05.03.2006 - 22:41 Uhr

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Aufräumen mit einem Mythos: Das 'neue' White Trash.

Text: keinekueche

Neue Besen kehren gut, sagen die einen. Never change a winning team, sagen die anderen. Und Habgier macht häßlich.

Das White Trash in der Torstraße hatte sich über längere Zeit hinweg zu einer sagenumwobenen Lokalität entwickelt. Eine dieser Endstation-Bars, in denen nach Betreten die Zeit stehenbleibt. Wo man gar nicht anders kann, als bis Sonnenaufgang oder auch länger dort zu versacken. Weil immer ein neues Bier kommt, weil gelegentlich mal jemand auf den Tischen tanzt, weil es so viel zu gucken gibt: von der Beamerprojektion (ich hätte vorher nie gedacht, daß es möglich ist, das Texas Kettensägenmassaker in Repeat-Schleife anzusehen und trotzdem mit großem Appetit einen Burger zu verspeisen) über die liebevoll umhegten Goldfische (allesamt mit leichter Schräglage knapp unter der Wasseroberfläche entlangtreibend) bis hin zu dem Opi, der hinterm DJ-Pult steht und mit großem Spaß Death Metal auflegt.
Und vor allem: weil einen keiner beim Versacken zuguckt - beziehungsweise zugeguckt HAT.
In Berlins Nachtleben herrscht ein gewisser Mangel an Orten, an denen man einfach gepflegt und unbeobachtet in einem Sofa herumschimmeln kann. Mit der Schließung des White Trash in der Torstraße ist einer davon gestorben - wenn nicht gar der einzige.

Kein Wunder, daß nach einem Sommer des durstigen Wartens und wilden Spekulierens ('Hast du schon gehört? Angeblich gibt es ein neues White Trash in Kreuzberg. Ich weiß aber auch nicht, wo') die Neueröffnung mit Spannung erwartet wurde. In einem ehemaligen Irish Pub, aha. Dann also statt Chinarestaurant mit Totenkopfgirlanden jetzt grüne Kleeblätter im Goldfischaquarium? Mitnichten. Vermutlich aus Gründen der Treue zum alten Erscheinungsbild (aber auf Kosten der Glaubwürdigkeit) hat man die ganze olle China-Deko abmontiert und recht pragmatisch in die neuen Räumlichkeiten verpflanzt. Platz ist genug, denn das Neue White Trash ist keine Bar, sondern ein Tempel. Ein Restaurantbereich mit Tischen auf drei Ebenen, im Keller noch ein Club mit Live-Konzerten - das Neue White Trash ist jetzt eine große öffentliche Bühne fürs Sehen-und-Gesehenwerden. Nachdem die anfängliche Euphorie über die Rückkehr des Killer Elvis Burgers sich nun ein wenig gelegt hat und die Zusammensetzung des Publikums sich verschoben hat in Richtung 'Werbeagentur-Geschäftsessen' und 'Erlebnisgastronomiegeile Touristengruppen' wird langsam klar, was zwischen Umzug und Neueröffnung leider auf der Strecke geblieben ist: das Herz.

Zum Abschluß noch eine kleine prototypische Anekdote aus einem Laden, der im Moment sicherlich eine Goldgrube ist, aber sich vielleicht doch die Frage stellen sollte, ob das mit der gegenwärtigen Attitüde noch lange so bleibt.
Samstagabend. Eine Gruppe von zehn Leuten will essen gehen. Es ist Besuch aus anderen Städten da, denen möchte man natürlich etwas möglichst besonderes bieten, und da man ja weiß, im Neuen White Trash wird es voll sein, reserviert man vorher am besten telefonisch einen Tisch. Bei der Ankunft stellt sich heraus, daß das die falsche Taktik war. Der zugewiesene Tisch ist ganz hinten, ganz oben: vor der Tür zur Damentoilette und neben der Klimaanlage, standardmäßig auf Windstärke 8 eingestellt. Besser, man wäre einfach eine Stunde früher gekommen und hätte einen der freien Tische belegt.
Zu spät jetzt, freie Tische gibts nicht mehr, also hoch zum reservierten Tisch und während des Essens eben die Jacken anbehalten. 'Was tut man nicht alles, das ist halt eben das White Trash.'
Als alle eingetrudelt sind, wird bestellt; die Burger kommen und sind lecker, bis auf einen- der wird auch bei dreimaliger Nachfrage immer wieder vergessen und kommt schließlich, als alle anderen schon beim Verdauungsschnaps angelangt sind. Von einem guten Restaurant würde man vermutlich erwarten, daß das vergessene Essen entweder nicht auf der Rechnung auftaucht oder daß die Tischrunde eine Runde Schnaps aufs Haus serviert bekommt, aber wir sagen nichts, 'das ist halt eben das White Trash'.
Falsch. Das ist halt eben das NEUE White Trash, und hier geht es nicht mehr um die gewohnte 'no attitude'-attitüde, hier geht es nur noch ums Geld scheffeln. Das wird uns schmerzlich bewußt, als die Rechnung kommt, und die Kellnerin ('You have to talk in english, I don't speak german') erklärt, sie habe auf die Gesamtsumme 13 Euro aufgeschlagen, denn wir seien schließlich eine 'big party reservation', und da würden sie das immer so machen. Zunächst halten wir das für einen schlechten Scherz, denn a) war das bei weitem nicht das erste Burgeressen in einer großen Gruppe und diese Praxis uns völlig neu, b) haben wir pro Person schließlich auch schon den einen Euro Eintritt bezahlt, um im White Trash Geld ausgeben zu dürfen und c) wäre vielleicht deren Website, zum Beispiel direkt unter der Telefonnummer für Reservierungen, ein angemessener Ort, um den Gästen solche Mitteilungen zu machen und nicht erst beim Überreichen der Rechnung.
Wir weisen auf den verspäteten Burger und überhaupt miesen Service hin und erklären, daß wir kein Problem damit haben, Trinkgeld zu geben, das eigentlich auch schon nicht mehr angemessen ist, aber diese dreizehn Euro gewiß nicht zahlen werden.
Die Bedienung verschwindet wortlos und kommt mit ihrer Oberkellnerin (emo-schwarz/platinblond gefärbte Vogelnestfrisur und schon von weitem erkennbar auf Krawall gebürstet) zurück, die dann absurderweise erklärt, bei Rechnungen über 100 Euro würden sie immer zehn Prozent aufschlagen, das sei doch normal. Der Sinn hinter dieser Maßnahme bleibt uns verschlossen, aber wir kommen auch nicht mehr dazu, weiter nachzufragen, denn auf unsere erneute Weigerung hin knallt die Vogelnestfrau uns das restliche Wechselgeld auf den Tisch und erklärt einem aus dem Nichts aufgetauchten Herrn: 'Dieser Tisch hier möchte jetzt sofort geschlossen den Laden verlassen, bitte begleite alle nach draußen.'
Nachdem er sich vergewissert hat, daß auch ja alle rausgekommen sind, gibt er uns noch einen freundlichen Abschiedsgruß mit auf den Weg: 'Das ist ab jetzt nicht mehr euer Laden.'

