Das Träumen vergessen
Text: obsidian
Die Nächte sind wunderschön. Mein Schlaf ist tief, schwarz und leer. Das Träumen habe ich vergessen, zuviele Gedanken rasen Tag für Tag hinter meiner Stirn. Stetig strömen Gedanken, treibt ein unablässig wilder Strom neue heran und reißt alte mit. Blühen zarte Ideenblumen auf und treiben ihre Wurzeln brutal durch mein Inneres nur um von aufmerksamkeitsheischenden Gedankenraupen zerfressen und zertrammpelt zu werden. Ich kann nichts festhalten, jeder Gedanke und sei er noch so genial verblasst nach wenigen Augenblicken, verschwimmt, liegt mir kurz auf der Zunge und zergeht - bitter. Seit Wochen ächzt und schmerzt mein Kopf, wenn ich morgens meine Augen öffne beginnen die Synapsen zu rumoren und schwere Gedanken zu wälzen, bis abends alles Kopfschmerz und grau ist. Schmerzhaft blitzt das Geniale, mühsam wälzt sich das Banale durch meine Gedankengänge. Nicht nur der Schlaf, auch die Erschöpfung hilft. Ich laufe einen Damm entlang, meine Schuhe lassen den Kies spritzen, unten gurgelt glitzernd und fortwährend fließend der dunkle Strom. Ich laufe, laufe immer weiter. Sehe weiße Punkte aufleuchten, pulsieren und tanzen. Weiß, schwarz, türkis. Ich schließe die Augen, rote Nachbilder glühen auf und verbrennen die Gedanken. Weiter, weiter immer weiter. Weiße Punkte, überall. Ein Engel, meine Mutter, weißglühend predigt er wie auf dem Polaroidfoto vom Kinderspielplatz. Bläht sich auf und zerplatzt mit den Worten "Man kann nicht ewig vor seinen Problemen davon laufen." Kann man nicht? Kann ich nicht. Mehr. Ich kann nicht mehr. Mein Körper brennt, salzig glühender Schweiß rinnt dampfend durch die staubtrockene Kehle verirrt sich in die hyperventilierende Lunge. Ich stolpere dahin, und schleppe mich mit letzter Kraft ans rettende Ufer. Mein Kopf taucht gerade so unter.
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