12.02.2006 - 20:00 Uhr

0 5 Über Twitter weiterempfehlen

Aus Unfällen lernen

Text: lisa-rank

Delbo wollen einander wieder mehr zuhören


Vor ein oder zwei Jahren noch waren Delbo eine Symbiose aus Krach und Pop. Hauptstadtmusik zwar, aber ganz ohne Hauptstadt. Keine großen Worte über das Berlin-Feeling, sondern einfach tun. Wie es schon seit ein paar Jahren geht in einem Freundeskreis, der zwei kleine Plattenlabels beinhaltet und Musik nicht des Geldes wegen macht, sondern einfach nicht anders kann. Weil die Musik das Zuhause ist. „Berlin ist das auch“, sagt Sänger und Bassist Daniel Spindler. „Vor allem aber ist Zuhause ein Ort, der einem Geborgenheit und Identität gibt. Das ist ein Punkt, der einem immer und ohne Einschränkung zur Verfügung steht und in keiner Weise fremd definiert ist“.

Wenn man diese Sätze hört und dazu die Songtexte von Delbo addiert, könnte man denken, Daniel sei ein heimatloser, furchtbar trauriger Mensch. Seine Musik ist inzwischen geradliniger, fokussierter als früher, als gleich zu Beginn der Stücke alle Energie in den Raum geworfen wurde und man „von Anfang an auf den Gong gehauen“ hat. „Die Stimmung der Platte ist das Wissen darum, dass Dinge schiefgehen. Oder dass Sachen nicht so sind, wie sie sein sollten. Wenn man aber eine gewisse Ruhe entwickelt, dann kann man das aushalten. Abstand ist vielleicht das beste Motiv dafür.“

Nachfragen und zuhören

Als Havarien, so der Titel des neuen Albums, bezeichnet man auch Unfälle im Reaktorbereich von Kernkraftwerken. Havarien sind Folgen von Notsituationen. Und von 28 Jahren Leben. „Nach der letzten langen Tour wollten wir eigentlich neue Lieder schreiben, aber nichts kam dabei raus. Wir haben viele Dinge einfach als gegeben vorausgesetzt. Das ist wie in einer Liebesbeziehung, in der man sich sicher ist, dass man den anderen hat, und ein bisschen fahrlässig wird, weniger nachfragt.“ Im Zuge der Auseinandersetzungen um die Musik haben Delbo wieder angefangen grundlegende Sachen zu bereden, nachzufragen und zuzuhören. „Zu dem Zeitpunkt waren wir eine Band, aber haben sonst kaum etwas zusammen gemacht. Das ist eine Sache, die auf unseren Listen jetzt ganz oben steht: uns mal wieder als die drei Leute zu treffen, die wir sind.“ lisa-rank.jetzt.de

„Havarien“, das neue Album von Delbo erscheint am 31. März, davor ist die Band bereits auf Tour unterwegs.

Dieser Text stammt von der POP-Spezialseite, die am Dienstag 14.2.2006 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist. Hier kannst du die komplette Seite als PDF ansehen.


Neue Magazin-Texte:
Textoptionen
Mehr Texte von
lisa-rank
Mehr Texte zum Label
jetztgedruckt
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
5 Kommentare

speichern
noise
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

12.02.2006 - 21:32 Uhr
noise

Juhu!
Delbo!

pangramm
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

13.02.2006 - 10:24 Uhr
pangramm

delbo machen doch keinen krach!
ich kenne kaum eine band, die live so unglaublich gut aufeinander eingespielt ist.

franzmuff
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

13.02.2006 - 14:26 Uhr
franzmuff

Ist eine Havarie nicht eher etwas, das Schiffen passiert?

Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

13.02.2006 - 14:26 Uhr
franzmuff

Sorry, bin heute altklug.

maynard
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

13.02.2006 - 20:48 Uhr
maynard

delbo! sind! so! toll!

aber die jungen herren habens wohl nicht nötig ihre hp auf dem laufenden zu halten...


Speichern

Jetzt-Mitglied

lisa-rank offline

lisa-rank

ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.