14.03.2006 - 18:13 Uhr

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Wenn Emma weint

Text: KleinOrangenmaedchen

Wenn Emma weint, dann regnet es. Das findet Emma so lustig, dass sie dann immer kichern muss wie eine Kirsche und das Salz ganz süß auf ihren Lippen schmeckt, wenn er sie küsst. Dabei schließt sie die Augen und zählt bis kurz nach Mitternacht. Wenn sie aufwacht, ist der Tag fort. Und er auch. Auf der Suche nach ihm begegnet sie den Geistern. Die lachen so laut, dass sie ihnen den Mund zuhält und Buh ruft. Doch dann lachen sie nur noch lauter. Sie will wegrennen, doch das Kaugummi an ihren rosaroten Schuhen klebt sie fest. „Was musst du auch rosarote Schuhe anziehen…“, sagt ihre große Schwester immer wieder und schüttelt die Löwenmähne. Jetzt sitzt sie im Flur. Dort hinten, vor dem Eckzimmer ihrer Gedanken. Es poltert. Sie hängen dort drinnen einen Kronleuchter auf. Es poltert. Emma spielt mit dem Kaugummi an ihren rosaroten Schuhen. Es ist moosgrün. Ob er bei dem richtigen Namen klingeln wird. Sie wird dann auch aufstehen, hat sie sich hinter die Ohrmuschel gemalt, ganz schnell zu ihm rennen, ist sie sich sicher, und denkt dabei an den Strand, wo die Möwen ihr das Eis von den Wangen lecken und es kitzelt, das Salz auf ihren Lippen. „Emma ist ein schöner Name…“, hat er gesagt und seine Augen haben dabei Rumba getanzt. Sie hat schnell weggeguckt, zu der Sternschnuppe am Horizont und hinter ihrem Rücken geschnipst. Sie tanzt gerne. „Was willst du einmal werden, wenn du groß bist, Emma?“ Seiltänzerinnen träumen von einem starken Prinzen, hat sie sich gesagt, als er mit seiner großen Hand über ihren Rücken fuhr. Immer wieder tanzt sie. Auf dem Seil zwischen ihrem Spiegelbild und dem Bild von ihr in seinen Rumbaaugen. „Du kannst dich ruhig fallen lassen, meine kleine Emma.“, hat er geschrieen, als sie ihn nicht so streicheln wollte, wie er es ihr hinter die Ohrmuschel schrieb. Kann man mit rosaroten Schuhen, an denen moosgrüner Kaugummi klebt, denn überhaupt fallen? Sie steht auf. Zieht sich hoch an der Wand, an der Haare von ihr hängen bleiben. „ Mit Haut und Haaren will ich dich…“, flüstert er unter der Decke. Sie friert. Ihre Knie zittern. Sie steht auf dem Seil. Applaus, Applaus. Es sieht aus, als ob sie tanzt. Seine Augen würden sie jetzt auffangen, wenn sie ihn anschauen würde. Wenn sie sich fallen lassen würde. Sie beißt sich auf die Lippe. Sie schmeckt so wie der Frost im Junimond. Wackelig sind ihre Schritte. Dann drückt sie die Tür auf. Da. Die Scherben des Kronleuchters glitzern auf. Es blendet. Es zieht. Das Fenster ist nur angelehnt. Ihr Stundenplan segelt durch den Raum. Montag: Seiltanz. Dienstag: Er. Mittwoch: Mit ihm fallen lassen üben. Sie denkt an den blonden Prinz auf dem weißen Schimmel, der gleich klingeln wird. Wie wird er mit ihr Rumba tanzen wollen, wenn sie sich fallen lassen kann. Flink zieht sie ihre rosaroten Schuhe aus. Moosgrün klebt der Kaugummi nun an der Heizung. Es ist kalt. Gänsehaut an ihren Füßen. Es kitzelt. Sie kichert wie eine Erbse. Dann lässt sie sich fallen. Doch es war Donnerstag. Er ritt ohne sie. Bis zum Vogelzwitschern danach. Als sie weinte, fing es an zu regnen. Da lag sie. Ohne rosarote Schuhe. Nur noch in den Erinnerungen ihrer Schwester. Wenn es regnet, dann weint Emma. Dort hinten, im Eckzimmer. Moosgrün.


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