10.03.2006 - 16:28 Uhr

1 1 Über Twitter weiterempfehlen

Der Werwolf

Text: zyndywonka

Ein Werwolf eines Nachts entwich von Weib und Kind und sich begab an eines Dorfschullehrers Grab und bat ihn: "Bitte, beuge mich!" Der Dorfschulmeister stieg hinauf auf seines Blechschilds Messingknauf und sprach zum Wolf, der seine Pfoten geduldig kreuzte vor dem Toten: "Der Werwolf", sprach der gute Mann, des Werwolfs, Genetiv sodann, dem Wemwolf, Dativ wie mans nennt. den Wenwolf, - damit hats ein End." Dem Werwolf schmeichelten die Fälle, er rollte seine Augenbälle. "Indessen", bat er, "füge doch zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!" Der Dorfschulmeister aber mußte gestehn, daß er er von ihr nichts wußte. Zwar Wölfe gäbe es in großer Schar, doch "Wer" gäbe es nur im Singular. Der Wolf erhob sich tränenblind - er hatte ja noch Weib und Kind !! Doch da er kein Gelehrter eben, schied er dankend und ergeben. Christian Morgenstern (1871 - 1914)


Neue Texte zum Label 'FremdeFedern':
Textoptionen
Mehr Texte von
zyndywonka
Mehr Texte zum Label
FremdeFedern
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
1 Kommentar

speichern
mushummel
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

11.03.2006 - 10:44 Uhr
mushummel

JAJAJAJAJA Das kenn ich von einer Kollegin!
find ich einfach genial!

Jetzt-Mitglied

zyndywonka offline

zyndywonka

ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.


Halte Dich querfeldein, meide die Herden, pfeif auf ein eigenes Ich und Du wirst gleichzeitig Dachs bleiben, Windhund sein und Löwe werden. (R.G.)