02.07.2006 - 19:00 Uhr

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"Verdammt gute Texte" Slut haben sich an Brechts "Dreigroschenoper" gewagt

Text: uli-karg

Popmusik in Theaterhäusern hat sich als Ereignis kalkulierter Ungewöhnlichkeit spätestens etabliert, seit die Toten Hosen im September zum Unplugged-Konzert ins Wiener Burgtheater baten. Nun haben die oberbayerischen Indie-Schrammler Slut das Rad weitergedreht und in einer Inszenierung von Bertolt Brechts "Dreigroschenoper" am Stadttheater zu Ingolstadt mit ihren Interpretationen der Kurt-Weill-Klassiker endgültig hochkulturelle Weihen erfahren. Wie das klingt, kann man sich jetzt auf einer CD anhören, die nicht nur aus Bescheidenheit sondern wegen handfester Urheberrechtsprobleme "Die kleine Dreigroschenoper" betitelt wurde. Mit drauf ist natürlich auch: "Die Moritat von Mackie Messer". Slut-Sänger Christian Neuburger im Gespräch mit jetzt.de:

Slut und die "Dreigroschenoper". Ist das eine zufällige Begegnung oder der Endpunkt jahrelanger Annäherung? Eindeutig ersteres. Peter Rein, der Intendant des Theaters in Ingolstadt, den wir bis dato nicht kannten, hat uns gefragt, ob wir Interesse hätten. Ob wir uns vorstellen könnten, die Musik jeden Abend live zu spielen und dazu noch schauspielerisch tätig zu werden. Nach zwei Wochen des Überlegens haben wir zugesagt.
Slut nehmen die Dreigroschenoper auf Was war des Intendanten Motivation? Nun, nichts Verwerfliches. (lacht) Er wollte junge Leute ins Theater locken. Was ihm auch gelungen ist. Neben dem Abonnentenpublikum war alles eher bunt gemischt. Hattet ihr jemals Bedenken, Euch dieses Stoffs zu bemächtigen? Bert Brecht thront ja doch ein bisschen höher. Wir hatten keine Angst, uns des Stoffs zu bemächtigen und etwas daraus zu machen. Mit den Reaktionen konnten wir nicht kalkulieren. Da gab's anfänglich schon ein flaues Gefühl in der Magengegend. Aber nach dem zweiten und dritten Lied, das wir geprobt haben, waren wir überzeugt, dass sich die Lieder schon ein wenig nach uns anhören.
Ließ sich das Publikum bisher auch überzeugen? Kann man so sagen. Im März waren wir wieder einmal Vorgruppe von Placebo. In Berlin haben wir dabei nur unsere Lieder aus der Dreigroschenoper gespielt und die Stücke sind überragend beim Publikum angekommen. Wir werden deshalb bei unserer nächsten eigenen Tour immer wieder mal ein Lied einstreuen. Dass auf dem Album dennoch nur fünf Stücke drauf sind, ist ja aber nicht dem Titel geschuldet? Da gibt es rechtliche Probleme. Es war schon ein Wunder, dass wir diese 22 Vorstellungen spielen durften. Da hätte auch mal jemand vorbeikommen können und sagen: So wollen wir das nicht. Der Grund ist, dass die Urheberrechte an der ursprünglichen Version erst in 14 Jahren erlöschen. Das ist alles verzwickt. Wir dachten, dass es bei uns kein Problem gibt, weil wir die Musik entkoppelt vom Theaterstück aufgenommen haben und eventuell noch unter dem Oberbegriff "Coverversion" rangieren könnten. Auch haben wir rechtzeitig die Anfrage an den betreffenden Verlag gestellt und es kam nichts zurück ­ was ein gutes Zeichen ist. Doch kurz vor der geplanten Veröffentlichung flatterte eine Unterlassungserklärung ins Haus, wonach wir nicht mehr als fünf Lieder veröffentlichen und live spielen dürfen. Ob es dabei bleibt ist Verhandlungssache. Wobei ja nicht nur bei dieser Verhandlung Gespür gefragt ist. Im ersten Finale der Dreigroschenoper heißt es: “Wer möchte nicht gern in Frieden und Eintracht leben, doch die Welt die ist nicht so." Ja, der Brecht hatte manchmal leider verdammt Recht. Als wir die Texte mit den Schauspielern einstudiert haben, dachte ich mir oft, dass dies schon so sein möge, man es aber heute nicht mehr so sagen kann. Jetzt, als ich es selbst gesungen habe, fiel mir auf, dass der Inhalt aktueller denn je ist. Ich kam mir vor wie der Sänger einer jungen deutschen Band, der es gelungen ist, verdammt gute und zeitlose Texte zu schreiben. Wird es die Aufführung auch außerhalb Ingolstadts zu sehen geben? Für den Herbst ist eine Tournee durch Deutschland geplant. Und wir wollen nur in bestuhlten Theatern spielen. "Die kleine Dreigroschenoper" von Slut ist am 30. Juni bei Virgin erschienen. Fotos: slut-music.de


