die angst vor dem tiger ist normal
Die Angst vor dem Tiger ist normal wenn er plötzlich in der U - Bahn vor dir steht. Quietsch orange mit schwarzen Streifen. Ich würde den Stopknopf drücken und mir überlegen wie ich über die Sitze zum Ausgang klettern könnte. Max bricht mit seiner tiefen Stimme in meine Gedanken ein. „Erinnerst du dich an Glen?“ Ich kann ihn nur von der Seite sehen und freue mich über seine spitze Nase. „Ja, wir brachten ihm bei ‚ ich bin ein dreckiger Kanadier‘ zu sagen und erzählten ihm es würde bedeuten ‚Lass uns zu mir gehen‘“ „Es klang wie, isch bn aim trekischer Kanaia.“ „Er konnte nicht einen Stich machen wenn er mit uns unterwegs war. Armer Glen. Ich weiß nicht irgendwie erinnert er mich an Rom.“ Die Bahn hält schon zu lange im selben Bahnhof. Irgendwas mit Gleisarbeiten denke ich mir. Max dreht sich auf seinem Stuhl zu mir und schiebt sich die blonden Haare aus dem Gesicht. „Wie lang ist das her? Drei Jahre vielleicht?“ „Bestimmt sogar. Drei Jahre, ich weiß nur noch das er kaffeebraune Augen hatte.“ „An was hast du gedacht?“ „An einen Tiger in der U - Bahn.“ „Ist das normal?“ „Die Angst vor dem Tiger ist normal.“ „Die Angst vor dem Tiger in der U - Bahn! Chic.“ Max sagt immer chic. Es ist sein Wort. Meins ist fein. „Weißt du, Cosmo, inzwischen bin ich mir ziemlich sicher das mit die etwas nicht stimmt. Vor allem wenn du getrunken hast. Weil du dann nicht mehr nach denkst und all die Dinge die dir im Kopf rumsausen auch sagst.“ „Ich erinnere mich. Du hast deinen Kopf in den Händen vergraben, das eine Mal.“ „Dieser Junge hat dich angestarrt.“ „Und du hast seinen Namen erraten.“ „Und sein Sternzeichen.“ „Du warst ja auch betrunken.“ „Du hast gesagt das du im Winter deine Seele verlieren würdest.“ „Es ist wahr.“ „Ich habe es nicht verstanden.“ „Da gib es nicht viel zu verstehen. Im Winter verliere ich meine Seele. Sie kommt nicht mit mir klar. Aber es ist nicht so schlimm, sie kommt im Frühling immer wieder.“ „Das ist unsinn.“ „Ist es nicht. Du bist damals richtig ausgerastet und hast mir Bier ins Gesicht geschüttet.“ „Weil du Geisteskrank bist. Seelenwanderung. Unsinn.“ „Ach, besorg dir doch selbst ein Leben.“ „Pussy.“ „Mädchen.“ Die Bahn setzt sich wieder in Bewegung. Die Tunnelwand rauscht an uns vorbei wie flüssiges Metall. Max schaut mich nicht mehr an. Er starrt angestrengt aus dem Fenster. Ich merke es erst als er direkt neben mir steht und seinen dicken Kopf auf meinen Schoß legt. Es ist ein Tiger im Zug. Aus seinen riesen Maul tropft der Sabber auf meine Jeans. „Max, da ist ein Tiger der U - Bahn.“ „Unsinn, Geisteskranker.“ Er dreht sich nicht einmal um. Ich habe zu große Angst um mich zu bewegen, es ist nicht daran zu denken den Stopknopf zu drücken. „Max, der Tiger hat seinen Kopf auf meine Beine gelegt.“ „Cosmo hör auf, du machst mich nur wieder böse.“ Der Tiger hebt seinen Kopf und schaut mich an mit seinen Wildkatzenaugen. Er legt sich mit seiner Zunge über die Lefzen, überlegt und trottet dann ganz ruhig ins nächste Abteil. Ich höre eine Frau schreien. „Unsere Station, los raus.“ Herrscht Max mich an und schiebt mich nach draussen. „Meine Güte was sollte den das Geschrei grad. Und zur Hölle warum ist deine Hose so nass?“ Er zündet sich eine Zigarette an und schpttelt den Kopf. "Man darf hier nicht rauchen." "Du bis so ein schisser!" "Selber Mädchen." Sage ich und schnappe ihm die Zigarette aus seinem Mund.
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köstlicher text.
(soviele ausrufezeichen hat meine tastatur garnicht...)








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23.03.2006 - 08:43 Uhr
julian_galant