Wohnen in Madrid oder: Im Zimmer mit einem vollbärtigen Dänen
Ein Jahr im Ausland - für viele ist das der Höhepunkt des Studiums. Beliebtestes Ziel ist bei deutschen Teilnehmern des Erasmus-Programms immer noch Spanien, jeder fünfte schlägt seine Zelte im Land der Siestas und Fiestas auf. Aber stimmen die Klischees von Dauerparty und gemütlichem Leben unter südlicher Sonne? Philipp-Braun hat es nach Madrid verschlagen. Von dort schreibt er die Wahrheit über Erasmus. Folge zwei: Philipp, der deutsche Botschafter der guten Laune, findet einen Wohnsitz und träumt von deutschen Politikern.
Im vergangenen Herbst, nach der Bundestagswahl. Kleines, dunkles Wohnzimmer einer Wohnung in Madrid. Ich liege auf dem Boden. Angela Merkel betritt pfeifend das Wohnzimmer. In der Hand ein einfacher Sandkuchen und eine Wohnungsanzeige. Merkel (voll Tatendrang): Guten Morgen, Herr Braun! Sie sind doch ‚Botschafter der guten Laune`, oder? Ich (verschlafen): Ja, man nennt mich so, aber… Merkel: Eine kleine Aufmerksamkeit der Bundesregierung für Botschafter im Ausland. Und natürlich auch weil Sie, Herr Braun, bald Geburtstag haben und ich soeben Kanzlerin geworden bin. Ich (überrascht): Vielen herzlichen Dank, Frau Bundeskanzlerin. Und: gratuliere zur neuen Stelle! Was ist denn ihre Botschaft? Merkel: Äh.., also, an der wird grade noch von unseren Parteistrategen gebastelt. Botschaft, ..., ja! Wissen Sie was, Herr Braun? Sie brauchen dringend einen Botschaftssitz! Gerade als ich Merkels Kuchen anschneiden wollte, wachte ich aus meinem Traum auf. Kurz zuvor war ich in Madrid angekommen. Seit zwei Tagen schlief ich auf dem Boden, im Wohnzimmer einer Freundin. Angela Merkel hatte Recht: Ich brauchte schleunigst eine angemessene Bleibe. Ich begann meine Suche im Internet und telefonierte mit Italienern, Französinnen oder Finnen, die mir in gebrochenstem Spanisch ihre Wohnung beschreiben wollten, worauf ich beschloss, sie mir besser einfach anzusehen. Dann entdeckte ich die Wohnungsangebote an Bäumen nahe der Universität. Auch hier ergaben sich ein paar Besichtigungstermine, auf die ich mich natürlich vorbereiten wollte.
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und warum ist das alles so offensichtlich vom Vorjahr?
08.06.2006 - 10:08 Uhr
ninja
Ich denke, der Hauptkritik-Punkt, an dem sich meine Vorschreiber ereifern, ist, dass die Rubrik "Erasmus-Kolumne" eine gewisse Erwartungshaltung erweckt, die mit dem Begriff "Kolumne verbunden ist.
"In der Presse steht der Begriff vor allem für eine journalistische Form, einen kurzen Meinungsbeitrag, der sich über nicht mehr als eine Zeitungsspalte erstreckt. Diese Kolumnen erscheinen meist regelmäßig an gleicher Stelle mit gleichem Titel, wie das „Streiflicht“ der Süddeutschen Zeitung oder als Namenskolumne eines einzelnen Autors." (Wikipedia)
Das Fehlen einer Meinung, oder Neudeutsch "Message", provoziert hier eine Enttäuschung des Lesers.
Für einen Tagebuchtext ist das jedoch sehr unterhaltsam, nachvollziehbar und einfach gut geschrieben. Vielleicht solltest Du einfach die Rubrik in "Erasmus-Tagebuch" umbenennen.
Freue mich auf mehr.
Was wollt Ihr eigentlich? Und was soll diese Frage "Und warum ist das alles so offensichtlich vom Vorjahr?" Ist doch klar, dass sich gewisse Dinge wie Wohnungssuche etc. bei vielen Auslandsstudenten ähnlich gestalten. Und man will hier doch keine langweilige x-beliebige Kolumne haben, die sich liest wie eine Gebrauchsanweisung für „Wie schaffe ich es im Ausland”. Da kann man auch zu einer dieser Infostellen an der Uni gehen und sich dazu eine dieser stupiden Broschüren durchlesen. In dieser Kolumne geht es doch vielmehr darum, ein bisschen von dem Lebensgefühl eines Ausstauschstudenten zu vermitteln, und das macht Philipp - wie ich finde - sehr gut mit seiner unterhaltsamen, humorvollen Schreibe!








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07.06.2006 - 21:24 Uhr
OhDaeSu