Klein und ganz schön fein: Irseer Pegasus
Jeden Tag ein Literaturwettbewerb auf jetzt.de - denn wer schreibt, will veröffentlichen. Ein Sprungbrett können dafür Veranstaltungen bieten, bei denen man vor Publikum und im besten Falle in Anwesenheit von Lektoren, Agenten und Literaturscouts seine Texte vorliest. Aber was gibt es eigentlich für Wettbewerbe, die zu späterem literarischen Ruhm verhelfen können? Unsere Autorin katharina-bendixen berichtet heute, was literarisch im Allgäu los ist.
Ein Wettbewerb, bei dem man über seine Konkurrenten abstimmen muss und den Gewinner am Ende selbst wählt? – Das ist der Irseer Pegasus, der einmal im Jahr in der Schwabenakademie Irsee stattfindet. Eine Vorjury bestimmt zunächst unter den jährlich rund 80 Einsendungen die zwanzig Endrundenteilnehmer. Diese lesen sich an einem Wochenende im Januar unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Texte gegenseitig vor, diskutieren darüber und können schließlich anhand von Stimmzetteln den Gewinner untereinander bestimmen.
Das Tier oben rechts kann wahrscheinlich weder lesen noch schreiben
Organisator und Vorjurymitglied Rainer Jehl erklärt das Konzept: "Wir möchten, dass der Preis von den Autoren selbst mitgetragen wird. Juroren sind ja oft gar nicht in die Praxis der Schriftsteller involviert. Dadurch, dass die Schreibenden selbst den Gewinner küren, sind wir viel praxisnäher und nicht so akademisch wie andere Wettbewerbe. Außerdem sind wir ja hier im Allgäu und damit also in der Nähe des früheren Domizils der Gruppe 47.“ Die Mitglieder dieser Literatenereinigung machten untereinander aus, wer von ihnen am besten schrieb und verliehen demjenigen den Preis. Dieses Wettbewerbskonzept diente den Pegasusgründern als Vorbild . „Natürlich liegt die Messlatte etwas hoch, mit der Bekanntheit der Gruppe 47 können wir nicht mithalten", gibt Jehl zu. Doch immerhin gibt es den Wettbewerb schon seit elf Jahren, und man kann auf Gewinner wie Markus Orths, Kai Weyand oder Carl-Christian Elze zurückblicken.
Große Hürden, aber hohe Dotierung
Teilnehmen am Irseer Pegasus kann bei weitem nicht jeder, der schreibt. Voraussetzung ist mindestens eine eigene Veröffentlichung – entweder in Buchform oder in einer der große Literaturzeitschriften wie Manuskripte, Lose Blätter oder Schreibzeichen. Dann kann man sich mit unveröffentlichten Beiträgen aus allen Genres – Prosa, Lyrik, literarische Essayistik – bewerben. Eine Altersbegrenzung gibt es nicht. „Damit sprechen wir Schriftsteller an, die sozusagen auf dem Sprung sind", sagt Jehl. „Sie haben bereits ihr erstes Buch veröffentlicht, aber den Schritt in den Literaturbetrieb, den großen Durchbruch noch nicht ganz geschafft." Mit diesem Konzept besetzt der Irseer Pegasus eine Nische: Es gibt zahlreiche Wettbewerbe für Anfänger, die noch kein Buch veröffentlicht haben, und unzählige Preise für bereits etablierte Autoren, für das Mittelfeld aber ist die Auswahl an Wettbewerben eher dünn gesät. Zusätzlich soll eine Teilnahmegebühr von rund 200 Euro, mit denen die Übernachtung in der Schwabenakademie abgegolten wird, die Seriosität der Zuschriften sichern und nur Autoren ansprechen, die wirklich mit Ernst bei der Sache sind. Denn immerhin beträgt das Preisgeld insgesamt 3.400 Euro und wird auf vier Preisträger verteilt.
Dadurch, dass die Schwabenakademie eine relativ kleine Institution ist, ist das öffentliche Interesse am Irseer Pegasus naturgemäß nicht so hoch wie an anderen Wettbewerben. Dem wirken die Veranstalter jedoch entgegen, indem sie Lektoren, Verleger und Journalisten zur Abschlusslesung einladen. Außerdem findet während des zweitägigen Ausscheidverfahrens eine Expertengespräch statt, bei dem Branchenmitglieder öffentlich über ein aktuelles Thema diskutieren. „Dadurch werden wir nicht nur stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen", sagt Jehl, „sondern wollen den Autoren auch zu neuen Kontakten verhelfen und ihnen deutlich machen, dass sie für einen Betrieb schreiben und nicht für sich selbst."
Eine Bewerbung für den Irseer Pegasus geht in zwei Schritten: Zuerst versucht man, seine Texte bei den wichtigen Literaturzeitschriften unterzubekommen. Wenn das klappt, schickt man eine Auswahl unveröffentlichter Texte an die Schwabenakademie. Bis zum 17. Oktober ist dieses Jahr noch Zeit dafür – das sollte eigentlich reichen.
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