Ja, das haben wir auch schon überlegt, danke.
Schade drum.


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O_L_I__I_S__B_A_C_K__B_A_B_Y
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Mag ich Mag ich nicht

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05.03.2006 - 22:43 Uhr
O_L_I__I_S__B_A_C_K__…

don't call me fuckin white!

wasbesonderes
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Mag ich Mag ich nicht

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05.03.2006 - 23:02 Uhr
wasbesonderes

Gut zu wissen.

nunutella
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Mag ich Mag ich nicht

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05.03.2006 - 23:07 Uhr
nunutella

geniale story...
ich weiss nicht, wie der laden sich SO halten will...

yps_ohne_gimmick
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06.03.2006 - 12:15 Uhr
yps_ohne_gimmick

Wie am Rad drehen die denn?

Ich meine, dass man am neuen Ort lagemässig auf verlorenem Posten kämpft, sich diesen dort aber widerum vergolden lassen bis Oberkante Unterlippe, liegt ja in der Sache selbst.

Aber die ganze Nummer? Wem soll das denn helfen?


By the way:
Das mit dem ´Killer Elvis Burger´ als Bestem der Stadt ist die ganze Zeit schon Quatsch.
Man gehe in das, zugegebenermassen 8000xunspektakulärere, "Catherine´s" im Dussmann-Gebäude...

alcofribas
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06.03.2006 - 14:48 Uhr
alcofribas

Burger nur im choriner eck. so schauts aus, meine damen und herren.

jochenausberlin
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Mag ich Mag ich nicht

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06.03.2006 - 21:21 Uhr
jochenausberlin

Wenn das mit den 10% wirklich so stattgefunden hat, dann wäre das ein interessantes Thema für die Gewerbeaufsicht.

dasbierwiesel
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Mag ich Mag ich nicht

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06.03.2006 - 23:32 Uhr
dasbierwiesel

die macher und bedienungen im whitetrash waren doch auch schon früher zu 90% unfreundlich, arrogant oder angenervt. haben auch gerne mal behauptet, dass sie ja "only english" sprechen und später hörte man sie dann doch auf deutsch mit kollegen oder gästen quatschen. geil und billig sind einfach oft die konzerte auch wenns unten aussieht wie ne schlechte indianer jones filmkulisse. mein tip: einfach mal bei jedem 5ten besuch die zeche prellen.
übrigens n echt guten burger habe ich neulich im "fries & friends" in der pallasstraße gegessen. cheers

keinekueche
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Mag ich Mag ich nicht

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07.03.2006 - 07:51 Uhr
keinekueche

am besten ist ja eigentlich der typ, der mit offensichtlich deutschem akzent versichert, er könne kein wort von dem verstehen, was man sagt.
früher waren's aber maximal fünf bedienungen, die man auch irgendwann alle kannte und die dann eigentlich immer ganz okay waren. heute sind es gefühlte dreißig.

DonDahlmann
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07.03.2006 - 10:48 Uhr
DonDahlmann

Ehrlich gesagt bin ich aus hygenienschen Gründen noch nie auf die Idee gekommen irgendetwas anderes als ein vor meinen Augen geöffnetes Bier im White Trash zu mir nehmen. Das wird wohl auch so bleiben.

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Mag ich Mag ich nicht

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07.03.2006 - 10:48 Uhr
DonDahlmann

Ehrlich gesagt bin ich aus hygenienschen Gründen noch nie auf die Idee gekommen irgendetwas anderes als ein vor meinen Augen geöffnetes Bier im White Trash zu mir nehmen. Das wird wohl auch so bleiben.

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keinekueche unbekannt

keinekueche

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