Paule wacker beim Tierarzt
Text: zyndywonka
Katzen in Sporttaschen machen komische Geräusche. Sie geben Töne von sich, die an weinende Kleinkinder, darbende Untote und elend wimmerndes noch von niemandem je beschriebenes Getier zugleich erinnern. Paulchen fährt neben mir auf dem Beifahrersitz (in einer irgendwann mal totschicken Nike-Sporttasche in rot-schwarz) zum Tierarzt - kamaunzert vor sich hin. Der Arme. Im Wartezimmer schlängelt sich grade noch vor mir ein teiti-teiti-mein-muckelkätzchen-pärchen im vorrentenalter vor mir rein und redet unablässig auf ihr Tier ein. Findus, so wurde der Gute wohl benannt, interessiert sich wenig für die überbordenden Gefühlsausbrüche, quakt aber ab und an bestätigend, um den Fluß mitleidiger Worte nicht abreißen zu lassen. Ich setz mich auf das Bänkchen, stelle den Reisekater neben mich und öffne den Reißverschluss. Das war ein Fehler. Nicht, dass der Kater, wie alle Umsitzenden mit ihren vorschriftsmäßigen Tierarzttransportkisten gedacht hatten, herausspringt, nein, weit gefehlt, herausQUILLT der legendäre Katerfurz! Aber in einer umwerfend charmant-höllischen Konsistenz, dass ich erstmal zurückweiche und am liebsten meinen Blutdruck kontrollieren möchte, um dann todesmutig in die Tasche zu spähen in Erwartung eines sämigen Scheißehäufleins. Zum Glück nix dergleichen zu finden. Und dann sehe ich ihn. Mein Paulchen, mein Prinz. Der sitzt aufrecht und völlig unbeeindruckt mitten in der Tasche und späht ab und an lässig in die Runde. Nur mich guckt er nicht wirklich an, scheint mich mal wieder strafen zu wollen mit seiner gespielten Moppeligkeit. Ich denk, na moppel du nur, aber ich fühle doch leichten Stolz in mir aufwallen, so kühn und brav, wie er da sitzt. Auch die Anwesenden zollen uns Hochachtung und bemerken erstaunt, dass der da so einfach sitzen bleibt, also meiner wär da ja gleich...unso weiter.
Und, was soll ich sagen, nach gut zwanzig Minuten tapersten Aufrechtsitzens und Adelszugehörigkeit heuchelns hat er sich auf dem Behandlungstisch auch ganz wacker gehalten. Nich gezuckt, nich gekratzt, nich gequiekt - alles in Butter. Nur für mich hat die Diagnose nichts Erfreuliches ergeben: Ich muss weiter, wie die letzten vier Wochen auch, ne doofe Salbe in sein linkes Auge füllen.
Auf dem Nachhauseweg hat er sich dann dreist aus seinem Nike-Kostüm befreit und mich mit beiden Augen grün angestiert. Nur die vorbeirasende Landschaft, die er ja sonst hinter seinem Sporttaschengefängnis nicht sehen konnte, hielt ihn davon ab, auf die Ablage zu hüpfen. Also fuhr er unangeschnallt neben mir und durfte auf dem Hof angekommen auch ganz allein aussteigen. Kaum mit der ersten Pfote auf dem Hofplatz, gab er sich schon wieder ganz wie der Deichgraf und stolzierte als ob nix wär von dannen - nicht ohne mich auf meine Pflichten in Sachen Dose entern hinzuweisen. Der haarige Einäugige.
Neue Texte zum Label 'KaterPaule':
Textoptionen
0
23.02.2006 - 11:43 Uhr
mushummel
bis auf das, dass es bei uns das rechte auge ist, könnte es auch willi sein.
auch mit dem GESTANK! (ich hab auch vermutet, dass er mindestens reingepisst hatte, aber nix)
hehe unsere kater, grandios, was?!