20.03.2006 - 00:29 Uhr

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unendlich

Text: ally1983

dieser sommer sollte nie vergehen. das war ein satz, den ich damals ständig dachte. und sobald es mir bewusst wurde, beinahe zu spüren schien, wie die sekunden in form von sonnenstrahlen vorbeizogen und die schatten der bäume mit zittrigen fingern nach mir griffen. wir lagen im gras, du und ich. du hast nie angst vor den kleinen insekten gehabt, die darin wohnen und ich habe versucht, dieses kitzeln zu ignorieren, wenn ich mit meinen armen hinter meinem kopf verschränkt neben dir lag und in den himmel sah. 'wohin zum teufel schaust du denn da die ganze zeit?', fragtest du mich oft und trankst von dem pfirsichsekt, den wir irgendwo geklaut hatten, aber ich hatte nie eine antwort. es gab nichts zu sehen, und gerade das war das schöne, über uns befand sich dieses endlose blau. kein anfang und kein ende. es zerriss mich dennoch beinahe innerlich. es fühlte sich an, wie ein schwerer stein auf meinem herzen, den ich nicht bewegen konnte. wir waren 14, fast erwachsen also. nur schien uns das niemand abzunehmen. 'siehst du diese weißen linien?', habe ich dich gefragt. natürlich hast du gedacht, ich meine kokain oder so etwas und du hast mich angegrinst. ich habe nie mehr jemanden getroffen, der so gegrinst hat wie du. deine augen wurden ganz schmal und du bekamst diese fältchen an den mundwinkeln, die dich etwas älter aussehen ließen. (wobei du immer viel reifer gewirkt hast als ich und die meisten leute immer dachten, ich sei deine jüngere schwester.) dein ganzes gesicht schien nur aus diesem grinsen zu bestehen, das wahlweise unverschämt, fröhlich oder einfach nur amüsiert wirkte. 'nein, mann.. ich meine die spuren von den düsenfliegern', sagte ich, alberner als ich beabsichtigte. das ärgerte mich ein bisschen, denn ich hatte gerade eben diese entdeckung gemacht und sie war mir wichtig. 'was ist damit?' du klangst gelangweilter als du warst, was recht oft vorkam. 'stell dir mal vor, dass der himmel das meer sei. und das düsenflugzeug ein schiff, und dass die spuren die aufschäumenden kronen der wellen sind', antwortete ich schnell und aufgeregt und schwindelig im kopf. es klang hochtrabend und blöd in meinen eigenen ohren, aber dein grinsen verschwand. für einen moment wirktest du still und nachdenklich und ich wusste, dass du mich verstehst. wir lagen eine weile einfach nur so da und schauten auf das meer und die schiffe und die aufschäumenden wellen in dieser verdrehten welt. ich vergaß die zeit. die zeit zu vergessen ist eines der wichtigsten dinge im leben. zweifellos wird sie einen immer einholen, aber in diesem moment, in dem man das noch nicht weiss, in dem man diesen winzigen vorsprung hat, ist man unendlich.. und wenn ich heute an dich denke, ist es genau dieser moment, der vor meinem inneren auge erscheint: du und ich, pfirsichsektumnebelt im park, an einem sommertag vor vielen jahren, einem ganz gewöhnlichen tag, der mir dennoch im gedächtnis blieb, zusammen mit all den anderen erinnerungen, die wie kleine perlen die kette meines lebens bilden. 'du bist immer noch so verdammt pathetisch', höre ich dich sagen. aber dein lächeln dabei ist voller wärme und erfüllt mich mit leichtigkeit.


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2 Kommentare

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lovely_Freak
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Mag ich Mag ich nicht

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25.03.2006 - 19:35 Uhr
lovely_Freak

mein erster Freund, der hat auch so ein Grinsen, mit schmalen Augen und mega Lachfalten...musste grad an ihn denken.

dein text ist wundervoll.

ally1983
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Mag ich Mag ich nicht

0

28.03.2006 - 02:37 Uhr
ally1983

dankeschön! das freut mich sehr.


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ally1983 unbekannt

ally1983

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arcadia