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9 Kommentare

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marksu
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Mag ich Mag ich nicht

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02.07.2006 - 20:11 Uhr
marksu

bitte liebe slut's - auch in wien damit auftreten!!!! unbedingt!!!

SilverPrincessGun
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Mag ich Mag ich nicht

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03.07.2006 - 08:04 Uhr
SilverPrincessGun

ich hab sie am samstag mit der nummer gesehen und fand es etwas zu speziell...

MaynardJamesKeenan
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Mag ich Mag ich nicht

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03.07.2006 - 08:24 Uhr
MaynardJamesKeenan

Ich finds dämlich, dass es nur "Die kleine Dreigroschenoper" gibt...die sollen sich mal nicht so anstellen mit ihren Urheberrechten. Slut ist doch eine gute Möglichkeit die Lieder der Dreigroschenoper auch an Leute zu bringen, die nicht viel vom Theater halten...

butterblume
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Mag ich Mag ich nicht

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03.07.2006 - 08:35 Uhr
butterblume

ich ahb selber schonmal "die drei groschenoper" aufgeführt. war damals die polly, und würde mich sehr freuen wenns auch nach münchen kommt.

HelterSkelter
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Mag ich Mag ich nicht

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03.07.2006 - 09:51 Uhr
HelterSkelter

naja.
wahrscheinlich weckt der name der band
alleine schon kleine bedenken bei den zuständigen. :]

dennoch würds mich freuen wenn die lieder irgendwann kompletiert werden könnten.

d-lebowski
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Mag ich Mag ich nicht

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03.07.2006 - 10:38 Uhr
d-lebowski

nanu ? copy/paste in der redaktion?

-wolkenkatze-
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Mag ich Mag ich nicht

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04.07.2006 - 18:07 Uhr
-wolkenkatze-

wenn sie's halt auch wirklich endlich mal veröffentlichen würden...jetz is das auf den 14.7. verschoben worden, aber ich will keinen tag mehr warten.

Rheumakay
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Mag ich Mag ich nicht

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26.08.2006 - 02:22 Uhr
Rheumakay

Es ist so traurig, dass irgenwelche "Erben" wirklich verbieten wollen, dass die gesamten CD veröffentlicht wird. Eine bessere Werbung für Brecht und Weil kanns beim jungen Publikum gar nicht geben.
Super CD! Es war ja an sich schon ein tolles Werk von Brecht/Weil. Aber die Umsetzung ist wirklich einzigartig!

betany
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Mag ich Mag ich nicht

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19.09.2006 - 19:03 Uhr
betany

hätte das auch gern angeschaut, aber meine freunde stehen nicht auf theater und schon gleich gar nicht auf slut.


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uli-karg offline

uli-karg

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