29.03.2006 - 19:04 Uhr

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10 Gründe gegen ein Handy-Verbot an der Schule

Text: lars-weisbrod

Das bayerische Kultusministerium will Mobiltelefone an Schulen im Freistaat verbieten. Grund für das Verbot: Angeblich tauschen eine Vielzahl von Schülern brutale Handyvideos untereinander aus. Trotzdem brauchen Schüler ihre Handys. Wir haben zehn Gründe gegen das Verbot aufgeschrieben.

1. Würde man die Rechner von Schülern durchsuchen, fände man sicher noch mehr abartiges Zeug. Würde man ihre Schränke durchsuchen, ebenfalls. Durchsuchungen sollten aber den Eltern überlassen bleiben und PCs und Schränke weiterhin erlaubt sein. Auch an Schulen. Warum mit Handys anders umgehen?

2. Wie beim Pop kommt die Hysterie hier aus England, da wurde Happy Slapping erfunden – und zu einem bedrohlichen Phänomen gemacht. Der britische Forscher Graham Barnfield hat das angebliche Problem untersucht und ist zu dem Schluss gekommen: "Es gibt keine quantitative Analyse dazu. Im Internet kursieren immer dieselben 30 Spots, die Hälfte davon ist gestellt. Ich will hier bestimmt nichts kleinreden, warne aber nachdrücklich vor einer Hysterie." Außerdem sagt Barnfield: "Ich denke nicht, dass durch Happy Slapping neue Gewalt entsteht, sondern dass bestehende sichtbar gemacht wird". Oder anders ausgedrückt: Gewalt gab es immer, nur Kameras gibt es jetzt mehr.

3. "Das ist eine heikle Geschichte, weil Schulen schnell mit solchen Geschehnissen in Verbindung gebracht werden", begründete ein Schulleiter gegenüber der Frankfurter Rundschau sein offensives Vorgehen gegen Brutalo-Videos. Es geht also gar nicht um die armen Kinder, sondern ums Image.




4. Das Totschlagargument der Verbotsapologeten: "Wozu brauchen Schüler denn überhaupt Handys?" Diese rhetorische Frage könnte man jetzt ernst nehmen und ausführlich und fundiert beantworten: Es geht darum zu kommunizieren, und das ist wichtiger, als man sich das im CSU-Präsidium so vorstellt. Noch wichtiger ist aber: Rechtfertigungen sind überhaupt nicht nötig. Dass etwas überflüssig scheint, ist noch lange kein Grund dafür, es zu verbieten.

5. Genauso wenig stichhaltig der Begründungssatz vom bayerischen Kultusminister Siegfried Schneider: "Die Schule ist nicht der Ort zum Telefonieren." So ist das kein Argument. Baumärkte, Altersheime, Massagesalons und das bayrische Kultusministerium sind auch keine Orte zum Telefonieren, trotzdem verbietet es da niemand.

6. Menschen, die Kamerahandys für nutzlosen Schnickschnack halten, sind Kulturbanausen. Wer schon mal eins besaß, das ihm dann gestohlen wurde oder sonst wie abhanden kam, weiß: Man ärgert sich den ganzen Tag darüber, welche grandiosen Schnappschüsse einem jetzt verloren gehen. Der schnarchende Kollege beim Ferienjob im Bauamt, das lustige Schild am Bahnhofsklo - auf solchen Fotos basiert der Erfolg ganzer Spiegel-Online-Rubriken. Eigentlich sollte es an Volkshochschulen und in Müttergenesungswerken Vorträge zum Thema "Fotohandys fördern die Kreativität bei Kindern" geben. Stattdessen gibt es nur "Seidenmalerei fördert die Kreativität bei Kindern" und Handyverbote.

7. Gleiches gilt fürs Schreiben von Kurzmitteilungen (never say "simsen"): Was manche Oberstufenschüler in ihre Handys tippen ist spannender, authentischer und größere Literatur als das, was momentan so aus manchen Literaturhäusern kommt. Wäre doch schade um die schönen Geschichten.

8. Handys sind außerdem unverzichtbare Notizzettel, wertvolles Fotoalbum, vollgepackter Terminkalender und erinnern daran, die Pille zu nehmen.

9. Ein Handyverbot würde die Eltern härter bestrafen, als alle anderen. Die sind nämlich die Einzigen, die den ganzen Tag anrufen, um zu überprüfen, ob ihr Schatz nicht in einer Alcopophölle gelandet ist.

10. Großangelegte Taschenkontrollen und Lehrer, die rumschreien, weil Christian und Susanne sich unter der Bank wieder Kurzmitteilungen geschrieben haben, halten den Betrieb länger auf als die Mobiltelefone an sich. Hier sollten die Universitäten Vorbild sein, dort ignorieren die Professoren nämlich sympathisch-arrogant jedes Handyklingen und keinen stört es, wenn ab und zu mal ein bisschen Polyphones durch den Raum schallt.


