26.04.2006 - 00:57 Uhr

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die sterne meiner erinnerung

Text: ally1983

als ich klein war, wollte ich nie schlafen gehen. jedenfalls nicht dann, wann ich sollte. bei einbruch der dunkelheit wurde ich erst richtig wach. das ist heute noch so. aber heute schickt mich niemand mehr ins bett, ich bleibe nächtelang wach und dinge gehen mir durch den kopf und ich stehe oft am fenster und betrachte die sterne. das klingt so abgedroschen, aber es ist das was ich tue, wenn ich nicht schlafen kann, was oft vorkommt, da ich meist nachmittags schlafe. es sind dieselben sterne, die meine mutter mir vor vielen, vielen jahren zeigte, als wir noch in diesem haus in der großen, lärmigen stadt wohnten. in dem haus, das baufällig und alt war, und wo jede nacht unzählige mopeds unter meinem fenster vorbeiknatterten. meine mutter saß auf der bettkante und drückte mich sanft wieder in die kissen zurück, wenn ich aufstehen und den kopf aus dem fenster stecken wollte, um nachzusehen, was los war. sie las mir dann eine geschichte vor oder sang ein lied, weil sie dachte, ich würde davon müde. ich wollte sie nicht enttäuschen, also tat ich so, als würden meine augenlider immer schwerer, und wenn sie aufstand, quietschte die matratze leise und sie gab mir einen gute-nacht-kuss auf die stirn. wenn sie das tat, musste ich immer lächeln. (das ist noch heute so - küsse auf die stirn bringen mich zum lächeln, welches ich allerdings tief im inneren verberge) jeden abend, wenn sie mich ins bett gebracht hatte, verließ meine mutter das haus und half bis spät in die nacht in der taverne meinem vater bei der arbeit. manchmal nahm sie meinen bruder mir, der damals erst sehr klein war. da der lift meist kaputt war, hörte ich ihre schuhe im treppenhaus klappern, erst laut und dann immer leiser werdend, bis ich nur noch ein leises echo vernehmen konnte. ich wartete einige ungeduldige, herzklopfende, quälend lange minuten. dann sprang ich auf, öffnete das fenster weit und setzte mich aufs fensterbrett. mir war klar, dass ich einen riesenärger riskierte, wenn man mich dabei erwischt hätte. aber die wohnung war leer. ich saß da und ließ den warmen wind, der vom meer herüberwehte über mein gesicht streichen. das brummen der flugzeuge, die in regelmäßigem abstand über die stadt flogen und die entfernten, fröhlichen stimmen der menschen, die durch die straßen unter mir liefen bildeten die hintergrundskulisse. die wange an den rauhen fensterrahmen gedrückt, betrachtete ich die die stadt, die sich unter mir ausbreitete. und ich bin sicher, dass meine faszination für die lichter und das leben, das sich nachts in großstädten abspielt, aus dieser zeit kommen muss. ist es nicht schade, dass all diese nächte nur noch verschwommene erinnerungen sind? ganz selten übrigens gelang es meiner mutter, mich tatsächlich in den schlaf zu singen, mit diesem wundervollen lied über die sterne. es war mein lieblingslied. weißt du wieviel sternlein stehen an dem blauen himmelszelt. weißt du wieviel wolken gehen weithin über alle welt. Gott der herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen zahl, an der ganzen großen zahl.


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2 Kommentare

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Gedankensturm
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Mag ich Mag ich nicht

0

26.04.2006 - 06:17 Uhr
Gedankensturm

Schön***

webmouse
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Mag ich Mag ich nicht

0

26.04.2006 - 15:59 Uhr
webmouse

hach ja schoen....


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ally1983 unbekannt

ally1983

ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.


arcadia