27.05.2006 - 21:04 Uhr

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Tabuthema Tod

Text: Nachtschwester

Wenn ich auf einer Party gefragt werde was ich beruflich mache, antworte ich nicht gerne, ich versuche schnell das Thema zu wechseln oder gebe eine sehr knappe Antwort: "bin Krankenschwester". Meistens kommt dann schon die Reaktion, die mich zwar ärgert, an die ich mich aber mittlerweile gewöhnt habe: musternder Blick alà "in die Schublade hätte ich die jetzt nicht reingesteckt.." und der Spruch: "dass du das kannst..., also absoluten Respekt aber ich könnt`das nicht, anderen Leuten den Arsch abwischen..", gefolgt von einem dann etwas abwertenden Blick. Wenn dann auch noch nachgefragt wird: "aha, und was machst du da genau?" ,wünschte ich mir so manches mal ich hätte einfach behauptet ich wäre Bürokauffrau... :"Ich begleite sterbende Menschen". Buff! Spätestens jetzt habe ich immer das Gefühl mein Gegenüber wünschte sich, er hätte nie nachgefragt. Vielleicht kommt noch ein: "und das macht dir wirklich spass?", "du bist doch noch so jung.." und ganz schnell wird über die schlechten Cocktails und die gute Musik und dann über das viel zu enge Oberteil der Tussi an der Theke geredet. Wie kommt es, dass Tod und Sterben so ein Tabuthema ist? Ich stelle mir in solchen Situationen immer wieder die Frage, kann man "Tod und Sterben gesellschaftsfähig machen?" Dazu fällt mir "Sexualität" ein -ein Tabuthema, das keines mehr ist. Wie wurde Sexualkunde als Unterrichtseinheit eingeführt, wie stieg die Medienpresänts und damit der selbstverständliche Umgang im Alltag? Wenn das Tabuthema "Sex" gesellschaftsfähig und somit zur "Normalität" gemacht werden konnte, kann dann auch Tod und Sterben als "Normal" und offen in unserer Gesellschaft, sogar im Unterricht an den allgemeinbildenden Schulen als "Lehrneinheit" etabliert werden? Immer gibt es einen Anfang von etwas -und ein Ende. Geburt - Tod Freud`- Leid` Gewinn - Verlust Wenn man ein "Ende" von etwas als "normal", gesellschaftlich anerkannt und akzeptiert ansehen könnte und nicht nur als zwingendes Übel, wenn Sterben als Teil des Lebens selbstverständlich wäre und man nach dem Tod eines geliebten Menschen trauern könnte, ganz offen und öffentlich, genauso normal wie man sich über die Geburt seines Kindes freuen würde. Wie würde sich das Verständnis der Menschen ändern, wenn Sterben und Tod presänt in unserem Alltag, in den Medien, in unserem Denken und Fühlen, eben ganz normal integriert in unserem Leben wäre? Wie wäre es, wenn unsere Gesellschaft, wir, uns über das Thema Tod und Sterben genauso unterhalten und auseinandersetzen würden, wie mit unserer Sexualität?
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6 Kommentare

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nigella
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Mag ich Mag ich nicht

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27.05.2006 - 21:53 Uhr
nigella

endlich eine "leidensgenossin",ich arbeite im altenheim,habe also auch oft mit dem leben,also auch mit tod und sterben zu tun,was ja zweifelsfrei eine einheit bildet.diese kommentare kenn ich bis zum abwinken und kann sie nicht mehr hören,du sprichst mir aus der seele.danke!

yaya
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Mag ich Mag ich nicht

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21.02.2009 - 10:24 Uhr
yaya

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innere_Leere
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Mag ich Mag ich nicht

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07.03.2009 - 18:52 Uhr
innere_Leere

ich finde es toll das du sterbende menschen begleitest.

ich selber fange am 1.10 an gesundheits-und krankenpflegerin zu lernen

Gedankenreich
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Mag ich Mag ich nicht

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16.03.2009 - 02:32 Uhr
Gedankenreich

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Breeny
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Mag ich Mag ich nicht

1

17.03.2009 - 17:53 Uhr
Breeny

..der Tod hat in meinem Leben schon mehrfach hart neben mir eingeschlagen. Dabei musste ich auch immer wieder erleben, daß gerade der Tod eines der ganz großen Tabuthemen unserer Zeit ist. Obwohl ihm keiner von uns entrinnen kann. Irgendwie passt er nicht in den Lifestyle unserer Epoche oder nicht zu dem, wie die meisten sich gerne sehen möchten [jung, dynamisch, gesund, erfolgreich...].
Ich pflege seit knapp 4 Jahren neben meinem Beruf ein Familienmitglied und habe dabei desöfteren soziale Ausgrenzung erlebt, gerade so, als hätte ich Verwesungsgeruch an mir oder als ob mich das für für eine Diskussion jenseits des Pflegealltags disqualifizieren würde.

whyleemc
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Mag ich Mag ich nicht

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14.02.2012 - 15:46 Uhr
whyleemc

Auch wenn der Text schon in die Jahre gekommen ist, will ich auch mal meinen Senf dazugeben.
Die Tabuisierung des Themas ergibt sich, glaube ich, in gewisser Weise aus deinen Anfang-Ende Beispielen. So lange der Mensch etwas hat, möchte er zumeist nicht über den Verlust dessen nachdenken (müssen).
Wenn ich Freude empfinde, mag ich nicht unbedingt über das Leid nachdenken, daß daraus resultieren wird. Wenn man etwas gewonnen hat, möchte man möglichst nicht überlegen, wann es einem wieder entrissen wird.
Es ist die Angst vor Verlust( in dem Falle, den Verlust des Lebens), der uns dazu treibt, den Tod ausblenden zu wollen.
Aber davon abgesehen, gibt es wohl dennoch genug Menschen, die bereit sind sich mit dem Sterben auseinanderzusetzen und die, die ein derartiges Gespräch panisch abblocken, wären wahrscheinlich eh langweilig gewesen.


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