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neffets
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Mag ich Mag ich nicht

1

29.03.2006 - 20:21 Uhr
neffets

Handys sind schon lange kein Kommunikationsmittel mehr, sondern dienen fast nur noch dem Konsum. Wozu gibt es sonst 1500 verschiedene Modelle, von denen die Kids immer das neueste haben wollen, fünf Milliarden hoffnungslos überteuerte Klingeltonabos und anderen überflüssigen Schrott? Wer kommunizieren will soll mit seinen Mitmenschen reden, keine SMS schreiben. Und um ein Mädchen daran zu erinnern, dass es die Pille nehmen soll, sowieso nicht.

Beru
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Mag ich Mag ich nicht

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29.03.2006 - 21:48 Uhr
Beru

jetzt-artikel wollen immer ein bisschen lustig sein, wusstest du das nicht?

Kappi
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29.03.2006 - 22:42 Uhr
Kappi

tz handy verbot. und demnächst kommen sie darauf das ja auch immer mehr mp3player funktionaler werden als manch einer denkt.....

spaetabends
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29.03.2006 - 22:46 Uhr
spaetabends

Das Geklingel in der Uni nervt mich allerdings sehr. Kaum zu glauben, dass selbst "erwachsene" Studenten es nicht fertig bringen, verantwortungsvoll mit ihrem Telefon umzugehen.

Ein Verbot halte ich allerdings für das absolut Letzte. Die Politiker scheinen schon sehr hilflos zu sein, wenn ihnen nichts anderes mehr einfällt.

traeumerin
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29.03.2006 - 22:51 Uhr
traeumerin

Wozu braucht ein Schüler zwischen 8 und 12 Uhr ein Handy? Etwa um seinen Freunden mitzuteilen, dass er ein Brot mit Käse gegessen hat?
Wenn die Kleinen es nicht mal mehr 4 Stunden ohne Handy aushalten, dann ist das schon arm.

Zudem ist es dem Lehrer gegenüber respektlos, während des Unterrichts SMS zu tippen oder gar zu telephonieren.

alcofribas
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29.03.2006 - 23:54 Uhr
alcofribas

bayern. laptop und lederhose. haha.
der artikel ist sehr gut. handyverbot für politiker, aber sofort!

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Mag ich Mag ich nicht

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30.03.2006 - 00:00 Uhr
alcofribas

und:
"wozu braucht ein Schüler zwischen 8 und 12 Uhr ein Handy?"
geht dich nichts an, geht das kultusministerium nichts an. schüler sind - auch wenn das die bayerische kultusbürokratie anders sieht - auch über grundrechte verfügende menschen. mit dem recht auf eigentum (eines handys) und auf privatsphäre (inhalt des handys, solange nicht illegal)
aber bayerische schulen waren schon zu meiner zeit rechtsfreie räume (im negativen sinn) und daran hat sich, wie es scheint, auch nichts geändert.
die schule kann drauf bestehen, daß während des unterrichts die handys aus sind. das ist aber auch schon alles.

Stephan786
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30.03.2006 - 00:19 Uhr
Stephan786

diese ganze Diskussion ist doch einfach nur lächerlich.
an unserer Schule hat - soweit ich weiß- noch keiner ein "Gewaltvideo" bekommen. Klar kursieren ab und zu mal mini Pornos, aber auch nur von denen, die die so auch auf dem Rechner haben. Schön, dass Mütter, Omas und Antitechnik Väter jetzt politische und öffentliche Rückendeckung haben.

Wofür ich mein Handy in der Schule brauche? Um MAMA anzurufen, zu fragen, was es zu Essen gibt, ob ich abgeholt werde etc.
Freunde anrufen , wegen der Schülerzeitung und den ganzen anderen Jobs rumtelefonieren (meine Schule liegt in meine Home Zone) und und und...


PS: ich kenn viele Frauen, bei denen das Handy irgendwann - meistens so zwischen 19 und 21 Uhr - rumtutet und es Zeit für die Pille ist

traeumerin
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Mag ich Mag ich nicht

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30.03.2006 - 07:34 Uhr
traeumerin

Natürlich haben die Schüler auch ein Recht auf ihr Handy und von mir aus können sie das auch in der Pause verwenden.
Der positive Aspekt an diesem Verbot ist eben, dass es jetzt strikt verboten ist, sie im Unterricht zu benutzen. Und ich hoffe, dass sich ein paar Schüler davon abschrecken lassen, ihr Handy zu benutzen, wenn sie an einem anderen sehen, wie es ist, 2 Woche ohne zu leben oder sonstige Strafen in Kauf zu nehmen.

Veradelter_Aermel
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30.03.2006 - 08:46 Uhr
Veradelter_Aermel

Wir haben damals auch kein Handy in der Schule gebraucht. Wenn überhaupt, dann haben wir uns kichernd in die Telefonzelle gequetscht, bei einer Apotheke angerufen und nach dem Medikament "Binisodum" gefragt:-)

"Wofür ich mein Handy in der Schule brauche? Um MAMA anzurufen, zu fragen, was es zu Essen gibt, ob ich abgeholt werde etc."

OH MEIN GOTT...

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lars-weisbrod

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