08.05.2006 - 19:00 Uhr

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Zypries will Schuluniformen. Ist das sinnvoll?

Text: durs-wacker

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) plädiert für die Einführung von Schuluniformen. „Damit beseitigen wir nicht nur die Burkas, sondern auch die Probleme, die sich durch soziale Unterschiede ergeben“, sagte Zypries am Wochenende. Zypries will keine Uniformen nach britischem Vorbild, sondern einheitliche Hosen und T-Shirts oder Sweatshirts. „Damit könnte so etwas wie eine Corporate Identity entstehen“, sagte sie in einem Interview. Ganz klar: Ein Fall für zwei.

yvonne-gamringer sagt: Ja, ich bin für Schuluniformen. Die Debatte hat schon einen Hut auf, so alt ist sie, aber ich bin mir nicht zu fein, Frau Justizministerin auch in ihrem jüngsten Bemühen um einheitliche Schulkleidung zu unterstützen. Es gibt ja schon einige Schulen in Deutschland, die es mit Schulsweatshirts probieren. Ergebnis: Niemand ist mehr anzusehen, ob die Mutter die Klamotten bei Aldi kauft. Auf diese Weise werden tatsächlich soziale Unterschiede zumindest ansatzweise beseitigt, man kann Hänseleien verhindern und es gibt noch einen anderen Effekt: Man muss dem anderen ins Gesicht sehen, wenn man sich eine Meinung über ihn bilden will. Das klingt saudämlich, aber ich habe einmal in meiner Klasse mitbekommen, was es heißt, wenn Mitschüler wegen ihrer Kleidung drangsaliert werden. Wenn sich eine Gruppe einmal auf die Klamotten eingeschossen hat, dann lässt sie da nicht mehr von ab. Und da interessiert dann niemanden mehr, was für ein Typ in den Klamotten steckt.
Als erste brandenburgische Schule hat die Max-Dortu-Grundschule in Potsdam Schuluniformen eingeführt, die von den Erstklässlern erstmals im Januar in der großen Pause auf dem Schulhof getragen wurden (Foto: dpa) Hätten wir eine Art Uniform, würden sich die Schüler wieder auf das Wesentliche konzentrieren: auf den Charakter eines Menschen. Und nicht auf die Marke seines Pullis. Ich rede da gar nicht von Gleichmacherei, ich rede da von gleichen Voraussetzungen, die Schüler in der Schule haben sollen. Und das mit dem Wir-Gefühl, das ist ein weiterer Nebeneffekt, glaube ich. In meinem Jahr an einer amerikanischen Highschool habe ich mitbekommen, was sich allein durch Schulpullis an Corporate Identity entwickelt. Man ist ein Botschafter der Schule und verhält sich auch dementsprechend, um dem Namen seiner Schule nicht zu schaden. Das war eine der schönsten Erfahrungen. Als ich nach Deutschland zurückkam, war ich fast traurig: Jeder geht seiner Wege und mault nur über die Schule. Echtes Zusammengehörigkeitsgefühl? Das gibt es bei uns erst an der Abi-Feier. Und da denkt man sich dann immer: Hätte schon früher so sein können. Schulsweatshirts wären da ein Anfang. Auch ein Anfang für mehr Gemeinschaft. Ob man nun damit Integrationsprobleme löst, wie Zypries andeutet? Ich weiß es nicht. Das geht vielleicht zu weit. durs-wacker sagt: Nein, bitte keine Uniformen. Dieses Disziplinierungsgedonner in den vergangenen Wochen geht mir gehörig auf den Keks. In Bayern hat das zuständige Ministerium das Abitur verschärft – Mathe und Deutsch muss man auf jeden Fall prüfen lassen. Außerdem sind angeblich die alten Sprachen wieder auf dem Vormarsch und jetzt dann auch noch Uniformen – Leute! Wo laufen wir hin? Vor lauter Panik, beim nächsten Pisa-Test gar zu grauenhaft abzuschneiden, alles einebnen, was wir uns an Wahlfreiheit, Modernität und Möglichkeiten zur freien Entfaltung haben einfallen lassen? Das kann doch nicht die Lösung sein. Aber darauf läuft es hinaus. Strenge und Eintönigkeit an der Schule schaffen, auf dass die lieben Schüler sich wirklich nur noch auf das Tafelbild konzentrieren können. Mittlerweile gibt es ja sogar Technik-Studiengänge nur für Frauen. Wovor haben wir eigentlich Angst? Warum geben wir jetzt ratzefatz alles auf, was uns lieb und teuer war? Und die Sweatshirts wirklich dafür taugen, soziale Unterschiede zu verstecken und ein Gemeinschaftsgefühl herzustellen? Dann werden die Schwächeren der Klasse eben wegen ihres Handys oder wegen der Schuhe gedisst. Der Klassen-Gaucho findet so oder so seine Opfer, auch wenn sich das fies anhört. Und wenn Integration nun plötzlich so funktionieren soll, dass man alle in den gleichen Kartoffelsack steckt, dann vielen Dank. Jahrelang reden wir über Multikulti und sollen uns an der Andersartigkeit derer erfreuen, die in unser Land kommen. Und dann heißt es wieder: Nee, lieber verstecken. Tut doch nicht so gut. Müssen alle wieder ein bisschen gleicher aussehen, dass man den Türken und den Hartz-IV-Empfänger-Sohn nicht so raussieht. Ich bin gegen Schuluniformen: Sie gaukeln eine Gleichheit vor, die es im echten Leben leider nicht gibt. Der Clou an der Schule sollte doch gerade der sein, zu kapieren, dass es im Leben ungleich zugeht. Dass man lernt, sich für Schwächere einzusetzen und auszugleichen. Und auf das Wir-Gefühl der Amis, mein lieber Vorredner, kann ich da gern verzichten. Ich bin froh, dass ich hier ermuntert werde, meinen eigenen Kopf aufzuhaben. Und nicht Teil einer Wie-auch-immer-Highschool zu sein. Autor: Durs Wacker


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slx
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Mag ich Mag ich nicht

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11.05.2006 - 17:00 Uhr
slx

Schön entworfene Uniformen sind gut, sie sollten bundesweit Pflicht sein und aus. Es ist alerdings wichtig, daß der Staat nicht bei deren Gestaltung mit reinquatscht. Meine Tochter hat ein Jahr lang in Dublin eine normale Grundschule besucht und dort waren nur Mädchen. Sie hatten süße grüne Kluft und waren stolz auf sie. Außerdem ist es besser auf der Straße, die Uniform schützt die Kinder. Das finde ich einfach fairer. Warum sollen nur Cops Uniformen haben dürfen. Ebenso gut finde ich Mädchen- und Jungsschulen! Ich selbst stand zwar selbst früher auf dem Standpunkt, daß ich froh sei, auf gemischte Schulen gehen zu dürfen (hauptsächlich wegen unhinterfragter vorherrschender "linker" Meinungsmache). Heute sehe ich das völlig anders. Schule ist zum Lernen da, und ich habe 50% der Zeit (das ist ab dem Alter von 15,16 sicher nicht übertrieben) damit verbracht, hübsche Mädchen in sexy Klamotten anzustarren.

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