, eher nicht aber ich kann dir einen schwulen Porno schicken wenn du darauf stehst.“ „Du kommst an sowas ran?“ „Ja, ich, ich meine ich arbeite in einem schwulen Pornoladen.“ „Bua, sowas gibt s ? Ist ja ekelig.“ Und sie wirft ihre Zigarette aus dem Fenster und verlässt den Raum ohne noch einmal in meine Richtung zu schauen. Ich beschließe nicht wieder zu den anderen Menschen zu gehen und rüttle an der Regenrinne um zu testen ob sie mein Gewicht hält. Vielleicht erinnere ich mich auch noch an den Weg und ich müsste nur klingeln und es ist auch erst halb zwei, Eltern kennen sowas und es ist eh schon zu spät um einen guten Eindruck zu machen. Erdbeere kommt in den Raum als mein eines Bein bereits aus dem Fenster reicht. „Bist du verrückt?“ „Ähm, nein, warum?“ „Nun ja, du versuchst aus dem dritten Stock zu klettern.“ „Und?“ „Alles in Ordnung?“ „Nein gar nicht, ich vermisse Porno und normale Menschen und meine Lilienlichterkette und rauchen im Zimmer bis die Wände gelb sind.“ „Ok, das ist verrückt. Meine Güte was ist denn nur los mit dir, die Landluft scheint dir nicht zu bekommen.“ Nein, in der Tat, nein. Ich und die Landluft, wir vertragen uns nicht.- Aber 16.07.2007
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[In der Zeit schrieb diese Woche ein Lingiust, daß wir alle in wenigen Jahrzehnten die heute schon in den Großstädten übliche Kiezsprache à la "ich geh Schule" übernommen und als Hochsprache akzeptiert haben werden.
Wer wollte sich da noch über Deine nicht vorhandene Orthographie aufregen.]
aber: heute gehts auch ohne und unterwegs bin ich täglich mit dem rad.
täglich eine geschichte von dir: das wäre schön.
danke.
vor allem der letzte satz gefaellt mir sehr.
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02.07.2006 - 11:17 Uhr
torra
lerne kommastzung. es wäre durchweg angenehmer zu lesen. wär ja auch schade um die schönen texte...