Interview: Die Synchron-Stimmen von Leo di Caprio und Jennifer Aniston
Gerrit Schmidt-Foss und Ulrike Stürzbecher arbeiten beide in der Synchronisationsbranche. Gerrit spricht nicht nur Leonardo Di Caprio, sondern auch Giovanni Ribisi (Soldat James Ryan), Shawn Ashmore (X-Men-Trilogie), Scott Cann (Ocean`s Eleven und Twelve) und Kirk Gleason (Gilmore Girls). Ulrike synchronisiert Filme der Schauspielerinnen Kate Winslet, Jennifer Aniston und Patricia Arquette. Serienfans ist sie aus der Serie „24“ bekannt, in der wir sie mit Reiko Aylesworth verbinden. Mit jetzt.de sprachen die beiden über die Arbeit und das Leben eines Synchronsprechers
Besteht Ihr darauf, dass man euch als Synchronschauspieler bezeichnet? Ulrike: Ich finde, er klingt etwas gestelzt. Aber es ist wirklich nicht einfach, einen richtigen Ausdruck für unsere Arbeit zu finden. Es ist ein bestimmter Bereich der schauspielerischen Tätigkeit, bei dem man sprachliche Techniken beherrschen muss, außerdem muss man auch ein starkes Rhythmusgefühl haben und vor allem muss man sich in andere Persönlichkeiten reinfühlen können. Alles Faktoren, die ein Schauspieler auf der Bühne oder im Film und eben auch beim Synchron beherrschen muss. Gerrit: Einmal sagte jemand zu mir: „Du bist ja nur ein Vorleser.“ Da war ich aber ganz entspannt, denn selbst das können die wenigsten. Das ist wie in der Kunst. Wenn jemand ein guter Bildhauer ist, dann ist er noch lange kein guter Maler oder kann fotografieren oder Collagen machen. Ich kann mich Ulrike nur anschließen: Synchronisieren ist für mich ein Spezialgebiet der Schauspielerei und ich kann nur sagen, dass ich – auch ohne konventionelle Ausbildung - durch eine harte Lehre gegangen bin. Wie seid ihr zum Synchronsprechen gekommen? Gerrit: Mein älterer Bruder Dennis hatte auf ein Zeitungsinserat reagiert, ohne dass meine Eltern davon wussten: Er wollte unbedingt bei der „Rappelkiste“ mitmachen. Dem Sender gefiel sein Eigenengagement und er wurde zum Casting eingeladen und war dabei. Irgendwann schleppte er mich mit. Mit sechs Jahren fing ich beim „Ohrenbär“ an, mit sieben machte ich zum ersten Mal "Synchron" und habe den zwölfjährigen Kaiser in Bernardo Bertoluccis „Der letzte Kaiser“ gesprochen. Parallel habe ich auch viel gedreht. Am Bekanntesten war sicherlich meine Rolle als Dieter Lohse in Loriots „Papa Ante Portas“. Damals war die Verquickung von Fernsehen, Hörspiel und Synchron sehr eng. Synchron war noch keine eigenständige Industrie wie heute, so dass man gerne herumgereicht wurde. Du konntest ja gerade mal lesen. Wird beim Sprechen besondere Rücksicht auf Kinder genommen? Gerrit: Man nutzt den kindlichen Spieltrieb. Das merke ich jetzt selbst, wenn ich mit Kindern im Studio sitze: Für die ist das wie ein großer Abenteuerspielplatz. Im Prinzip war das bei mir schon so, dass ich mit den Erwachsenen ein großes Spiel gespielt habe, bei dem ich immer wieder ein paar Sachen sagen musste. Das geht heute noch etwa so: „Du bist jetzt der Sheriff und du verhaftest mich aus dem Hinterhalt.“ Dann heißt es wie aus der Pistole geschossen: „Du bist verhaftet!“ Kinder sind übrigens die besten Zuhörer und ihnen fällt ganz viel auf. Neulich fragte mich die Tochter meines Bruders: „Der Freund von Fred Feuerstein, spricht der nicht auch den Ernie?“ Die lassen sich noch nicht so stark von den Augen verführen. Ulrike: Interessant! Ich habe früher als Kind auch immer schon Stimmen erkannt.
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29.06.2006 - 12:27 Uhr
rotfront
auweiha!!!